Sonntag, 1. Oktober 2017

Gruselkabinett Nr. 127 – Die Fakten im Fall Valdemar

In der 127 Folge des Gruselkabinetts verbindet Marc Gruppe zwei Erzählungen von Edgar Allan Poe. Die Kombination finde ich geschickt, so scheint es garnicht abwegig, dass Mr. Valdemar kurz vor seinem Tod dem Doktor ein Geständnis ablegt und von seiner Tat berichtet, die unter dem Titel „Das verräterische Herz“ bekannt ist. Die Rahmenhandlung stellt der bevorstehende Tod von Mr. Valdemar, den Dr. Pelham nutzen möchte, um Lücken in der Erforschung des Magnetismus durch ein neues Experiment zu schließen: Die Hypnose vor Eintritt des Todes. Die große Frage, was mit dem Hypnotisierten nach dem Eintritt des Todes durch die Schwindsucht passiert, beschäftigt den Hörer und die Protagonisten. Mr. Valemar erhofft sich, auf diese Weise sein Leben zu verlängern…

Die beiden Erzählungen aus der Feder von Edgar Allan Poe werden gut erzählt. Besonders der Fall Valdemar gefällt mir, da auf diesen mehr Zeit aufgewandt wird. Das verräterische Herz wird relativ schnell abgehakt: Ich vermisse hier den Grusel durch eine zeitintensivere Inszenierung des persönlich empfundenen Grauens des Täters. Das fand ich schon beim Disney-Trickfilm (den gibt es glaube ich nur auf Englisch und ähnelt einem Hörbuch mit Bildmaterial) wahnsinnig packend und spannend – und bei anderen Hörbüchern ebenfalls. Bei der vorliegenden Vertonung wird weniger Wert auf das Grauen, als auf die geistige Zurechnungsfähigkeit des Erzählenden gelegt. Damit ergibt sich eine schöne Kontrastation zu der Selbstwahrnehmung. Mit 68 Minuten handelt es sich um ein längeres Hörspiel und so kann ich nachvollziehen, warum das verräterische Herz etwas kürzer gehalten wurde.

Beim verräterischen Herz ist, wie in Folge 126, Peter Weis zu hören. Dieses Mal in einer ganz anderen Rolle. Seine Stimme klingt gleich ganz anders – faszinierend! Er leiht seiner Stimme einem liebenswerten alten Mann. Eine tolle Besetzung! Ebenso weiß Louis Friedemann Thiele als junger Valdemar zu überzeugen. Er ist eine ideale Besetzung, harmoniert er doch exzellent mit Rolf Berg, der den sterbenden Mr. Valdemar spricht. Eine faszinierend gute Leistung. In der Rahmenhandlung spielt das Grauen eine größere Rolle. Was mich jedoch mehr beschäftigte als ein wohliger Schauer (das mag besonders an meiner Vorkenntnis der Geschichte liegen, die ich schon häufig gehört habe), war der Ekel, den ich empfand. Das hatte ich bisher bei keiner Vertonung! Es ist somit äußerst gut gelungen, den sterbenden und den toten Mr. Valdemar akustisch darzustellen.

Die Sprecher überzeugen auf ganzer Linie. Dagmar von Kurmin hat eine etwas undankbare Rolle als – für mich – nervige Pflegerin. Amüsant fand ich, dass ebenfalls im Hörspiel die Namen aller anwesenden Personen genannt wurden, es aber bei der Pflegerin schlichtweg „die Pflegerin“ hieß. Das wirkt etwas respektlos.
Helmut Wikelmanns Stimme passt gut zu einem Hypnotiseur, da er mit seiner kräftigen Stimme in mein Bild passt, in dem Magnetismus auf die Menschen einen besonderen Reiz ausübte – ich musste an E.T.A. Hoffmans „Der Magnetiseur“ denken. Tom Raczko ist in diesem Hörspiel nicht als Sohn einer Spanierin zu hören, sondern als junger Arzt, der mit Unglaube und Schrecken den Ereignissen folgt. Die Musikuntermalung und Geräusche bilden erneut eine perfekte Symbiose, sodass ein wunderbar atmosphärisches Hörerlebnis entsteht.

Fazit
Ein gelungenes Hörspiel nach zwei Erzählungen Edgar Allan Poes, bei dem mich mehr der Ekel im Griff hielt als der Grusel. Es war jederzeit interessant dem Geschehen zu folgen. – Bis zum bitteren Ende. Vollständigen Artikel lesen...

Samstag, 30. September 2017

Gruselkabinett Nr. 126 – Kalte Luft

„Kalte Luft“ – mit diesen Worten beginnt dieses Hörspiel. Der Protagonist, James Russel, beginnt zu erzählen, wie es dazu kam, dass für ihn kalte Luft das ist, was für andere schlechte Gerüche sind. Etwas verwunderlich, aber am Ende offenbart sich, welche unheimlichen Erinnerungen er mit kalter Luft verbindet. Wobei Gerüche auch dazugehören. Der Unterschied: Kalte Luft begegnet den meisten häufiger als diese speziellen unangenehmen Gerüche…

James Russel sucht eine günstige Bleibe. Er wird in einem alten prunkvollen Gebäude fündig. Einen Haken muss es aber geben! Ist es wirklich die Straßenbahn, die das ganze Haus erzittern lässt, die die günstige Miete rechtfertigt? Oder ist da mehr?

Nach drei Wochen tropft Ammoniak in sein Zimmer. Das ist nicht das erste Mal, wie Russel von seiner Vermieterin erfährt. Der alte über ihm wohnende Arzt Doktor Munoz soll schon öfter ungeschickt gewesen sein und eine seiner Chemikalien verschüttet haben. Als sich Russel unter akuten Herzleiden zur Wohnung des Doktors schleppt, hilft er ihm. In der Folge besucht er ihn öfter und sein Herzleiden verschwindet. Dem Doktor hingegen scheint es zusehends schlechter zu gehen…

Dieses Kammerspiel ist ein ausgezeichnetes Hörspiel. Die Sprecher leisten hervorragende Arbeit. Besonders Peter Weis ist hervorzuheben. Eine ideale Besetzung für den alten Mann, der sowohl freundlich als auch liebenswert scheint, auf der anderen Seite aber geradezu aggressiv den Tod verabscheut, sodass der Hörer mehr hinter der Fassade vermutet – als ohnehin schon, weil es doch ein Hörspiel des Gruselkabinetts ist und die Apparaturen des Doktors doch reichlich wunderlich sind. Dank seiner warmen Stimme kann dem etwas unheimlichen Doktor viel Sympathie entgegengebracht werden. – Bis sein Ende nahe zu sein scheint, er in Todesfurcht um sein Leben kämpfen lässt und letztendlich dem Hörer Gewissheit über das gibt, was er bisher nur vermutete.
Dazu gesellt sich Timmo Niesner als freundlicher James Russel, der den Arzt häufig besucht und zusammen mit dem Hörer immer besser kennenlernt. Neben der Darstellung des freundlichen und fürsorglichen James, gelingt es Timmo Niesner ebenso bravourös als Erzähler durch das Hörspiel zu leiten. In kleineren Rollen sind Monica Bielenstein und Tom Raczko zu hören. Sie sprechen für mich als Laien ausreichend mit einem spanischen Akzent, um die Herkunft der Figuren auditiv zu belegen.

Der Soundtrack dieses Hörspiels ist ein wenig moderner angehaucht und begleitet das ganze Hörspiel wunderbar eindringlich und zugleich in einigen Phasen beruhigend. Es war eine Wohltat, der Musik zusammen mit dem Gesagten zu lauschen. Die Geräusche ergänzen das Hörspiel jeweils im passenden Moment und sorgten bei mir für eine großartige Immersion.

Fazit
Dieses Hörspiel hat mich regelrecht gefesselt. Das liegt zum einen an den tollen Sprechern, Geräuschen und der Musik, zum anderen an der Erzählung selbst, die in sich stimmig ist und es exzellent beherrscht nicht zu viel zu verraten oder übereindeutig zu sein, sodass genug Luft für die eigene Fantasie bleibt, sich der Hörer aber trotzdem niemals verloren fühlt und sehr genau weiß, beziehungsweise sich vorzustellen vermag, was passiert ist. Grandios! Vollständigen Artikel lesen...

Samstag, 26. August 2017

Gruselkabinett Nr. 124 & 125 – Der Krieg der Welten

Auf die Veröffentlichung von H.G. Wells „Krieg der Welten“ habe ich mich sehr gefreut. Nicht nur wegen des packenden Covers, dass die angreifenden Marsianer mit ihren furchteinflößenden dreibeinigen Maschinen in London zeigt. Das Cover zum zweiten Teil gefällt mir ebenfalls sehr. Beide spiegeln hervorragend das Thema des jeweiligen Teils wider:

Im ersten Teil begleitet der Protagonist (Bruno Winzen) zusammen mit einem Bekannten, Explosionen auf dem Mars, die sie so interpretieren, als ob etwas auf dem Weg zur Erde sei. Dies stellt sich später als korrekt heraus, als der erste scheinbare Meteorit in der Nähe einschlägt. Damit beginnt die tödliche Invasion der Marsianer.

Im zweiten Teil versteckt sich der Protagonist und es wird eindringlich beschrieben, wie er die Invasion wahrnimmt und versucht zu überleben sowie Verwandte aufzusuchen.

Das erste Cover spiegelt hervorragen den Überraschungsangriff und Schrecken wieder. Das zweite die Tristheit und Ausweglosigkeit in den Ruinen der zerstörten Städte. Die Coverbilder regen mich zum Nachdenken an – zusätzlich, weil sie die Kampfmaschinen verschieden darstellen und vor allem der Elizabeth Tower im zweiten Bild gerade steht. Damit hätte ich nach dem ersten nicht gerechnet.

Mir gefällt der zweite Teil sehr gut. Es kommt die düstere Stimmung so schön herüber. Die Szenen mit dem Hilfsprediger, der mit der Situation nicht umzugehen weiß fand ich besonders mitreißend – und das Ende einfach romantisch-schön und so wunderbar umgesetzt. Es lief ein schöner Kinofilm vor meinem inneren Auge ab.

Der erste Teil zeigt Schwächen. Erstmal ist er fast 15 Minuten länger. Ebenfalls eine Laufzeit von 45 Minuten hätte der Geschichte meiner Meinung nach gut getan. Mir fiel zum ersten Mal (im elften Track) ein Musikstück auf, das mir unpassend erschien. Normalerweise bemerke ich beim ersten Hören keine Musikuntermalung, weil ich in der Immersion so drinstecke. Hier hat es meiner Immersion geschadet. Daher fiel es mir auf. Das Stück ist nicht vollends unpassend, doch waren die Akzente für mich, während der Dialoge der ersten 90 Sekunden zu feierlich, wenig bedrohlich – auch nachdem sie dem Tode scheinbar knapp entkamen. Gerade um die Minute 1:11 hat mich das ganze an Star Wars erinnert. Der nächste Kritikpunkt ist ebenfalls wahrscheinlich eine persönliche Empfindung: Georg Tryphon fand ich anstrengend zu lauschen (Gott, klingt er heiser) und hätte lieber einen anderen Sprecher in der Rolle gehört. Die Dialoge des Protagonisten mit seiner Frau, die wohl die Dramatik erhöhen sollen, weil sie die beiden faszinierten Männer dazu zu drängt, der unmittelbaren Gefahr zu entfliehen, finde ich gut, aber ebenfalls etwas anstrengend (aufgrund der wegen der Panik erhöhten Stimmlage – meine Ohren schmerzen, wenn ich daran denke). Es entsteht auch eine gewisse Komik.

Bruno Winzen fand ich beim ersten Hören als Erzähler etwas zäh – zu langsam, zu betont. Das hat mich die nächsten Male nicht mehr so gestört. Etwas flotter, hätte meiner Meinung nach trotzdem nicht geschadet. Insgesamt finde ich die Sprecherleistungen ordentlich, mit ein wenig Luft nach oben. Beim zweiten Teil passt es und die Qualität ist für mich wie gewohnt erstklassig.

Die musikalische Untermalung gefällt mir, bis auf die eine Ausnahme. Ganz begeistert bin ich von den Geräuschen. Die Explosionen, Meteoriteneinschläge und Waffen der Aliens lassen diesen Eintrag im Gruselkabinett ungewohnt laut und actionreicher erscheinen. Tolle Leistung!

Fazit
Ein gutes Hörspiel, bei dem es mir besonders der zweite Teil, die Geräusche und die Coverbilder angetan haben. Vollständigen Artikel lesen...

Mittwoch, 28. Juni 2017

Gruselkabinett Nr. 123 – Die Zeitmaschine

Weiter geht es mit Umsetzungen von H.G. Wells. Dieses Mal ist das Thema: Zeitreisen! Ähnlich wie bei den vorherigen Wells-Hörspielen im Gruselkabinett kann es bei solchen wissenschaftlichen Themen unheimlich zugehen. Nicht zuletzt sind Experimente und Dergleichen bei Horror-Geschichten ein so beliebtes Thema…

Die Sprecher sind allesamt toll! Annina Braunmiller-Jest schafft es mit ihrer unbefangenen Darstellung von „Weena“ die zukünftige Erdgeschichte zum Leben zu erwecken. Dank ihr und den Schilderungen des Zeitreisenden entsteht eine Vision der Zukunft vor den Augen des Hörers. Ulkig finde ich die Rollenbezeichnung: „Der Zeitreisende“. Wie eingangs in der Geschichte erwähnt, nutzt der Erzähler der Rahmenhandlung zur Vereinfachung diesen Namen. Ob es sich um eine bekannte Persönlichkeit handeln sollte? Mir gefällt es, wie sich alle (genau genommen zwei Personen, die Haushälterin zählt nicht zu den Eingeweihten) beim Zeitreisenden treffen, der seine Gegenüber überzeugen möchte, dass Zeitreisen möglich sind, indem er ihnen ein funktionsfähiges Modell einer Zeitmaschine vorführt. Wenig später will er mit dem großen Exemplar seine erste Zeitreise antreten. Ob das gut geht?

Die Geschichte hat mich an „Der Drachenspiegel“ (von Abraham Merritt) erinnert, da dort ebenfalls in eine „andere Welt“ gereist wird. In diesem Fall ist es die Zukunft, die aber arg anders ist, als gedacht. Faszinierend und unheimlich. Ob der Zeitreisende in seine Zeit zurückkehren wird?

Das Cover zeigt die düstere Zukunft, in der sich der Zeitreisende erstmal zurechtfinden muss, bzw. deren Schrecken erkennen. Es ist interessant den Darstellungen zu folgen und über die dortige Gesellschaft und deren Auswirkungen nachzudenken.

Wie gewohnt ist die technische Seite einwandfrei: Das Klangerlebnis erzeugt eine tolle Atmosphäre. Es bleibt spannend und interessant der Handlung zu folgen. Das Hören macht Spaß. Wobei ich das Hörspiel lieber am Tag gehört habe als vor dem Zubettgehen…

Fazit
Ein tolles Hörspiel. Schön ruhig und atmosphärisch umgesetzt. Faszinierend und unheimlich. Gewohnt romantische Kost mit schaurigen Elementen. Prima! Vollständigen Artikel lesen...

Dienstag, 27. Juni 2017

Der bucklige Mann (Folge 30) – Sherlock Holmes

Auch bei dieser Sherlock Holmes Folge geht es beschaulich zu: Das Hörspiel beginnt mit einer langen Erzählung Sherlock Holmes. Sein Freund Doktor Watson lauscht eifrig. Richtige Hörspieleinschübe folgen erst später. Es bleibt durchgängig interessant. Ich schätze die ruhige Erzählart. Das gibt genug Raum und Ruhe, um eine wohltuende Atmosphäre, wie beim Lesen eines Sherlock Holmes Romans oder Kurzgeschichte, entstehen zu lassen. Es bleibt trotz der Erzählungen des Geschehenen durch verschiedene Personen ein Hörspiel, weil es Zuhörer gibt, die sich dazu äußern und nicht zuletzt wegen der Einschübe, in denen der Hörer statt der Erzählung zu lauschen direkt die jeweilige Szene mithört.

An dem Fall gefällt mir besonders, dass Sherlock Holmes Ermittlung für ein Happy End nicht notwendig ist, aber dadurch dem Hörer die gesamten Zusammenhänge erklärt werden.

Gut gefallen hat mir die Kontinuität der Sprecher. Wiggins hat den gleichen Jungen als Sprecher wie zuletzt. Holmes klingt für mich immer noch etwas wie im letzten Hörspiel, bei dem er kränklich war. Vielleicht ist die Stimme einfach gealtert. Amüsant war es wieder Margery Mapleton dabei zu haben, die erneut Mrs. Hudson vertritt. Insgesamt eine tolle Sprecherauswahl, die überzeugt.

Das Cover-Motiv von Ertugrul Edirne ist sehr schön geworden. Mir gefällt besonders die Darstellung des buckligen Mannes, mit dem Holzkasten auf dem Rücken. Die Szene gibt es auch so im Hörspiel: Der bucklige trifft auf zwei Frauen, von denen er eine wiedererkennt. Die andere ist schockiert und findet den buckligen Mann abstoßend. Dieses Zusammentreffen ist für Sherlock Holmes entscheidend, um den Fall aufzulösen.

Fazit
Ein weiteres grundsolides Sherlock Holmes Hörspiel. Die Tragik der Auflösung wird stimmungsvoll erzählt und rundet das Hörspiel ab. Klasse! Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 28. Mai 2017

Gruselkabinett Nr. 120 & 121 – Der Unsichtbare

Mit der Geschichte eines Unsichtbaren bin ich das erste Mal durch einen Film konfrontiert worden. In diesem unternahm ein Wissenschaftler ein Selbstversuch, bevor seinem Projekt das Geld entzogen wird - und wurde unsichtbar. Zum Leid seiner Kollegen änderte sich mit der Zeit sein Wesen, sodass es sich letztendlich um einen Action-Horror-Film handelt. Der Film orientiert sich bestimmt an H. G. Wells Roman…

Ein unheimlicher Mann namens Griffin (herrlich unsympathisch und brutal von Simon Böer verkörpert) trifft völlig vermummt – selbst sein Gesicht ist verborgen – in einem Gasthof ein. Er will dort während der Winterzeit verweilen und wichtige Experimente durchführen. Das Ehepaar des Gasthofes freut sich über die Einnahmen in der schwierigen Winterzeit und lässt dem Gast deshalb viele Freiheiten. Griffin tritt so selbstbewusst und herrisch in Erscheinung, dass es nicht viele wagen, ihm zu widersprechen. Er ist ein unheimlicher Mensch, scheinbar ein Wissenschaftler, der das Ergebnis eines Experiments versucht zu reproduzieren, da durch ein Unglück die Unterlagen mit den Ergebnissen seiner Forschung verloren gingen. Im Verlauf der Zeit geschehen immer mehr ungewöhnliche Dinge in Iping, dem Ort in dem der gruselige Griffin gastiert. Schon bald ist er nicht mehr willkommen…

Mir fällt es geradezu schwer nicht zu viel von der Geschichte zu verraten. Sie ist überaus interessant inszeniert. Es werden auch (nahezu) alle sich ergebenen offenen Fragen geklärt: u.a. die Herkunft des Unsichtbaren und seine Beweggründe. Schade finde ich, dass die Entwicklung der sich ändernden Persönlichkeit nicht ausführlicher begleitet wird. So finde ich aufgrund der gemächlichen atmosphärischen Inszenierung das Ende immer noch etwas merkwürdig (daher das „nahezu“), bei dem der Unsichtbare meint, nun die Weltherrschaft anstreben zu müssen. Da sehe ich nur noch Wahnsinn – mir fehlt eine schlüssige Motivation für dieses Ziel. Für die ursprüngliche Forschung (unsichtbar werden) gibt es eine so schöne. Die Entwicklung Griffins wird gut aufgezeigt. Der letzte Schritt zum völligen Wahnsinn ist leider etwas unmotiviert – das null-acht-fünfzehn-Motiv („das Serum hat Schuld“) frustriert mich. Das fand ich dann doch etwas plump. Schade – die vielen Szenenwechsel im zweiten Teil, die die Vergangenheit beleuchten und erzählen wie es zu all dem kommen konnte und was tatsächlich geschah, sind ausgezeichnete Hörspielkost und spannend zu verfolgen. Es geht so weit, dass dem späteren Bösewicht Sympathie entgegengebracht werden kann. Simon Böer schafft es hervorragend, in den verschiedenen Szenen den richtigen Ton zu treffen. Auch die vielen weiteren Sprecher leisten hervorragende Arbeit.

Bei Titania Medien ist man atmosphärische Hörspiele gewohnt und genau das erhält man. Ein wirklicher Ausrutscher ist bisher ausgeblieben, nur Folgen, die ich lieber höre, einige die ich seltener höre und dann sind da die Highlights. Diese Folge werde ich wohl seltener hören, aufgrund meines persönlichen Empfindens bei der Handlung und sicherlich auch wegen der Länge. Wahrscheinlich werde ich eher öfter nur den ersten Teil hören. Dieser kann nämlich auch sehr gut alleine gehört werden, sofern ein offenes Ende nicht als störend empfunden wird oder es eben noch in Erinnerung ist. Bei diesem Zweiteiler hätten die Folgen auch gut einzeln verkauft werden können.

Fazit
Ein solider Zweiteiler: Wunderbar atmosphärisch mit großartigen Sprechern umgesetzt. Während mir der erste Teil sehr gut gefällt, mag ich den zweiten, der alles erklärt und auflöst nicht besonders, da ich mit dem dargebotenen Wahnsinn wenig anfangen kann, nachdem zuvor alles so schön verständlich war. Dieser Kontrast, sicherlich gewollt und aus der Vorlage übernommen, stört mich, hat jedoch den Vorteil, dass ich lieber darüber nachdenke, wie ich die Geschichte enden lassen würde – nach dem ersten Teil oder eben der Hälfte des zweiten Teils. Vollständigen Artikel lesen...

Freitag, 26. Mai 2017

Gruselkabinett Nr. 122 – Die Insel des Dr. Moreau

H.G. Wells muss bei seinen Studien der Naturwissenschaften fasziniert gewesen sein. In der letzten Folge liegt der Fokus mehr auf der Chemie („Der Unsichtbare“), wohingegen sich in dieser („Die Insel des Dr. Moreau“) die Thematik mehr auf die Biologie konzentriert. Dr. Moreau schafft Tiere auf seine einsame Insel. Ein Schiffbrüchiger schließt sich dem Doktor an, ohne dessen genaue Forschungen an den Tieren zu kennen. Froh, dem Tod entkommen zu sein, braucht er einige Zeit, um die unheimlichen Dinge auf der Insel zu bemerken…

Diese Folge gefällt mir viel besser als „Der Unsichtbare“ desselben Autoren. Das liegt an der etwas freundlicheren Grundsituation (der Protagonist ist dieses Mal ein Guter und wird herrlich von Louis Friedemann Thiele gesprochen – zwischen angenehmer Naivität und Schrecken ist alles dabei). Der Protagonist ist schnell die gute Seele der Insel, die positiv einzugreifen versucht. So entwickeln sich interessante Gespräche zwischen Dr. Moreau, den Lutz Riedel so herrlich facettenreich darstellt. Ich mag es, wenn der „Böse“ nicht wirklich „böse“ ist, sondern sich schlichtweg seines moralisch verwerflichen Tuns nicht bewusst ist – ja, geradezu keinen Sinn dafür hat. Hinzu kommen die vielen Sprecher, die anderen Inselbewohnern ausdruckstark eine Stimme geben – oder eben beim Intro den vielen Seefahrern. Neben den großartigen Sprechern sorgt jedoch auch die Geräuschkulisse und musikalische Untermalung für eine großartige Atmosphäre.

Das Gruselkabinett wiederholt sich musikalisch mit ausgewählten Klängen, sodass sich der Hörer – besonders gerne bei der Einleitung einer Geschichte – gleich heimisch fühlen kann. Ich sitze dann immer gedanklich am offenen Kamin, wobei mir der Erzähler eine schaurige Geschichte erzählt.

Das Cover mit seinen kräftigen Farben ist sehr ausdrucksstark und schafft den Spagat der Darstellung des zunächst angenommenen idyllischen Friedens auf einer abgeschiedenen Insel mit dem im Verborgenen stattfindenden Horror.

Fazit
Ein tolles Hörspiel mit gut aufgelegten Sprechern und einer Handlung, die dem Hauptdarsteller viel Sympathie entgegenbringen lässt, sodass mit diesem gehofft und gebangt wird. Tatsächlich stirbt die Hoffnung dem unheimlichen Treiben auf der Insel ein Ende setzen zu können oder ihm wenigstens zu entkommen zuletzt. Klasse gemacht! Vollständigen Artikel lesen...