Sonntag, 11. Dezember 2011

Robert Louis Stevenson - Die Schatzinsel



Produktion: Winterzeit Studios
Sprecher: Gordon Piedesack, Michael Krüger, Martin Schäfer, Bert Stevens, Jens Wendland, Robert Missler, Helmut Krauss, Helgo Liebig u.a.
Genre: Abenteuer
Dauer: ca. 180 Minuten



Inhalt:
Meine Begleiter auf jener denkwürdigen Reise haben mich gebeten, die Geschichte der Schatzinsel von Anfang bis zum Ende nieder zu schreiben und nur die geographische Lage der Insel, auf der sich noch immer unermessliche Schätze befinden, zu verschweigen. Ich ergreife daher die Feder und beginne in der Zeit, als mein Vater gerade verstorben war und meine Mutter den „Admiral Benbow“ übernahm. Als der sonnenverbrannte alte Seemann mit der Säbelnarbe unterm linken Auge sein Quartier unter unserem Dach aufschlug.

… so beginnt eine der spannendsten Abenteuer-Geschichten der Weltliteratur und entführt Leser und Hörer gleichermaßen auf eine Reise, in der Spannung und Leidenschaft nach einem sagenhaften Schatz nicht zu kurz kommen. Und was am wichtigsten ist, Jim Hawkins erfährt, was wahre Freundschaft bedeutet.

Die Handlung:
Robert Louis Stevenson's Abenteuerklassiker ist eines der berühmtesten Bücher der Welt. Schon oft wurde diese Geschichte verfilmt und vertont. U.a. auch von Sven Stricker. Ich muss sagen, ich kann keine Vergleiche anstellen, da dies das erste Schatzinsel Hörspiel für mich ist. Die Suche nach dem Schatz des Käptn Flint, die der junge Jim Hawkins auf sich nimmt, beeindruckt durch dramatische und lehrreiche sowie beängstigende und lustige Erlebnisse. Lehrreich wird über Vertrauen, Freundschaft und Mut erzählt und man erkennt, dass nicht jeder Freund ein guter Freund ist. Der Bestseller bietet also Spannung pur. Thomas Tippner, dessen großer Wunsch es war, sich diesem Klassiker der Weltliteratur anzunehmen, legt eine wirklich gute und originalgetreue Bearbeitung vor. Zwar ist das Hörspiel doch etwas "Erzählerlastig", dennoch stört das aufgrund von Gordon Piedesacks Sprechleistung und dem Umstand, dass Jim Hawkins der Ich-Erzähler ist, nicht. Etwas verwirrend für mich war die Tatsache, dass Long John Silver in Tippners Version "Hans" mit Vornamen heißt. Thomas Tippner erklärte mir, es läge an einer alten ins Deutsche übersetzten Version, von der er dann diesen Namen übernahm. Weiterhin gestört hat mich dies allerdings nicht.

Sprecher: Bei der Schatzinsel von Thomas Tippner handelt es sich um ein gut dreistündiges Hörspiel und so ist es auch in Hinsicht auf Robert Louis Stevenson's Klassiker nicht weiter verwunderlich, dass man bei diesem Hörspiel einen großen Cast aufweist. In der Rolle des Erzählers und dem alten Jim Hawkins fungiert Gordon Piedesack. Durch seine markante Erzählerstimme ist dies auch ohne weiteres möglich. Er reisst den Hörer geradezu in das Geschehen hinein. Dem jungen Jim Hawkins leiht Michael Krüger seine Stimme. Meißt spricht er richtig gut, allerdings wirkt sein Spiel vereinzelt etwas "unwirklich". Weitere Hauptrollen sind mit Martin Schäfer (Hans Silver), Jens Wendland (David Livesey), Robert Missler (John Trelawney), Helmut Krauss (Billy Bones), Helgo Liebig (Kapitän Smollet), Peter Tiefenbrunner (Mr. Arrow) und Bert Stevens (Ben Gun) ausgezeichnet besetzt. Gerade Bert Stevens hat mir in seiner Rolle als Ben Gun sehr gut gefallen, seine Stimme passt perfekt zu dem alten zurückgelassenen Greis. Jens Wendland und Robert Missler wirken sehr angenehm in ihren Rollen, was vor allem ihren freundlichen Stimmen und ihrem Spiel zu verdanken ist. Peter Tiefenbrunner und Helgo Liebig trumpfen mit ihren harten und markanten Stimmen als erster Maat und Kapitän auf. Billy Bones kann man sich auch so vorstellen, wie ihn Helmut Krauss interpretiert. Zwar hätte Hans Silver noch gemeiner klingen können, dennoch sprach Martin Schäfer gut. In weiteren Rollen sind Ben Possener, Lena Simon, Jörg Schuler, Claus Fuchs, Mario Hassert, Sven Matthias, Tobias Diakow, Detlef Tams und Tom Steinbrecher zu hören. Leicht negativ fiel Lena Simon auf, da sie als Mutter für Jim einfach zu jung besetzt war.

Musik und Geräusche:
Neben einer guten Geräuschkulisse, für die Tom Steinbrecher verantwortlich war, möchte ich vor allem auf die Musik in diesem Hörspiel eingehen. Sebastian Pobot und Tom Steinbrecher haben gemeinsam einen Soundtrack geschaffen, der sehr schnell "Abenteuerfeeling" aufkommen lässt. Die Musik ist hollywoodreif und erinnert, zumindest im Titelstück, bisweilen leicht an Fluch der Karibik. Allerdings hätte man auch in den Szenen mehr Musik einsetzen können, da fehlte sie mir doch ein wenig.

Cover: Meer, ein Schiff, Piraten, ein Schatz und Jim Hawkins. All diese Bestandteile hat Wolfram Damerius in seiner tollen Coverillustration vereint. Zwar hätte ich mir persönlich eher eine Fotobearbeitung gewünscht, da das Hörspiel kein reines Kinderhörspiel ist und auch Erwachsene ansprechen soll, allerdings kann ich nicht verneinen, dass mir die Zeichnung zusagt. Markus Winter zeichnet sich für das Coverdesign und Layout verantwortlich.

Gesamtfazit: Winterzeit Audiobooks bietet mit dieser 3 Stunden langen Hörspielversion dieses Weltklassikers feinste Hörspielunterhaltung, die nur kleine Fehler aufzuweisen hat. Hier schlägt nur zu Buche, dass einige wenige Sprecher nicht ganz perfekt besetzt waren bzw. schauspielerisch etwas mehr an den Tag hätten legen können. Sonst kann man echt zufrieden mit dieser Neuvertonung sein und sowohl Thomas Tippner als dem Rest des Teams gratulieren und dieses Hörspiel für Jedermann empfehlen, selbst denen, die sich schon an Schatzinselvertonungen sattgehört haben!


12 Punkte / Note 2
Vollständigen Artikel lesen...

Montag, 14. November 2011

Mindnapping (05) Witchboard





Produktion: Audionarchie 2011
Sprecher: Merete Brettschneider, Mia Diekow, Leonhard Mahlich, Daniel Welbat, Wolf Frass u.a.
Genre: Psychothriller
Dauer: ca. 70 Minuten




Inhalt:
Coraline, ihre neue Liebe Ron, ein College-Baseball-Spieler, Eugene, ihr bester Freund und die anstrengende Ashley fahren gemeinsam Richtung Florida, um dort ihre Semesterferien zu verbringen. Doch mitten im Great Smoky Mountains Nationalpark streikt plötzlich der Wagen. Die vier Studenten sind gezwungen, in einem einsam ge-
legenen Haus zu übernachten. Als Coraline bei einer Seance Botschaften aus dem Jenseits empfängt, die vor Ron warnen, wandelt sich die Nacht in den Bergen zu einer mörderischen Odyssee....

Die Handlung:
Carsten Steenbergens Psychothriller "Witchboard" weist viele Spuren eines Horrorhörspieles auf. Gekonnt verknüpft Steenbergen diese Elemente mit einem Handlungsfaden, der in einem Psychothriller endet. Bei der Charakterisierung hat es Steenbergen genauso gemacht wie seine Kollegen bisher: kühle Charakterbeschreibungen, ohne zu viel zu verraten. So gelang ihm ein spannender und düsterer Thriller, der mit einem guten Ende aufwartet.

Sprecher: Leonhard Mahlich war sehr überzeugend in seiner Rolle des "fürsorglichen" Eugene. Genauso wie er spielte Daniel Welbat perfekt den nervösen und aggressiven Ron. Merete Brettschneider und Mia Diekow gaben zwei gute weibliche Hauptrollen, ganz im Stile des Klischees. Wolf Frass war in einer kleinen Rolle als Parkplatzwächter zu hören, in der er sehr realistisch klang. Neben Sylvie Nogler als Tankstellenfrau war erneut Gordon Piedesack in seiner wiederkehrenden Rolle als Officer Decker zu vernehmen. Alle Sprecher gaben ihr Bestes.

Musik und Geräusche:
Um Schnitt, Mix und Musik kümmerte sich diesmal der Komponist Marcel Schweder. Sein Soundtrack passt perfekt zum Hörspiel und erzeugt eine unheimliche Stimmung. Einmal wirkt der Einsatz eines Musikstückes störend, da man nicht auf die Dauer achtete. So entfernt man sich in Gedanken zu weit von der Hörspielhandlung und es entsteht ein "Bruch". Geräusche wurden realistisch eingesetzt.

Cover: Den Mittelpunkt des Hörspieles bietet das "Witchboard". So auch wenig verwunderlich, dass man für das Covermotiv ein Glas und Buchstabenkarten verwendete. Das Foto ist wie üblich im Sepiastil gehalten und passt sich gut in das Mindnappinglayout von Daniel Klages-Saxler ein. Im Booklet sind Informationen zum Autor Carsten Steenbergen und ein Zitat aus der Geschichte mit Foto zu finden.

Gesamtfazit: "Witchboard" weist alle Elemente eines guten Psychothrillers auf. Anfangs dürfte man zwar als Hörer eher ein Gruselhörspiel annehmen, doch da führte Steenbergen geschickt in die Irre. Mit einer guten Besetzung, tollem Soundtrack von Marcel Schweder und einem düster anmutenden Cover ist somit erneut eine sehr gute Folge der Mindnapping-Serie gelungen. Allein der Bruch durch ein Musikstück wirkte störend.

14 Punkte / Note 1
Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 13. November 2011

Mindnapping (04) Flutnacht




Produktion: Audionarchie 2011
Sprecher: Christian Stark, Udo Schenk, Reent Reins und Marion von Stengel
Genre: Psychothriller
Dauer: ca. 70 Minuten



Inhalt:
Tim Felton nimmt nach dem Unfalltod seiner Freundin den Job als Vogelwächter auf Brooks Island an - eine einsame Insel an der Küste vor Maine. Das beschauliche Forscherleben endet jäh, als Tim Hinweise entdeckt, dass sein Vorgänger unter mysteriösen Umständen verschollen ging und eine geheimnisvolle Schiffbrüchige auf Brooks Island angespült wird. Wenig später weiß Tim nicht mehr, ob er seinen Sinnen trauen kann oder ob er das Schicksal des letzten Vogelwartes teilen wird: Paranoia, Wahnsinn und Tod...

Die Handlung:
Ein gebrochener Mann, der seine große Liebe verloren hat. Genau das lässt einen Menschen zu einem einsamen Pfeiler im Lauf des Lebens werden. Und genau deshalb war der Job auf Brooks Island wie geschaffen für Tim Felton. Simon X. Rost, den man von "Mitschnitt" kennen dürfte, hat es erneut ins Psychothrillergenre verschlagen. So bietet er mit Flutnacht einen ausgefeilten und in keiner Weise übertriebenen Psychothriller, den so schnell keiner ausstechen wird. Er befasst sich mit seinen vier Hauptfiguren und haucht ihnen mit seiner umfassenden und geheimnisumwitterten Charakterisierung unheimliches Leben ein, ohne Schritt für Schritt zu viel zu verraten. Seine Geschichte bietet sehr gute und nicht zu erwartende Wendungen, welche die Spannung noch um ein vielfaches anheben. Ein klein wenig war ich an Roman Polanskis "Ghostwriter" erinnert, was mich aber keineswegs störte.

Sprecher: Christian Stark glüht in seiner Hauptrolle, Tim Felton, vollkommen auf. Er übernimmt die Rolle des "Ich-Erzählers" und versucht nicht nur, die ganze Emotionsgewalt in dieser Geschichte auf den Hörer zu übertragen, er vollführt dies in allen Einzelheiten. Er ruft in Verbindung mit seiner Stimme und der suspensiven Geschichte eine Spannung und Angst hervor, die man wahrhaft spürt. Udo Schenk, der mit einer unausstehlich guten Stimme glänzen kann, spielt hier in dieser Geschichte ebenfalls eine Rolle. Er ist eine der Bezugspersonen zu Tim, die er in Hinblick auf die Insel kennt. Reent Reins vermag dem ehemaligen Leuchtturmwärter, der verschwand, in Tagebucheinträgen Leben einzuhauchen und ebenfalls eine unheimliche Angst zu erzeugen. Marion von Stengel wirkt sehr überzeugend in ihrer Rolle als "Susan", die einfach angeschwemmt wird... Alle vier Sprecher dieses kleinen Hörspielensembles arbeiten sehr gut zusammen und beleben diese Geschichte zu einem düsteren Thrillerhörspiel.

Musik und Geräusche:
Marko Peter Bachmann weiß die suspensive Stimmung der Geschichte perfekt in Klängen umzusetzen. Neben der sehr guten Audiokulisse und der Hörspielbearbeitung setzt er die perfekten Klangakzente, um die Spannung zu erhöhen und die Musik nicht störend wirken zu lassen. Ein klein wenig erinnert der Score sogar an den Soundtrack zu Polanskis "Ghostwriter".

Cover: Das Foto eines schiffbrüchigen Bootes im Sepiastil passt sich gut in das Layout von Daniel Klages-Saxler ein, welches sehr gut mit der Geschichte symbiotisiert. Das Booklet enthält sowohl Infos zum Autor, als auch einen Text zur Zusammenarbeit zwischen Patrick Holtheuer und Simon X. Rost.

Gesamtfazit: In einzelnen kleinen Punkten hat mich das Psychothrillerhörspiel von Simon X. Rost an "The Ghostwriter" von Roman Polanski und Robert Harris erinnert. Dies ist allerdings hier als ordentlicher Vorteil zu sehen, da dies u.a. auch der Qualität geschuldet ist. Die suspensive Spannung und das Gänsehautfeeling halten auch während der Wendungen perfekt an und können bis einschließlich des Schlusses in dieser sehr guten Bearbeitung absolut überzeugen!

15 Punkte / Note 1
Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 9. Oktober 2011

Gruselkabinett Nr. 56 / 57 - Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers

Der letzte Zweiteiler des Ermittler-Teams Aylmer Vance (als Geisterseher) und des Rechtsanwalts Dexter (als Medium) stellte die bisherige Solo-Karriere von Aylmer vor und wie es dazu kam, dass die beiden Männer sich zusammenschlossen. Es war bereits interessant den ersten vier Geschichten zu lauschen. Die vier neuen Abenteuer des Duos sind ebenso fesselnd, wenn nicht sogar noch intensiver. Besonders der zweite Teil übt eine besondere Faszination auf mich aus.

Auf der ersten CD ermitteln die beiden in einem Fall mit einem Poltergeist sowie einem Vampir. Die Erzählweise ist angenehm ruhig und doch packend. So muss sich angenehmer leichter Grusel anhören, der typischerweise der Schauer-Romantik zugeordnet wird! Die Geschichten werden wie man es erwartet zu einer gewissen Zufriedenheit abgeschlossen.

Die Lösungen der Abenteuer von Teil zwei sind weniger optimistisch. Zunächst geht es um zwei Seelen, die zueinanderfinden sollen, was jedoch den physischen Tod der Körper bedeuten könnte. Aylmer Vance ist sich nicht sicher, ob er dies letztendlich verhindern kann und ob es überhaupt richtig wäre. Im Anschluss werden die beiden wie in der ersten Abenteuersammlung auf ein altes einsames Gebäude angesetzt. Dieses Mal gibt es jedoch keinen „normalen“ Spuk: Die Bewohner werden mit furchtbaren Angstzuständen konfrontiert und was das Ermittler-Duo herausfindet, ist keineswegs schön. Die Möglichkeit zur Abhilfe dürfte dem Auftraggeber nicht zusagen…

Sämtliche Sprecher leisten hervorragende Arbeit. Jeder überzeugt auf ganzer Linie. Die Auswahl passt bis auf eine Ausnahme immer perfekt zu den Personen, die sie sprechen. Hannes Maurers Stimme empfinde ich nicht als Idealbesetzung für den Orgelspieler Cuthbert Ford. Sie klingt für meinen Geschmack sanft für einen Mann, der unheimlich aussehen soll. Bei einem Hörspiel erwarte ich aufgrund der fehlenden Bilder, dass in den Stimmen ein Stück weit auch das Aussehen transportiert wird.

Wie üblich überzeugt die Geräusch- und Musikkulisse. Besonders gut haben mir die Effekte bei der letzten Kurzgeschichte (zweite CD) gefallen. Die spürbare Angst, die den Protagonisten zusetzt, ist derart akustisch umgesetzt worden, dass der Hörer mitfühlen kann. Erstklassig!

Fazit
Nach der gelungenen ersten Abenteuersammlung des Geistersehers Aylmer Vance lässt Titania Medien diesen mit seinem Medium Dexter erneut in einer ebenso guten Produktion ermitteln. Die neuen Abenteuer gefallen mir fast besser, was aber auch daran liegen kann, dass die ersten vier keine Überraschung mehr bieten. Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 11. September 2011

Gruselkabinett Nr. 53 – Die Herrenlose

Dr. Dark erzählt als alter Mann von seiner ersten Tätigkeit als Arzt. Da ihm seine Ausbildung sehr mitgenommen hat, möchte er sich auf der See kurieren. Wegen Mangels an den nötigen finanziellen Mitteln, versucht er als Boardarzt anzuheuern, was ihm auch gelingt. Die Route führt durch eine Passage, die berüchtigt ist für plötzlich auftretende heftige Unwetter. Nach einem solchen Sturm sind Passagiere und Schiff stark mitgenommen. Die Sichtung eines herrenlosen Schiffes weckt jedoch schnell die Neugier. Es wird beschlossen, sich an Deck des uralt aussehenden Schiffes einmal umzusehen. Bereits bei der Annäherung gibt es Widrigkeiten und merkwürdige Beobachtungen. Schon bald stellen die Neugierigen fest, dass dieses herrenlose Schiff nicht wirklich verlassen zu sein scheint …

William Hope Hodgsons Geschichte über die Herrenlose ist eine idyllische Geschichte, für eine stürmische Nacht. Als ob es vom Hörspiel beabsichtigt wäre, fing es bei mir an zu Blitzen und Donnern, als die Besichtigung des Schiffes anlag. Eine gute Grundvoraussetzung zum spannungsgeladenen Lauschen des Hörspiels. Der Grusel ist wie bei den meisten Folgen dieser Reihe recht zurückhaltend. Dennoch unterhält das Hörspiel gut.
Schön finde ich die Darstellung des Schiffes, bei dem nicht alles von den verschiedenen Figuren interpretiert wird. Die Beschreibung, wie es sich präsentiert, reicht völlig. Die Auslegung ist recht offensichtlich. Eine Erklärung wäre überflüssig und daher freue ich mich besonders über das Weglassen dieser. Das machen nicht alle Hörspiele so.

Von den Sprechern haben mir Friedrich Georg Beckhaus als alter Dr. Dark und Hans Teuscher als sympathischer Captain am besten gefallen. Sie überzeugen in jeder Sekunde. Antje von der Ahe und Almut Eggert als Reisende mit unterschiedlich starkem Abenteuerdrang sind ebenfalls überzeugend. Johannes Berenz, der den jungen Dr. Dark spricht, hört sich bei seinen Aufnahmen manchmal zu alleinstehend an. Für mich klingt es so, al ob er seinen Part alleine eingesprochen hätte und daher nicht so gut mit den Texten der anderen von der Betonung oder Lautstärke harmoniert. Bei anderen Sprechern fehlt mir manchmal etwas Gefühl in der Stimme, recht ähnlich wie bei Berenz.

Musikalisch fährt das Hörspiel eine Linie. Besonders viel Abwechslung gibt es nicht. Dies verstärkt das Gefühl der Einsamkeit auf dem Wasser. Auf der Seite der Geräusche gibt es nur das übliche Lob: Alles ist gut!

Fazit
Ein sehr solides Hörspiel in der Gruselkabinettreihe. Vollständigen Artikel lesen...

Freitag, 22. Juli 2011

Gruselkabinett Nr. 50 - Das Gespenst von Canterville

Dies ist bestimmt die tausendste Vertonung von Oscar Wildes Gespenst von Canterville. Da ich selbst so einige Vertonungen besitze und bereits viele Fassungen des Stoffes kenne, hat es lange gedauert, bis ich dieses Hörspiel angegangen bin. „Schon wieder das Gleiche! Das wird doch irgendwie langweilig.“ Waren jedes Mal meine Gedanken, als ich die CD betrachtete und mich für ein anderes Hörspiel entschied.
Während der ersten Minuten war ich total begeistert von Titania Mediens Inszenierung. Diese Begeisterung hielt bis zum Ende des Hörspiels an. Ich hörte die Folge das erste Mal vor dem Einschlafen, im Dunkeln, wie es sich meiner Meinung nach für Hörspiele aus dem Gruselkabinett gehört. Danach war gar nicht so schnell an Ruhe zu denken. Meine Überraschung, eine so gelungene Hörspielfassung tatsächlich noch zu erleben, war immens.

Die Sprecherliste ist sehr umfangreich und ich bin vollends begeistert – mit Ausnahme von Mathis Färber und Alexander Mager. Die beiden sprechen die jüngten Mitglieder der Otisfamilie, die das Schloss Canterville kauft und bezieht. Die Kritik bezieht sich nicht allein auf ihre Leistung. Auch die technische Seite und das Drehbuch tragen eine Mitschuld. Die Stimmen sind teilweise viel zu laut, aufdringlich und ein typisches „Overacting“-Gefühl setzt ein. Störend empfinde ich auch die extreme Häufung des Synchronsprechens. Das wirkt unrealistisch und fast immer aufgesetzt, erzwungen.
Zu den übrigen Sprechern weiß ich nur Worte des Lobes. Besonders gefreut hat es mich, Eckart Dux als Lord Canterville zu hören. Eine kauzige, aber sehr wohl englische Vorstellung. Sir Simon de Canterville (das Gespenst) spricht Friedrich Georg Beckhaus absolut überzeugend. Besonders die Frustration des Gespenstes wird gelungen vermittelt. Außerdem sagen mir seine Gespensterlaute sehr zu.

Die Inszenierung ist perfekt: Jedes Geräusch, jede Atmosphäre und jedes Musikstück ergibt eine gewaltige Symphonie. In diesem Punkt hat mich die Produktion absolut aus den Schuhen geworfen und begeistert mich nun seit drei Tagen. Sehr gelungen finde ich in dem Zusammenhang die Vertonung des Gespenstes, das erst recht spät anfängt zu sprechen. Dadurch gibt es einige wahrlich gruselige Szenen. Besonders für Hörer, die doch tatsächlich noch nicht den Inhalt der Geschichte kennen.

Das Cover finde ich merkwürdig. Ich vermisse die im Hörspiel angesprochenen Locken des Gespenstes. Gestört hat mich seit dem ersten Blick der Effekt, der die Transparenz des Gespenstes verdeutlichen soll. Es sieht so aus, als ob an der Position der Treppenstufen einfach eine transparente Ebene, die als Füllfarbe einen weißlichen Farbton hatte, angelegt wurde. Vor allem weil die Linien so hart gezogen sind, wirkt es vielmehr wie Lichtstrahlen. Reichlich merkwürdig.

Fazit
Für mich eines der besten Oscar Wilde – Hörspiele. Leider hat die Produktion ein Manko: Die Otiszwillinge fallen durch unglaubwürdiges Synchronsprechen auf und wirken immer wieder aufgesetzt. Darüber hinaus gibt es nichts bei den Sprechern oder der Produktion auszusetzen. Die technische Seite ist perfekt, die Atmosphäre unglaublich schön und auch unheimlich. Die Geschichte bietet viele Stellen zum Lachen und bleibt konstant spannend bzw. interessant. Ein tolles Hörspiel! Vollständigen Artikel lesen...

Donnerstag, 21. Juli 2011

Die Originale (70) - Die Schneekönigin

Die letzte Folge der siebten Staffel von EUROPAs „Die Originale“ ist ein 40 Jahre alter Klassiker: Die Schneekönigin. Der junge Konrad Halver spricht Kay, Reinhilt Schneider Gerda. Die beiden sind Nachbarskinder und verbringen viel Zeit miteinander. Dies findet ein jähes Ende, als ein Splitter in Kays Herz und Auge gelangt, der ihn schließlich in die Fänge der Schneekönigin treibt. Gerda vermisst ihren Spielkameraden sehr und begibt sich auf eine lang anhaltende Suche. Hilfe erfährt sie nicht nur von Menschen, sondern auch von den Tieren und anderen sonderbaren Wesen.

Bei den Sprechern sind viele hochkarätige dabei, die viele Jahre später noch oft bei EUROPA eingesetzt wurden. Dazu zählen besonders Reinhilt Schneider, Katharina Brauren und Ingeborg Kallweit. Zusammen mit Joachim Rake als Erzähler bilden sie für mich den besten Teil der umfangreichen Sprechercrew. Die Räuber werden sehr roh geschildert – selbst die Frau sieht wie ein Mann aus. Eine typische Darstellung für die Entstehungszeit der Geschichte. Aus diesem Grund klingen die Stimmen tief. Daher erschleicht sich bei mir der Gedanke, Bärbel Schmitt, die das Räubermädchen spricht, müsse deutlich älter sein als ihre Spielrolle. Die Sprecher sind allesamt in Ordnung, nur beim Rentier klingt mir die Stimme manchmal nicht tierisch genug, sondern einfach nur tief.

Vom Cover bis zur Geräuschkulisse gibt es nichts auszusetzen. Es ist alles sehr gut aufeinander abgestimmt. Das gilt auch für die netten Musikstücke.

Fazit
Ein kurzweiliger Klassiker in einer soliden Bearbeitung. Den Reiz bilden Reinhilt Schneider (Protagonistin) und Joachim Rake (Erzähler). Ein tolles Hörspiel für die Winterzeit! Vollständigen Artikel lesen...