Mittwoch, 1. Mai 2013

Gruselkabinett Nr. 75 - Weiß

„Weiß“ – dieser simplet Titel hat mich schon bei Gabriel Burns gefesselt. Der Klappentext tat sein übrigens. In Weiß, das im Original „The White Maniac“ heißt, geht um Kannibalismus. Das hat mich sehr überrascht. Denn als gruselerfahrener Hörer mag zunächst etwas Übernatürliches näherliegen, denn genau nach dem Strickmuster ist diese Horrorgeschichte von Mary Fortune erzählt.

Alles beginnt mit dem jungen Arzt Charles Elveston, der ein komplett in weiß gehaltenes Herrenhaus entdeckt, bei dem selbst die Bewohner komplett in Weiß gekleidet sind. Als er von einem hohen Turm aus in den Innenhof schaut, stellt er fest, dass tatsächlich alles weiß ist. Den Grund möchte er alsbald herausfinden und auch, wieso sich die Bewohner so seltsam verhalten. Mit dem Herrn des Hauses macht er bald Bekanntschaft und wenig später ist nicht klar, ob dem Hausherrn getraut werden darf, ob er nicht was im Schilde führt …

Das Coverbild gefällt mir. Es nimmt die Beschreibung, alles sei weiß sehr wörtlich (abgesehen davon, dass es blauweiß ist und allgemein noch viele Blautöne vorherrschen): Ein lustiger Umstand ist das bläulich brennende Kaminfeuer.

Zu den Sprechern fällt mir keine Kritik ein. Ich finde die Besetzung einmal mehr gelungen und jeder Sprecher überzeugt. Ob als doch etwas verschwiegener Hausherr oder als neugieriger junger Arzt. Die Betonungen passen stets.

Musikalisch und geräuschemäßig ist auch dieses Hörspiel aus dem Titania Medien-Guß: Alles wird so untermalt, dass die richtige Stimmung herrscht und sich der Hörer leicht in die Situation hineinversetzen kann.

Fazit
Die Geschichte ist durchgehend packend erzählt und mit einer Spielzeit von etwas mehr als 60 Minuten genau richtig, nicht zu lang. Dazu kommen wie nicht anders zu erwarten großartige Sprecher, Geräusche und Musikstücke. Ein rundum gelungenes Hörspiel. Vollständigen Artikel lesen...

Samstag, 20. April 2013

Gruselkabinett Nr. 72 - Markheim

Markheim, das 72 Hörspiel im Gruselkabinett, im Original von Robert Louis Stevenson verfasst, ist ein Hörspiel, das mich ganz wunderbar unterhalten hat. Alles beginnt wie bei „Fröhliche Weihnachten, Mr. Scrooge!“:  Mr. Miller ist Weihnachten nicht besonders heilig. Er schätzt diese Zeit, um in Ruhe zu arbeiten. Ansonsten ist er ein wenig ruppig, ganz wie Mr. Scrooge bei Charles Dickens. Ansonsten unterscheiden sich die Geschichten sehr. Miller ist ein Antiquitätenhändler, der sich als harter Geschäftsmann ausgibt, der noch nie über den Tisch gezogen wurde. Ein Faktum, auf das er stolz ist. Als Markheim ihn zu seiner heiligen Weihnachtsstunde, in der er doch wirklich ganz ungestört die Buchhaltung machen können sollte, stört, ist er ganz und gar nicht erfreut. Aber als Geschäftsmann nimmt er jede Möglichkeit eines Geschäfts an, lässt Markheim ein und – obschon er es doch eilig haben sollte, bahnt sich ein längeres Gespräch an, bei dem es um die vielen reichen Onkel der Stadt geht, deren Neffen deren Besitz verhökern und was Markheim dieses Mal anzubieten hat. Überraschenderweise kommt er als Käufer, doch was Miller ihm anbietet (einen Spiegel, der die Wahrheit über die hineinblickende Person zeigt), weiß nicht zu gefallen. Das Gespräch nimmt eine böse Wendung, eine schreckliche Tat folgt und zuletzt tritt eine wohl übersinnliche Person („der Fremde“) in Erscheinung.

Zur Geschichte mag ich nicht mehr schreiben. Sie gefällt mir, lebt sie doch von unterhaltsamen Dialogen, die nie zu lang werden und ein paar überraschenden Wendungen.
Titania Medien hat diese Erzählung perfekt in Szene gesetzt mit wunderschönen Musikstücken und herausragenden Geräuschen. Dieses Hörspiel ist tatsächlich eines. Die Geräusche übernehmen eine wichtige Funktion und sind schön herausgearbeitet. Das hat mich sehr gefreut, denn oft genug hatten sie vielmehr eine unterstützende Funktion. Jetzt sind sie ein Stilmittel.

Helmut Zierl spricht Markheim. Zunächst freundlich und nett, dann ganz schockiert über sein Spiegelbild und böse auf Miller. Später entsetzt, entmutigt und seinem Schicksal ergeben. Eine tolle Performance! Wolfgang Welter spielt den kauzigen Antiquitätenhändler mal liebenswert, mal schroff – einfach großartig. Lucy, Mr. Millers Hilfe, leiht Julia Stoelpel ihre Stimme. Sie klingt jung, dynamisch, erfreut, verwundert und entsetzt. Immer wie es gerade passt. Bemerkenswert ist weiterhin Hans Bayer, der den ominösen Fremden spricht, und mit Markheim ein fesselndes Gespräch führt.

Das Covermotiv von Ertugrul Edirne gefällt mir sehr gut. Leider verrät es etwas mehr über die Geschichte als der Klappentext, aber vielleicht übersehen das genügend Betrachter und haben eine Überraschung mehr.

Fazit
Ein tolles Hörspiel, das diese Bezeichnung verdient hat: Die Geräusche haben ebenfalls eine Hauptrolle ergattert. Das Zusammenspiel von Geräuschen, Musikstücken und den hervorragenden Sprecher macht die Geschichte erst so packend. Großartige Schauerromantik – richtig gegruselt habe ich mich allerdings nicht. Vollständigen Artikel lesen...

Donnerstag, 31. Januar 2013

Mark Brandis (01) - Bordbuch Delta VII

„Es ist eine Illusion zu glauben, in unserer zivilisierten Welt funktioniere alles von selbst. Wir sind in der Verantwortung.“

Wir schreiben das Jahr 2119: Auf der Welt herrscht Frieden, die Union Europas, Amerikas und Afrikas hat sich mit den Vereinigten Orientalischen Republiken arrangiert. Der deutsche Testpilot Mark Brandis ist in „Mark Brandis: Bordbuch Delta VII“ mit dem Prototypen Delta VII, einem Raumschiff mit revolutionär schnellem Antrieb, für einige Wochen unterwegs.

Sofort nach der Landung auf der Erde wird die ganze Crew um Commander Harris verhaftet. Während ihres Testflugs hat General Gordon B. Smith aus Texas mit seiner Organisation „Reinigende Flamme“ ein totalitäres Regime errichtet. Wie konnte ihm dies so schnell und scheinbar ohne Widerstand der Bevölkerung gelingen?

Diese Inhaltsangabe, wie sie auf www.markbrandis.de zu lesen ist, gibt den richtigen Eindruck vom ersten Mark Brandis Hörspiel und dem Start des vierteiligen Bürgerkries-Zyklus.


Das Hörspiel beginnt Actionreich mit einer brenzligen Situation, die das neue Raumschiff Delta VII bis an dessen Grenzen bringt. Im Anschluss wird schnell die neue Situation auf der Erde untersucht, nachdem das generelle Machtgefüge erklärt wurde. Es ist erschreckend, wie schnell sich alles ändern konnte und in welcher Form. Durch die gelungene Schilderung ist es ein Leichtes, mit den Figuren zu fühlen, mit ihnen zu Leiden. Besonders natürlich mit dem Protagonisten: Mark Brandis.

Gegen Ende der Folge wird deutlich, wie eine riesige demokratische Union sich in kürzester Zeit zu einem totalitären Regime wandeln konnte, die einen Krieg gegen die feindlichen Republiken anstrebt. Diese Folge ist nur der Anfang vom sogenannten „Bürgerkrieg-Zyklus“, denn in folgenden Folgen geht der Kampf um die Demokratie weiter und gegen den „General“, der alle unterjocht. Für reichlich Spannung ist gesorgt.

Die Machverhältnisse der Hörspielserie erinnern stark an den Kalten Krieg und der plötzliche Wechsel von der Demokratie zur Diktatur an Hitlers Machtergreifung. Das soll auch so sein. In diesem Fall wird aufgezeigt, dass sich die Geschichte auch in der Zukunft unter anderen (technischen) Bedingungen wiederholen kann.


Die nach dem Protagonisten benannte Serie nimmt sich ernst. Das spiegelt sich ständig in realistisch wirkenden Szenarien wieder, die vom ausgefallenen Automatismus für die Schwerkraftregelung im Raumschiff bis hin zu zwischenmenschlichen Problemen reichen. Alles wird plausibel dargestellt, sodass es ein Leichtes ist, das Geschehen auf seine eigenen Erfahrungen, sein eigenes Wissen zu beziehen. Das macht die Hörspielserie so sympathisch. Da ich alle bisher veröffentlichten Mark Brandis Hörspiele kenne, weiß ich zu sagen, dass dies ein Markenzeichen dieser Serie ist.

Mark Brandis erlebt in kürzester Zeit viele kritische Situationen, die denen der realen Vergangenheit sehr ähneln oder absehbare Risiken waren bzw. sind. Der Autor von Mark Brandis schafft es dabei hervorragend die Brücke zwischen den Zeiten zu schlagen und macht es einfach, allgemeine Weisheiten abzuleiten. Ein schönes plakatives Beispiel ist der nachfolgende Gedankengang von Mark Brandis auf einem Flug in einen Kampf um das Überleben der Demokratie: „Es ist eine Illusion zu glauben, in unserer zivilisierten Welt funktioniere alles von selbst. Wir sind in der Verantwortung.“

Der Hörer wird regelrecht ermuntert sich mit den Werten von Mark Brandis und seinen Problemen zu beschäftigen. Damit, was in der Welt passiert, welche Probleme es geben kann und immer wieder gibt, wie man ihnen begegnen kann und welche Folgen es haben könnte. Dabei ist Mark Brandis kein perfekter Mensch: Er wurde erst kürzlich vom Commander zum Captain degradiert, weil bei einer seiner Aufträge ein Mensch ums Leben kam. Mark Brandis Kommentar dazu: Es sei ihm wichtig, für seine Fehler auch Verantwortung zu übernehmen.


Neben Mark Brandis gibt es nur eine SF-Hörspielserie mit der ich wirklich etwas anfangen kann, weil sie über den üblichen Groschenroman-Stoff hinausgeht: Takimo. In der Hörspielserie steht die Wissenschaft (und mit ihr verbundene Philosophie) im Vordergrund. Es werden viele komplizierte Themen in einem beigelegten Lexikon (einfach verständlich) verarbeitet, die wichtig sind, um die Hörspiele vollständig zu durchdringen. Dabei strahlt die Serie eine Ruhe aus und eine Spannung, die eben nicht aus Action generiert wird.

Bei Mark Brandis ist es ähnlich. Die Actionszenen sind kein Popcorn-Kino, sondern real: Eindringlich, packend, niemals übertrieben. Wo Takimo den Fokus auf das Wissenschaftliche legt (geisteswissenschaftliche Probleme), ist bei Mark Brandis der Mensch im Fokus (menschliche Probleme): Wie er untereinander interagiert, wie zwischenmenschliche Beziehungen aussehen, welche Probleme es gibt…

Für beide Serien gilt jedoch, dass sie nicht auf ihren Fokus beschränkt sind. Es gibt viel mehr zu entdecken, aber das jeweils genannte bildet den Schwerpunkt.

Nun zur Ruhe, die auch Mark Brandis wie Takimo ausgestrahlt: Das liegt an der Erzählweise (dem Inhalt), der Musik und den Sprechern. Das Zusammenspiel der Komponenten. Es ist selten, dass Hörspiele eine Ruhe und Gelassenheit gepaart mit Spannung und Aufregung bieten, da sich dies im Grunde widerspricht. Diese beiden schaffen es (irgendwie doch).


Fazit
Diese Mark Brandis Folge ist absolut empfehlenswert. Es gibt großartige Sprecher, Geräusche, Atmosphären, Action, ruhige Szenen und viel über das nachgedacht werden darf. Ein großartiges SF-Hörspiel! Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 23. Dezember 2012

Titania Special - Folge 8: Hans Christian Andersen - Die Schneekönigin

Titania Medien kündigt Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ als das wohl beliebteste Wintermärchen an. Auf mich trifft es zu. Ich habe es mehrfach gesehen, gehört und gelesen. Es war unmöglich dieses Märchen nicht zu kennen, alleine wegen der Aufführungen in der Grundschule. Aufgrund dieser Tatsache war es nur eine Frage der Zeit, bis das Märchen eine Vertonung in der Titania Special Reihe findet. Und ich darf schreiben: Sie ist gelungen.

Die Protagonistin des Märchens ist Gerda, die ihren liebsten Spielkameraden Kay verliert: Der Teufel hat einen fürchterlichen Spiegel gefertigt, der das Schlechteste zum Vorschein bringt. Als dieser zerspringt und sich die Splitter über die gesamte Erde verteilen, landet einer in Kays Herzen und in seinem Auge. Fortan ist Kay nicht wiederzuerkennen und geht übel mit seiner Umwelt um. Besonders Gerda leidet darunter. Als Kay eines Tages beim Schlittenfahren die Schneekönigin trifft, nimmt diese ihn mit und hält ihn fortan gefangen. Gerda vermisst ihren Kay und macht sich auf die Suche nach ihm. Dabei spricht sie mit vielen Tieren und Menschen, aber auch Pflanzen oder gar einem Fluss, um sie nach Kay zu fragen. Kann sie Kay finden und wird er mit ihr zurückkehren? Was passiert mit den Splittern in seinem Körper?

Die fantastischen Rollen hat Titania Medien mit tollen Sprechern besetzt. Besonders an Herz gewachsen ist mir die Krähe, gesprochen von Kai Taschner. Eine großartige Besetzung und Sprecherleistung. Tommi Piper ist absolut glaubhaft als übler Teufel zu hören, die großartige Dagmar von Kurmin als liebe Großmutter und Christian Wolff als Erzähler. Gerda wird von Paulina Rümmelein hervorragend gespielt. Es macht Spaß sie auf der Suche nach Kay zu begleiten. Auch die übrigen Sprecher sind glaubhaft und gut. Bei den Kindern hört man, dass es sich um Kinder handelt. Sie sprechen sehr lebendig und nicht dauerhaft in der gleichen Lautstärke. Eben wie Kinder, nicht wie professionelle erwachsene Schauspieler. Malte Wetzel spricht den Kay und hat dabei die schwierige Aufgabe, immer böser zu werden, was ihm gut gelingt. Er erinnert mich ein wenig an Tobias Meister. Beide haben eine laute Stimme und bei Aggressivität (oder „böse sein“) wird diese noch lauter.

Die Musikauswahl ist wieder einmal famos. Dieses Mal stammt sie (wohl ausschließlich) vom berühmten Komponisten Pjotr Illjitsch Tschaikowski. Bei den Geräuschen braucht sich Titania Medien ebenfalls nicht verstecken. Für mich klang das Rentier Bä beim Schnauben wie ein Pferd, aber da ich einem Rentier nie begegnet bin, kann ich nicht ausschließen, dass es gleich klingt.

Gekrönt wird das Hörspiel von Firuz Askins wundervolles Coverbild, das sehr gut den Geist des Hörspiels einfängt:

Ein angenehm anzuhörendes Hörspiel, das geradezu Licht ausstrahlt und gute Laune verbreitet. Eine fröhlich-bunte Adaption des Märchens. Wer es lieber düster mag, ist bei dieser Produktion falsch. Folglich ein Hörspiel für die ganze Familie – auch für die kleinsten. Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 16. Dezember 2012

Gruselkabinett Nr. 70 - Schwarze Krallen

Die 70. Folge des Gruselkabinetts ist ein unheimlicher Krimi, der etwas anders erzählt auch gut ein Fall der drei ??? hätte sein können oder des Meisterdetektivs Sherlock Holmes. Allzu unglaublich und durchdacht scheinen die Gegebenheiten zu sein: Der junge Wissenschaftler Joel Brill verbringt seinen Abend in der Bibliothek, als er ein Gespräch mit Detective Buckley beginnt, dessen Neugier er geweckt hat. Wie sich herausstellt, ist es sein Glück, dass Buckley ihn den ganzen Abend über beobachtet hat, denn schon bald deuten alle Indizien darauf hin, dass Brill seinen Kollegen Jim Reynolds getötet haben könnte. Der Tatort ist jedoch sehr merkwürdig: Es ist eindeutig ein planvolles intelligentes Vorgehen ersichtlich, die Verletzungen des Toten lassen jedoch ein wildes Tier vermuten. Wie ist das möglich? Gibt es eine natürliche Erklärung dafür?

Obwohl es sich um ein geniales Krimihörspiel handelt, das mich vollauf begeistert, hat es seine Berechtigung im Gruselkabinett. Das liegt schlicht und ergreifend an der nur halbwegs irdischen Aufklärung des Falles und besonders an dem, was der junge Brill alles im Dunkeln erlebt und sieht. Inhaltlich finde ich das Hörspiel richtig stark. Dazu kommt eine knackige Spielzeit von knapp einer Stunde. Das gefällt mir richtig gut, da es somit keinerlei Längen gibt.

Konrad Bösherz (spricht Joel Brill) und Ronald Nitschke (Detective Buckley) geben ein hervorragendes Duo ab. Ronald Nitschke ist ein genialer Sprecher. Er ist zum Beispiel herausragend im Film „Adaption“ oder stets als Tommy Lee Jones zu hören. Aber auch als Hörspielsprecher, wie in den aktuellen Gruselkabinetthörspielen, macht er stets eine gute Figur. Konrad Bösherz ist im Synchron ebenfalls kein Unbekannter. Er hat zum Beispiel schon oft Jesse Eisenberg gesprochen.
Es ist ein Genuss den beiden Sprechern in so großen Rollen endlich mal in einem Hörspiel zu hören. Ich hoffe, dass sich das noch oft denken darf. Titania Medien begeistert mich ein weiteres Mal mit ihrer Sprecherauswahl, bei der eben im Hörspielsektor auch eher unbekannte Stimmen eine Rolle erhalten. So viel Vielfalt ist einfach wunderbar. Dass dieselben Sprecher immer staffelmäßig gleich in mehreren Hörspielen zu hören sind hat mich noch nie gestört – die Rollen sind doch immer arg verschieden – auch im Umfang. Die nicht explizit genannten Sprecher wissen ebenfalls zu gefallen.

Musikalisch und geräuschemäßig gibt es nichts zu beanstanden. Alles ist stimmig. Für mich ist alles perfekt, nur das Cover gefällt mir nicht. Es ist mir eine zu plakative „Collage“.

Kurzum: Ein geniales Hörspiel mit dem hervorragenden Sprecherduo Konrad Bösherz und Ronald Nitschke. Es ist durchweg spannend und hat zwischendurch einige Gruselelemente. Bitte mehr davon! Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 9. Dezember 2012

Gruselkabinett Nr. 71 - Der Eschenbaum

„Der Eschenbaum“ von M. R. James in der Umsetzung von Titania Medien ist ungleichmäßig zweigeteilt: Im ersten Drittel wird eine mutmaßliche Hexe verurteilt und mit dem Henkerskarren durch das hiesige Dorf gezogen, ehe der Henker seines Amtes waltet. Mrs Mothersole, so der Name der gehenkten, warnt ihren Ankläger Sir Matthew vor „Besuchern“: er solle sich vorbereiten. Mit dem plötzlichen Tod von Sir Matthew endet das erste Drittel. Der Rest des Hörspiels spielt zurzeit von Sir Matthews Nachfahren Sir Richard Fell, der nach und nach in die damaligen Geschehnisse eingeweiht wird und Unheimliches erlebt. Der Titel des Hörspiels ist der Hinweis auf den Ursprung allen Übels und der Ort, an dem die Person, der ein Hexenprozess gemacht wurde, der Hexerei überführt wurde.

Das erste Drittel empfinde ich als relativ schwach. Das liegt an den Sprechern. Katarina Tomaschewsky als Mrs Mothersole ist gut, zum „Hervorragend“ reicht es nicht. Einige Betonungen klingen in meinen Ohren unglaubwürdig. Es klingt entweder zu wenig gespielt oder übertrieben Klischeehaft, sodass es mehr bemüht als gekonnt wirkt. Dies mag jetzt sehr hart rüberkommen, ist aber in der Tat minimal und nur bei ihrer Stellung durch Sir Matthew und einer weiteren Szene etwas später für mich zu hören. Es ist eine Kleinigkeit, die mir auffiel. Wäre es nicht Titania Medien, würde ich es wohl gar nicht erwähnen, aber bei so viel Gutem, sind es die Kleinigkeiten an denen ich minimale Schwächen entdecken kann. In anderen Szenen ist sie wiederrum absolut überzeugend – zum Beispiel bei der Ankündigung der „Gäste“ mit dem Hinweis, vorbereitet sein zu müssen (bis auf die Lache – am Ende). Ähnliches gilt für den Diener, dessen Überraschung nicht vollends überzeugt. „Oh Gott! […] Mord, Mord!“ Das klingt aus Louis Friedemann Thieles Mund komisch, mehr gewollt.
Der Rest ist sprechermäßig hervorragend. Sebastian Schulz als Sir Richard Fell spricht erstklassig und mit seiner sympathischen Stimme ist er ein angenehmer Protagonist. Frank-Otto Schenk spricht den Vorfahren Sir Matthew Fell mit harter Stimme ebenfalls hervorragend, ist durch seine Rolle allerdings nicht ganz so sympathisch. Ab Track 5 gibt es somit ausnahmslos exzellente Sprecher und Sprecherleistungen zu hören, angefangen beim Totengräber Ronald Nitschke, bis hin zu Lutz Mackensy als Bischof. Zuletzt ist Felipe Pirl als Gärtner zu hören, der beeindruckend das Finale bestreitet.

Musikalisch ist das Hörspiel schön ruhig ausgelegt und passt damit hervorragend zur Handlung. Die Geräusche sind ebenfalls gut ausgewählt. Zu Beginn noch etwas ruhig, am Ende dann laut und packend.

Das Cover von Firuz Askin gefällt mir außerordentlich gut. Es ist wunderschön, kann aber nicht den titelgebenen Eschenbaum zeigen, da dieser so nahe des Anwesens Castringham Hall sein muss, dass die Äste des Baumes die Fenster berühren könnten, wenn sie etwas länger wären.

Fazit
Spannend wird es erst ab dem 11. Track (von 13), davor wird der Hörer bei der Stange gehalten, indem Informationen vorenthalten werden und vieles nicht eindeutig ist. Insgesamt ein gutes Hörspiel mit einem tollen Finale (das wirklich gruselig ist). Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 2. Dezember 2012

Gruselkabinett Nr. 69 - Stimme in der Nacht

Das Hörspiel „Stimme in der Nacht” von William Hope Hodgson ist eine weitere Seefahrergeschichte in der Gruselkabinettreihe. Passend dazu wird in der Handlung die bereits vertonte Sage des fliegenden Holländers angesprochen. Denn George und Will unterhalten sich über die bevorstehende Nachtwache auf ihrem Segelschiff und den unheimlichen Nebel – und was alles Schreckliches geschehen könnte. Aus dem Nichts erschallt Lutz Mackensys Stimme, der hervorragend einen Schiffbrüchigen mit einen dunklen Geheimnis, das ihn sichtbar kennzeichnet, spricht. Daher hält er sich im Nebel und im Dunkel der Nacht verborgen. Dies steigert die Neugier des Hörers, wobei der Schiffbrüchige hilfsbedürftig erscheint und daher nicht sonderlich unheimlich ist.
Nachdem die Einleitung des Hörspiels abgeschlossen ist, fängt Lutz Mackensy an, die Hintergründe zu berichten: Wie er mit seiner Frau Schiffbruch erlitt und was im Anschluss alles passiert ist. Das geschieht durchweg interessant und lebendig.

Die Frau des Schiffbrüchigen wird von Reinhilt Schneider hervorragend gesprochen. In anderen Hörspielen der letzten zehn Jahre empfand ich ihre Darbietungen oftmals als anstrengend. Das mag gewünscht gewesen sein, weil sie überwiegend nervige „Frauenzimmer“ darstellen sollte. In diesem Hörspiel spricht sie „normal“, ohne dass ihre Stimme allzu hohe Töne von sich gibt. Endlich wieder ein Hörspiel mit ihr, bei der mir ihre Performance richtig gut gefällt. Das Zusammenspiel mit Lutz Mackensy, der ebenfalls eine hervorragende Leistung erbrachte, ist äußerst gelungen.
Zuletzt seinen noch Benjamin Kiesewetter (der in der Sprecherliste des Booklets fälschlicherweise „Kieswetter“ geschrieben wird) und Peter Reinhardt genannt, die beide eine wunderbare Stimme haben und sie gekonnt einsetzen.
Die Stimmen passen hervorragend zu den Figuren, die der jeweilige Sprecher verkörpert. Titania Medien beweist einmal mehr ihr glückliches Händchen für das Besetzen der Rollen. Darüber hinaus finde ich es schön, dass im Hörspielbereich auch unbekanntere, aber gleichwohl exzellente (sprachliche) Schauspieler eingesetzt werden.

Musikalisch finde ich besonders die erste Hörspielhälfte stark. Ich war regelrecht beeindruckt, wie wunderbar der richtige Musikeinsatz Stimmungen und Spannung erzeugen. Bei den Geräuschen wird das typisch hohe Titania Medien Niveau geboten: Super!

Fazit
Eine gelungene Seemannsgarnvertonung, die nicht besonders spannend ist, dafür hervorragend inszeniert ist, sodass sich zu keiner Zeit Langeweile breit macht. Ein schönes atmosphärisches Hörspiel, wie man es von Titania Medien kennt und erwartet. Vollständigen Artikel lesen...