Freitag, 23. Februar 2018

Gruselkabinett Nr. 132 & 133 – Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Ich muss zugeben, dass mich die Geschichte von Sweeney Todd nie besonders interessiert hat. In den Film hatte ich mal reingeschaut. Für fünf Minuten. Oder war es doch länger? Oder kürzer? Auf jeden Fall habe ich beim ersten Gesang abgebrochen. Ich glaube, dass ich woanders hinmusste. Ein Freund wollte mich vom Film überzeugen. Hat nicht geklappt.

Was hat das Hörspiel mit dem Film gemein? Hum, das Covermotiv erinnert an den Film. Mir gefällt es. Besonders die Entscheidung, die beiden Hauptübeltäter zu porträtieren und so geschickt ähnlich. Grandios! Ansonsten? Nein, ich habe gelesen, dass das Musical von der literarischen Vorlage abweicht – und die wurde hier vertont. Zum Glück! Kein Gesang. 😊

Jacques Breuer leiht Sweeney Todd, einem ungehaltenen und irgendwie unhöflichen Menschen, seine Stimme. Ganz famos! Es ist wahrlich kaum möglich ihn zu mögen. Eine tolle Interpretation des Textes!

Dazu gesellt sich Daniela Bette als Mrs. Lovett. Eine schöne Stimme. Wer würde bei ihr in ihrem Ladengeschäft nicht gerne eine köstliche Fleischpastete erwerben wollen?

Die Liste an herausragenden Sprechern und exzellenten Leistungen geht weiter. Es ist ein großes, tolles Aufgebot! Kathryn McMenemy, Janina Sachau als liebreizende Johanna Oakley (Ist es Zufall, dass ihr Vater Brillen fertigt und es heutzutage eine gleichnamige Marke, die Billen verkauft, gibt?), Bodo Primus als ihr Vater (John Oakley), Thomas Balou Martin als bäriger Colonel Jeffery – ein Dreamteam zusammen mit Host Naumann als Captain Rathbone –, Tom Raczko als Lehrling Tobias Ragg, Matthias Lühn in einer Doppelrolle (ist mir garnicht aufgefallen: Lieutenant Thornhill im ersten Teil und der Apotheker im zweiten Teil) sowie Peter Weis (auch in einer Doppelrolle: als Hehler und Dr. Fogg), Sascha von Zambelly, Louis Friedemann Thiele als sympathischer Jarvis Williams, Michael Che Koch und Bruno Winzen als fieser Mr. Watson (gut, dass wegen der Namensähnlichkeit nicht Detlef Bierstedt gewählt wurde). Stephan Bosenius und Marc Gruppe haben sich selbst kleine Rollen gegeben, die sie gut meistern. Im zweiten Teil ist Dagmar von Kurmin zu hören. Das finde ich an sich klasse. Aber den Altersunterschied zwischen ihr als Mrs. Ragg, der Mutter von Tobias, empfinde ich als zu groß. Klingt als ob eine achtzigjährige einen fünfzehnjährigen Sohn hätte. Naja.

Ich bin von den Sprechern wie gesagt ganz begeistert und von der Interpretation der Dialoge. Die sind überaus faszinierend. Wie diese ganzen zwielichtigen Gestalten miteinander umgehen – herrlich! Ebenfalls finde ich es gelungen, wie Janina Sachau ihre Stimme moduliert, um im zweiten Teil nicht aufzufallen. Klasse!

Fazit
Ein faszinierendes und spannendes Hörspiel, das ich jedem blindlings empfehlen kann. Vielleicht sollte man den einen oder anderen vorwarnen, dass es sich nicht um eine Vertonung des Musicals / neuesten Films handelt. Falsche Erwartungshaltung und so. Ich gehe davon aus, dass auch die Stimmen andere sind. 😉 Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 26. November 2017

Gruselkabinett Nr. 131 – Die Köpfe von Apex

Meine Güte, was ist das den für eine ungewöhnliche Folge im Gruselkabinett? Ich bin immer noch total geflasht. Ich würde das Ganze als Sci-Fi-Geschichte aus dem 18. Jahrhundert einordnen, ähnlich wie schon die Wells Zeitmaschine.
In dieser Folge wird ein Söldner von einem mysteriösen Auftraggeber angeheuert, um eine Stadt zu befreien. Der Auftrag ist sehr dringlich und der Auftraggeber überaus verschlossen und seltsam. Auf dem Weg zum Einsatzgebiet beginnt der merkwürdige Auftraggeber alles aufzuklären, doch ehe er enden kann, werden sie angegriffen und der Söldner muss zusammen mit seinem ehemaligen Vorgesetzten aus ihren Zeiten beim Militär versuchen, aus der völlig verkorksten Situation heil herauszukommen. Dabei erfahren sie so einiges über ein unterdrücktes und ausgebeutetes Volk und kommen hinter das Geheimnis der Köpfe von Apex…

Dieses Geheimnis stellt das gruseligste Element dar. Abgesehen davon geht es mehr freundschaftlich oder actionreich (bei den Kämpfen) daher. Hierbei hat mich die Geräuschkulisse wahrlich beeindruckt. Besonders bei den Feuergefechten. Sowas hätte ich im Gruselkabinett nicht erwartet.

Als Erzähler und Protagonist ist Michael-Che Koch zu hören, der den enthusiastischen Söldner überzeugend spiet. An seiner Seite, als alter Freund und ehemaliger Vorgesetzter, ist Thomas Balou Martin zu hören, der seine Stimme besonders bärig klingen lässt. Wie passend! Helmut Winkelmann mimt den mysteriösen Auftraggeber mit scharfer, befehlsgewohnter Stimme. Das passt perfekt. Mit Horst Naumann gibt es einen liebenswerten Anführer, dessen Unverständnis und Härte gegenüber der Menschlichkeit trotzdem dem Hörer gewahr werden lässt. Matthias Lühn spielt den Rebellenführer und stellt ihn als gekränkte Persönlichkeit überaus glaubhaft dar. Nur Reinhilt Schneider passt mir nicht ins Konzept. Mit ihrer prägnanten Stimme sticht sie zu sehr hervor. Ich hätte es besser gefunden, wenn eine andere Sprecherin Ah-eeda ihre Stimme geliehen hätte. Ihre Art soll wohl das Unverständnis der Figur und deren Tragik hervorheben. Ich fand es jedoch eher anstrengend ihr zuzuhören. Schade.
In weiteren Rollen sind Rolf Berg, Timmo Niesner, Bodo Primus und Jannik Endemann zu hören.

Fazit
Eine abstruse Geschichte sehr interessant als Hörspiel umgesetzt. Ein weiteres Highlight – ich bin ganz begeistert – und ein inhaltlicher Ausreißer. Vielleicht rührt daher meine Faszination? Ich mag Experimente. Wobei auch gerne gewagter vorgegangen werden könnte. Vollständigen Artikel lesen...

Samstag, 25. November 2017

Gruselkabinett Nr. 130 – Der Wiedergänger

Wahnsinn! Mit so einem Eintrag hätte ich im Gruselkabinett nicht gerechnet: Es wird ermittelt und dem Übernatürlichen mit Misstrauen oder viel Offenheit begegnet.

Dirk Stollberg und Reinhilt Schneider sind als Detektivgespann zu hören. (Großartige Leistung! Ich hoffe, dass eine Fortsetzung folgt.) In diesem Hörspiel werden tatsächlich Detektive eingeschaltet, da neben übernatürlichen Dingen auch sehr reale stattfinden, aufgrund derer mancher lieber zum Detektiv greift, anstelle zu einem Medium.

Horst Naumann spielt überzeugend den alten Benjamin Crane, der über den Verlust seines Sohnes nicht hinwegkommt und so den Kontakt zur Geisterwelt sucht. Es scheint nämlich genau die Prophezeiung eingetreten zu sein, die eine Zigeunerin in Peter Cranes Kindheitstagen äußerte: Peter solle fernab der Heimat umkommen und als „Wiederkehrer“ zu seiner Familie zurückkehren. Nachdem er – im Gegensatz zu seinen Freunden – von einer Expedition nicht zurückkehrt, geschehen allerhand merkwürdige Dinge…

Den Kontakt zu Peter Crane wird unter anderem mit Hilfe eines Mediums hergestellt. Dagmar von Kurmin ist eine Traumbesetzung für Madame Parlato. Sie spielt eine resolute alte Frau, die weiß, was sie kann und will. Mit ihrer Willensstärke zieht sie einen schnell in ihren Bann.

In weiteren Rollen sind Uschi Hugo, Jannik Endemann, Matthias Lühn, Louis Friedemann Thiele, Thomas Balou Martin, Marie Bierstedt, Bodo Primus und Tom Raczko zu hören. Ein beeindruckender Cast, dessen Vielfalt und Können entscheidend dazu beiträgt, die vielen Figuren zu unterscheiden und Meinungen zu diesen zu bilden. Mal ist es lustig, traurig, fürchterlich, erschreckend, …

Dieses Hörspiel hat viele Bestandteile einer Seifenoper. Ich hoffe inständig, dass eine Fortsetzung folgt.

Gut hat mir ebenfalls gefallen, dass die Detektive erst sehr spät hinzugezogen wurden. Das war eine echte Überraschung und verspricht viel Abwechslung.

Fazit
Tolles Hörspiel, das durchgehend zu fesseln versteht. Für stärker in der Realität verankerte Personen, die Übernatürlichem eher mit einem Schmunzeln begegnen, bestimmt eine sehr starke Folge. Vollständigen Artikel lesen...

Freitag, 24. November 2017

Der geheime Garten – Titania Special Folge 13

Diese Geschichte stammt – wie der kleine Lord – aus der Feder von Frances H. Burnett. Das Setting hat Ähnlichkeiten. So wird erneut das Thema „Stände“ aufgegriffen. Die kleine Mary Lennox (von Uschi Hugo zum Leben erweckt) ist anfangs recht grob, als sie nach dem Tod ihrer Eltern von einer englischen Kolonie in Indien auf den Landsitz ihres Onkels Archibald umzieht. Da dürfte es ähnliche Probleme geben, wie sie in der Hörspielserie „Anne auf Green Gables“. Hier handelt es sich jedoch um ein ca. 75-minütiges Hörspiel. Daher bleibt viel auf der Strecke. Es bleibt jedoch durchweg stimmig. Die Handlung schreitet flott voran, ohne zur Hast zu neigen. Das zentrale Element der positiven Entwicklung des Mädchens ist ein geheimer Garten, dessen Zugang gesperrt ist. Im Verlauf findet Mary Freunde und kann den sonst so zurückgezogen lebenden Onkel für sich gewinnen. Es gibt ein Happy End, ein bisschen Kitsch und insgesamt eine liebenswerte Geschichte für Jung und Alt.

Bodo Primus ist ein hervorragender Erzähler. Einfach toll! Uschi Hugo als Protagonistin hat mir am Anfang nicht so gut gefallen. Sie spielt das unhöfliche, ja geradezu patzige Mädchen und da fiel mir der Altersunterschied zu ihrer Rolle auf. Wie eine zehnjährige klingt sie nicht. Als Kind wäre mir das wohl nicht weiter aufgefallen und besonders schlimm finde ich es auch nicht. Dagmar von Kurmin hat erneut eine Glanzrolle bekommen, die perfekt zu ihrer Stimme passt: als ältere, strenge, aber auch irgendwie liebenswerte Mrs. Medlock. Matthias Lühn spielt den seltsamen Onkel Archibald Craven, der so verschlossen und zurückgezogen lebt, um am Ende zu überraschen weiß (etwas kitschig, aber schön fürs Herz – meine Mutter liebt sowas und mir gefällt es hier, da es noch nicht zu viel des Guten ist). Ebenfalls sehr seltsam ist Archibalds Sohn Colin Craven, der das ganze Haus auf Trab hält. Tom Raczko versteht es überaus erfolgreich, dessen Launen und Sinneswandel stimmlich darzustellen. Großartig! Reinhilt Schneider hat ähnlich wie Dagmar von Kurmin eine Rolle bekommen, die ihr auf den Leib geschrieben zu sein scheint: redselig, quirlig und immer gut gelaunt. In weiteren Rollen überzeugen Jannik Endemann, Horst Naumann und Marie Bierstedt.

Das Hörspiel kommt wegen der schönen Geschichte, der bezaubernd vorgetragenen Dialoge und vor allem getragen durch die Musikauswahl so wunderbar liebenswert herüber. Die Geräusche sind ebenfalls herrlich-schön. Den Garten zu hören ist die reinste Freude. Der Ton ist insgesamt kindgerecht freundlich und an den richtigen Stellen sehnsüchtig-traurig/dramatisch.

Fazit
Absolut liebenswerte und schöne Geschichte mit tollen Sprechern. Großartiges Hörspiel! Vollständigen Artikel lesen...

Donnerstag, 23. November 2017

Der griechische Dolmetscher (Folge 32) – Sherlock Holmes

Die Inhaltsangabe ist wirklich gut. Sie versteht es in hervorragender Weise, die Neugier zu wecken. Zumindest bei mir.

Sherlock Holmes hat also einen genialeren Bruder. Dass Watson nichts ahnte? Ach, Zufall! Witzig. 😉 Thomas Balou Martin gibt einen wunderbaren Mycroft, der im Diogenes-Club ganz herrlich vegetiert (Ansichtssache!). Die Unterhaltungen sind amüsant, besonders alles in Dr. Watsons Beisein. Der darauffolgende Fall, den Mr. Melas (gesprochen von Georg Tryphon), ist überaus interessant dargestellt. Marc Gruppe schafft es durch geschickte Hörspieleinlagen der Produktion mehr Schwung zu verleihen und somit eine sehr gute Adaption der sonst doch so einseitigen und kurzen Erzählungen des Arthur Conan Doyle.

Neben den oben genannten Sprechern und dem bekannten Duo Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt sind Timmo Niesner, Helmut Winkelmann, Sascha von Zambelly, Annika Braunmiller-Jest, Kathryn McMenemy und Lutzt Reichert (als Inspektor Lestrade, der in der Vorlage übrigens nicht vorkommt – da ist es ein anderer Inspektor) zu hören. Allesamt leisten gute Arbeit.

Witzig fallen in dieser Folge Dr. Watsons üblichen Überraschungsmomente aus: Wie er sich am Tee verschluckt und beim geistigem Duell zwischen den Brüdern Holmes. Zum Schießen! Detlef Bierstedt muss sich in jeder Folge über seinen Freund wundern. Diese gehört zu den besonders unterhaltsamen auf diesem Gebiert.

Von den tollen Sprecherleistungen abgesehen erfreut das Ohr sich an den passend ausgewählten Musikstücken und Geräuschen. Wie üblich sehr gut geschickt gewählt.

Mir gefällt das Hörspiel besonders gut. Das Ende, das der Vorlage geschuldet ist, tut dem ganzen keinen Abbruch. Titania Medien zeigt einmal mehr, wie eine (für mich) perfekte Adaption von Doyles Vorlagen auszusehen hat.

Fazit
Von diesem Hörspiel bin ich ganz begeistert. Die Umsetzung ist überaus gelungen und es ist die höchste Freude den Sprechern zu lauschen. Grandios aufgelegt und tolle Stimmen. Eine absolut gelungene Adaption. Vollständigen Artikel lesen...

Samstag, 28. Oktober 2017

Gruselkabinett Nr. 129 – Manor

Manor ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte aus der Feder von Karl Heinrich Ulrich, bei der es dem Liebespaar unmöglich zu sein scheint, getrennt voneinander zu sein. Mindestens täglich müssen sie sich sehen. Auch nach dem Tode…

Manor – welch ein seltsamer Name. Louis Friedemann Thiese leiht diesem Mann seine Stimme und überzeugt auf ganzer Linie. Die Zuneigung zu Har, gesprochen von Tom Raczko, wird sehr deutlich. Tom Raczko nimmt man sofort ab, wie schwer ihn der Tod des Freundes Manor trifft, wie sehr er trauert und wie wenig überrascht er ist, als er ihn auch nach dessen Tod erneut begegnet.

Ein Highlight ist für mich Dagmar von Kurmin als weise Frau, die mit Runenstäben das Geheimnis zu ergründen sucht. Eine großartige Besetzung! Monica Bielenstein spricht die verängstigte und besorgte Mutter hervorragend. Das Aufeinandertreffen von Mutter und der weisen Frau ist ein eindringlicher und entscheidender Moment, der die Tragik der ganzen Geschichte gut auf den Punkt bringt.

Die Geschichte ist spannend inszeniert und fernab von den übertriebenen und bekannten Klischees einer solchen Gruselgeschichte. Es ist vielmehr eine Liebesgeschichte zweier junger Männer, die vom Tod getrennt wurden und unter der der (Über-)Lebende schlimm leidet. Tom Raczko vermittelt dies beeindruckend. Besonders das Ende der Geschichte ist tragisch. Wie zwar so oft bei dieser Art der Geschichte, allerdings aus einem leicht anderen Grund. Besonders interessant ist die Darstellung des Geschehens. Es ist schrecklich, aber ohne eben in Klischees wie Gut und Böse zu verfallen. Ohne diese vorgegebene Meinung ist der Hörer freier in seinem Denken und es ist ihm überlassen über das Geschehen zu denken und richten wie er mag.

Zusammen mit der Mutter von Har, Lära, und der weisen Frau machen sich drei Männer daran, den jungen Har vor dem Tod zu bewahren. Horst Naumann, Helmut Winkelmann und Rolf Berg sind dafür eine gute Besetzung. Ihre Stimmen passen in die Szenerie einsamer Inseln.

Thomas Balou Martin spricht Hars Vater, der zwar nur einen kurzen Auftritt hat, aber dafür einen überzeugenden und dramatischen.

Ich finde es faszinierend, wie aus dem kurzen Original ein Hörspiel entstand. Peter Weis ist der Erzähler. Ein guter, wobei ich bei dieser Geschichte lieber einen anderen Sprecher gehört hätte. Besonders zu Beginn ist der Erzähleranteil hoch und das Geschehen wird immer wieder von ihm unterbrochen. Wie in der Vorlage nehmen die Sprechtexte darauffolgend zu.

Mir gefällt das Hörspiel, wobei ich nicht zu entscheiden vermag, ob ich lieber den Text lese oder dem Hörspiel lausche. Wenn ich es eilig habe würde ich wohl eher lesen. Wenn ich müde bin wohl eher die 47 Minuten aufbringen und dem Hörspiel entspannt lauschen.

Die Musik- und Geräuschkulisse passt und ist sehr atmosphärisch. Auch hierbei ist mir Peter Weis aufgefallen: Ich empfand bei einem dramatischen Ereignis die Diskrepanz zwischen der Musik und dem ruhigen Erzähler als etwas zu groß. Insgesamt hätte meiner Auffassung nach eine jüngere Stimme als Erzähler besser gepasst oder zumindest eine härtere, die mehr die Rauheit der Umgebung widerspiegelt, als sanfte Wellen, wie sie Peter Weis repräsentiert.

Fazit
Ein solides Hörspiel und gekonnte Umsetzung der Vorlage auf gewohnt hohem Titania Medien Niveau mit einem – besonders im Hinblick auf die damalige Zeit – brisantem Thema, das überraschend wertungsfrei geschildert wird. Vollständigen Artikel lesen...

Gruselkabinett Nr. 128 – Der Streckenwärter

Charles Dickens erzählt die Geschichte eines Streckenwärters, der unter anderem einen Mann sieht und hört, den wohl sonst niemand wahrzunehmen scheint.

Als ein Streckenwärter die warnenden Rufe eines Mannes hört und dessen Winken sieht, wobei er aus unbekannten Gründen eine Hand vor sein Gesicht hält, versucht er herauszufinden, wovor er warnt. Doch kann er weder eine Gefahr, noch den Mann finden. Er scheint verschwunden. Kurz darauf geschieht ein Zugunglück. Wollte die Erscheinung davor warnen?

Dieses Hörspiel finde ich überaus interessant, weil sie die bekannten Elemente einer unheimlichen Geschichte mit einer Erscheinung neu kombiniert und mit einer überraschenden Wendung aufwartet. Ebenfalls gefallen mir die Darstellung der Erscheinung und die fehlende Nachprüfbarkeit deren Existenz.

Der Hörer folgt einem Reisenden, dem Mathias Lühn seine Stimme leiht. Es gelingt ihm seine Anteilnahme an den Erlebnissen des Streckenwärters zum Ausdruck zu bringen. Bodo Primus ist eine tolle Besetzung und verkörpert einen erfahrenen älteren Streckenwärter, der aufgrund seiner Wahrnehmung ganz verzweifelt ist. Beim Finale ist Rolf Berg als vertrauenserweckender und liebenswürdiger Polizist zu hören. Timmo Niesner bringt es mit seiner Performanz fertig, mich des Nachts wach zu halten und voller Spannung der Auflösung entgegenzufiebern. Eine großartige Leistung!

Das spannungsgeladene Cover zeigt keine im Hörspiel direkt vorkommende Szene. Es ist jedoch sehr atmosphärisch und aufregend gehalten, sodass meine Neugier direkt geweckt war. Mit Charles Dickens verband ich ansonsten nur die Weihnachtsgeschichte. Daher war es gut, dass mich das Covermotiv auf etwas anderes einstimmte.

Die Musikeinspielungen und Geräusche sind stets passend. Die Zeit verging wie im Flug (das Hörspiel hat auch nur angenehme 44 Minuten) und dazu tragen ebenfalls die Geräusche und die musikalische Untermalung bei, die so atmosphärisch sind, dass sie (im positiven Sinne) mir beim ersten Hören nicht bewusst wurden.

Fazit
Ein tolles Hörspiel nach Charles Dickens. Das Ende löst einiges auf, aber nicht alles, sodass ich zu meiner Freude noch einiges zum Nachdenken hatte: Meine Fantasie füllte aufgrund von Wissensmängeln des Reisenden Lücken und reichte Erklärungen nach. Klasse! Vollständigen Artikel lesen...