Donnerstag, 10. Mai 2018

Gruselkabinett Nr. 137 – Aus finsterer Tiefe

Die Inhaltsangabe des Hörspiels verrät bereits einen Großteil der Handlung – eben bis zu dem Punkt der Totenwache. Adam Falcon kommt bei einem unheimlichen Nebel ums Leben. Seine Verlobte bat ihn am Morgen, heute nicht fischen zu fahren, doch er sah keine Gefahr. Bis der Nebel kam. Im Verlauf tritt der Nebel mehrfach in Erscheinung und mit ihm ereignen sich schreckliche Dinge…

Daniela Bette spricht „die See“. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die im Kontrast zu den meisten eher rau angelegten steht. Dabei schafft sie es eine gewisse Kälte, geradezu Hass gegenüber den Menschen, mit ihr zu transportieren. Trotzdem hätte ich mir eine etwas wildere Stimme gewünscht, die die aufgewühlte See gegebenenfalls besser darstellt.

Alle männlichen Sprecher passen perfekt zu Seefahrern. Insbesondere Bert Stevens als Erzähler hat es mir angetan. Bodo Primus ist als John Harper zu hören, der einen spannenden Endkampf hat, wobei mich die Vorstellung etwas amüsiert hat und ungläubig mitverfolgen lies, wie besagter Kampf endet. Seine Frau Emma wird von Dagmar von Kurmin gesprochen. Ihre Stimme passt ebenfalls sehr gut zu den klimatischen Bedingungen der Küste und ihre Religionsverwurzeltheit wird herrlich zur Schau gestellt. Etwas störend fand ich bei den Harpers, dass sie gegenüber den anderen Bewohnern nochmal erwähnen mussten, dass sie sich wie die Eltern der Verlobten des toten Adams fühlen. Das hatten sie in einer vorherigen Szene bereits erwähnt. Für den Hörer ist die Wiederholung somit überflüssig und die Küstenbewohner dürften dies ebenfalls wissen. Ich fand diese erneute Aussage sehr störend. Besonders, da sie für mich den Trauer-Redefluss von Dagmar von Kurmin unterbricht, der ansonsten geradezu herzzerreißend ist. Sie möchte der verlobten Margeret Deveral, gesprochen von Dana Fischer, in dieser schweren Zeit beistehen. Trotzdem zwingt sie ihr auf, einem Ritual zu folgen, bei dem die Unglückliche feststellt, dass es sich nicht um ihren Verlobten handelt. Das Ganze ist so überzeugend und zum Fürchten gespielt, dass es leichtfällt, mit jedem anwesenden Dorfbewohner zu fühlen. Die Sprecher sind somit insgesamt wiedermal hervorragend und auch Marc Gruppe ist erneut in einer größeren Rolle zu hören – und steht seinen Sprecherkollegen in Nichts nach.

Das mit 35 Minuten recht kurze Hörspiel (endlich mal ein Happen für Zwischendurch) ist wie gewohnt mit großartigen Geräuschen und Musikstücken unterlegt – und hat genau die richtige Laufzeit, sodass es keine Längen gibt. Die Geschichte ist recht simpel gestrickt und schnell erzählt. Ein besonderes Highlight ist, dass keine Erklärung für das Geschehene geboten wird, sodass sich der Hörer eigene Gedanken machen kann.

Wenn ich das Cover sehe, so denke ich, das Monster hätte ruhig noch etwas gruseliger beschrieben werden können. Mit solch unheimlichen Augen! Ein tolles, unheimliches Werk, was jedoch auch einiges vom Inhalt verrät.

Fazit
Ein gutes schnörkelloses Hörspiel, mit vielen rauen Stimmen. Die atmosphärische Umsetzung erlaubt es sich in die Handlung einzufühlen und somit insbesondere zu trauern und sich zu fürchten. Vollständigen Artikel lesen...

Donnerstag, 3. Mai 2018

Gruselkabinett Nr. 136 – Das Königreich der Ameisen

Was für ein Hörspiel! Fesselnd und unheimlich – wobei das gegebenenfalls stark von Hörer zu Hörer variiert. Ich habe selbst am Tage ein wohliges Schauern verspürt. Die Vorstellung große gefährliche Ameisen führten einen Feldzug gegen Menschen ist einfach zum Gruseln. Dazu kommt die unzureichende Vorbereitung der Expedition, deren Anführer nicht an eine Invasion der Ameisen glauben, bzw. nicht daran, dass es für sie etwas zu tun gäbe. Packend und beklemmend wird das Geschehen des Jahres 1899 geschildert. Passend zu dieser Epoche gibt es eine inzwischen nicht mehr zeitgemäße Darstellung, wie das Schießen auf Alligatoren zur Belustigung, um nicht vor Langeweile auf der Schiffsfahrt im Kanonenboot zum Zielort in Brasilien über Board zu gehen. Die „Kolonisten“ werden damit zurecht unsympathisch beschrieben. Dazu gesellen sich Beschreibungen des Vorgehens und Vorwissens dieser – beispielsweise werden gewisse Dörfer angefahren, damit sich die Seefahrer mit den Einheimischen amüsieren können. Somit wird viel Stoff geboten, um über negative Seiten der Kolonisierung zu diskutieren. Der Autor H.G. Wells scheint diese ebenfalls nicht grundsätzlich gut geheißen zu haben, indem er den fehlenden Respekt vor der Tier- und Pflanzenwelt prächtig zur Schau stellt. Dies wird den Abenteurern auch zum Verhängnis: Im Kolonialamt und wohl auch sonst nirgends wird ihnen geglaubt, so wie sie auch ihrem Auftraggeber zunächst wenig Glauben geschenkt haben.

An dieser Stelle wirkt die Geschichte etwas unstimmig: Der Protagonist übertreibt offensichtlich am Ende bei seinen geschilderten Spekulationen. Er scheint den Schiffseigner vergessen zu haben, der die Expedition beauftragte und somit von den Ameisen wusste. Naja. An der Geschichte kann – wer denn will – viel kritisiert werden. Ich finde sie stimmig, da sie nicht allzusehr unserer Zeit (im Sinne der Erzählart) angepasst wurde. So ist man wie so oft eher Beobachter als Mittendrin und dies vermag bei mir so manchen Schauer zu erzeugen. Heutige Kinogänger etc. würden sicherlich die Schocker des Mittendrin-Gefühls vermissen, aber so haben es der Toningenieur leichter und meine Fantasie noch etwas mehr Spielraum. Der Zeitgeist wurde meiner Meinung nach sehr gut wiedergegeben. Immerhin handelt es sich auch um ein Grusel- und nicht um ein Horrorhörspiel.

Apropos Ton: Die Geräusche sind mal wieder eine Wucht! Besonders die recht spannungsarme erste Hälfte, die einen die meisten Personen verabscheuen lässt, ist eine herrliche Reise in den Amazonas mit großartigen Geräuschen. Später geht es sehr laut und actionreich dahin. Die etwas flachen und vorhersehbaren Entwicklungen lassen bei mir kein Mitleid aufkommen. Dazu hat sich zu Beginn zu viel Antipathie entwickelt. Es ist auch etwas klischeebehaftet. Der erfahrene Kapitän wird hysterisch – somit ist er wohl doch nicht so hart im Nehmen. Das Finale lässt den weiteren Verlauf der Geschichte der Menschheit offen und gibt dadurch zu denken. Ein schöner Ausstieg.

Bei den Sprechern hat Marc Gruppe eine größere Rolle übernommen, die er absolut überzeugend spielt. Stünde es nicht im Booklet, hätte ich einen Neuzugang im Ensemble erwartet. Es gibt jedoch zwei neue Sprecher, die großartig ihre Parts als liebenswürdiger Protagonist (Simon Roden) und bärbeißigen Kapitän (Jean Paul Baeck) einnehmen. Joachim Tennstedt, bekannt als Sherlock Holmes in Titania Mediens gleichnamiger Hörspielreihe, hat einen kurzen Auftritt als Schiffseigner.

Das Cover verdient ebenfalls ein Lob. Es zeigt perfekt den Schrecken, den der Hörer aus größerer Distanz (durch Fernrohre) erfährt.

Fazit
Das Hörspiel spiegelt perfekt den Zeitgeist der Vorlage mit allen Vor- und Nachteilen wider. Ich musste beim Hören immer an das Ende des Films „Shaun of the Dead“ denken, bei dem das Militär professionell die Gefahr bekämpft. In der heutigen Zeit mit allen technischen Hilfsmitteln wirkt die Gefahr eines Königreichs der Ameisen weniger fürchterlich als im 19. Jahrhundert.

Insgesamt ein tolles Hörspiel mit exzellenten Geräuschen und großartigen Sprechern. Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 29. April 2018

Die quietschende Tür (Folge 34) – Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs

Ein weiterer geheimer Fall des Meisterdetektivs. Im Gegensatz zum Vorgänger nicht unheimlich angehaucht, sondern klassisch: Es geht um Mord. Die Geschichte wird schön erzählt. Insbesondere die Passagen zwischen Sherlock Holmes und seinem Chronisten Doktor Watson. In dieser Folge wird darauf ständig hingewiesen. Das hätte etwas dezenter (seltener) sein können. Und warum handelt es sich um einen geheimen Fall? Ich weiß es nicht zu sagen. Vielleicht, weil er zu unspektakulär ist? Es einfach interessantere Fälle gab? Unabhängig davon finde ich es äußerst begrüßenswert, neue Geschichten zu hören, die allerdings den gleichen Charme wie die Klassiker ausstrahlen.

Die Figur Sherlock Holmes wird oft geradezu verehrerisch dargestellt. Er ist so intelligent, zieht schnell die richtigen Schlüsse und konfrontiert damit gerne am Ende die Verbrecher, damit dieser sich selbst offenbart: durch seine Taten indirekt die Schuld eingesteht oder eben verbal. Das ist oft etwas flach, bietet am Ende aber doch immer wieder Raum, um dem Leser oder Hörer am Ende zu berichten, was sich der Meisterdetektiv alles zusammengereimt hat. Bei alten Fällen sind es meist die kleinen Fehlerchen, die ich interessant finde oder die nur mit dem Weltbild der damaligen Zeit einen Sinn ergeben. Wie hanebüchen oder schwach die Indizienlage manchmal ist! Das bietet für mich ebenfalls oft einen Reiz. Wenn die Geschichte besonders gut erzählt wird, kann der Hörer selbst mitraten, weil ihm kein großes Detail vorenthalten wird und somit tatsächlich eine Überraschung bei der Auflösung folgt (was durchaus angenehm ist). So ist es auch hier. Wobei ein Detail weggelassen wird – bis zum Schluss: Wie Sherlock Holmes mit einem Bluff den Täter überführt. Das fand ich pfiffig und hätte ich dem Analytiker nicht zugetraut. Eine witzige Idee.

Dieses Hörspiel wird sehr direkt erzählt und der Hörer soll offenbar die gleichen Schlüsse wie Holmes ziehen. Das lässt Dr. Watson in einem geradezu stupiden Licht zurück, da Holmes so offensichtlich Hinweise gibt, dass unabhängig vom ersten Verdacht (ggf. aufgrund von Vorkenntnissen im Genre des Krimis) ein solcher spätestens bei der Tatortbesichtigung entsteht. Der Hörer mag somit bereits den Täter und das Motiv identifiziert haben. Daraufhin gilt es Beweise zu finden. (Nicht gerade die Stärke eines Sherlock-Holmes-Abenteuers.) Holmes tut das naheliegende und konfrontiert den Täter am Ende damit. Bis dahin spielt er ein falsches Spiel mit den Beteiligten, um den Mörder in Sicherheit zu wiegen. Das ist überaus unterhaltsam. An diesen Stellen zeigen sich die hervorragenden schauspielerischen Leistungen aller beteiligten Sprecher, die es durch ihr Spiel nur mit der Stimme schaffen, dem Hörer die passenden Gemütszustände der Personen zu vergegenwärtigen.

Diese Offensichtlichkeit des stringenten Falles bildet für mich den Hauptkritikpunkt. Es mag allerdings für andere ein Pluspunkt sein. Dazu gesellt sich die witzige Benennung der Figuren: Mr. Playfair, Mr. Power, Mr. Savage, Ms. Moody… die Namen sind überaus sprechend und verraten so einiges über die Figur. Die Namensgebung ist geradezu witzig – im Zusammenhang mit der Geschichte betrachtet. Auch der Titel des Falles verrät den Angelpunkt der Story.

Fazit
Handwerklich ein perfektes Holmes-Hörspiel, bei dem ein seichter, unterhaltsamer Krimi in ein Sherlock-Holmes-Abenteuer umgeschrieben wurde, was wohl die wenigsten vermuten werden. Die Inszenierung ist großartig und lässt keine Wünsche offen. Besonders die Dialoge zwischen Sherlock Holmes und Dr. Watson haben mir über alle Maße gefallen sowie die trotz der langen Laufzeit wie im Flug vergangene Zeit. Vollständigen Artikel lesen...

Samstag, 14. April 2018

Gruselkabinett Nr. 135 – Brickett Bottom

Das Hörspiel „Brickett Bottom“ lebt erneut von der Atmosphäre. Es ist ideal zum „Entschleunigung“ geeignet: Es wird der Umzug einer Familie (Vater, 2 Kinder) von der Stadt in die Einöde beschrieben. Die Geschwister gehen viel in der Natur spazieren. Eines Tages fällt der lebhafteren Tochter (gesprochen von Reinhilt Schneider) ein hübsches Haus auf, das ihr vorher entgangen sein muss. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf… Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Das Hörspiel lebt davon, dass sich bei der Erzählung Zeit gelassen wird, um die Gefühlswelt des Hörers zu erreichen, ihn in die persönlich furchtbaren Ereignisse hineinzuziehen und mitfühlen zu lassen, was die agierenden Personen erleben, hören und sehen – andere aber gegebenenfalls nicht. Wie das Cover bereits erahnen lässt, geht dies ein wenig in die Richtung der genialen Hörspielserie „Anne auf Green Gables“, doch folgen der wohlige Grusel und böse Vorahnungen alsbald.

Reinhilt Schneider ist dieses Mal eine wirklich eine gute Wahl. Sie ist oft laut, fröhlich und vor Tatendrang überschäumend, sodass sie einen herrlichen Kontrast zu ihrer „Schwester“ darstellt (gesprochen von Daniela Bette-Koch), die ruhiger, besonnener und sachlicher agiert.

Neben Bodo Primus und Horst Naumann ist ebenfalls Hörspiellegende Dagmar von Kurmin zu hören. Dieses Mal in einer überaus verstörenden Rolle. Sie ist liebenswert und lädt dazu ein, sie zu besuchen und ihren Mann kennenzulernen. Es fällt schwer, sie in eine Kategorie wie „gut“ und „böse“ einzuordnen. Auch nachdem ihre Hintergrundgeschichte am Ende erzählt wurde. Besonders verstörend fand ich ihre Andeutungen zu ihrem Mann. Da schrillten bei mir alle Alarmglocken und das ganze kam mir seltsam vor. Nicht so bei dem jungen Mädchen, was jedoch den Reiz der Geschichte ausmacht. Ihre Schwester, der von essentielle Details der Erlebnisse der Schwester nichts weiß, sorgt sich (zurecht) trotzdem.

Die Musik- und Geräuschkulisse überzeugt auf der ganzen Linie und harmoniert ebenfalls schön mit dem ansehnlichen Cover. Alles wirkt wie aus einem Guss. Gekonnt!

Fazit
Ein hübsches Hörspiel, das Raum für Interpretationen lässt, da selbst die Protagonisten nur mutmaßen. Die Geschichte ist simpel, die Umsetzung hat es in sich und schafft ein wunderbares Hörerlebnis. Vollständigen Artikel lesen...

Dienstag, 3. April 2018

Gruselkabinett Nr. 134 – Das älteste Ding der Welt

„Das älteste Ding der Welt“ erinnert vom Titel her an Werke Lovecrafts. Es gibt Ähnlichkeiten. Der Einstieg ist sehr atmosphärisch und packend. Es bleibt offen, worauf alles hinausläuft. Der Autor Willy Seidel wird in der zweiten Hälfte konkret und führt einen Chinesen ein, der okkultes aufspürt, in diesem Fall das älteste Ding der Welt. Leider geht mit der Offenbarung und den langen Erläuterungen ein Teil des Grusels verloren. Dahingegen finde ich es sehr positiv, dass der Chinese nicht so klischeehaft dargestellt wurde, wie ich es für ein Werk der damaligen Zeit erwartet hätte. Die schauspielerischen Leistungen, begleitet von der unheimlichen Musik, verstanden es mich nichtsdestotrotz durchgängig zu fesseln.

Matthias Lühn spricht den Chinesen und ist für mich eine Idealbesetzung. Er bleibt stets unheimlich und mysteriös – trotz seiner langen Monologe. Der eigentliche Protagonist wird von Louis Friedemann Thiele dargestellt: Ein unbedarfter Jüngling, der bei seinen besorgten Eltern wohnt und auf gute Ratschläge pfeift. Dies resultiert in allerhand merkwürdigen Ereignissen, die Peter Weis hervorragend als Erzähler begleitet.

Einen großen Einfluss, neben den hervorragenden Sprechern, hat die Musik, indem sie die Geschichte stets vorwärts treibt und den Hörer Böses ahnen lässt. Als Beispiel diene, dass mittels eines dumpfen Schlagens dem Hörspiel immer wieder einen beständigen Rhythmus gegeben wird. Großartig!

Während der Hörer sich über den Inhalt so seine Gedanken machen mag, so wird es wohl produktionstechnisch keinen Mangel zu entdecken geben. Gerade die dichte Atmosphäre mit der toll ausgewählten Musik lässt die doch sehr lange Laufzeit viel schneller vergehen. Die Sprecher tun ihr Übriges, um zumindest beim ersten Hören dem Enthusiasmus des Gesagten willig zu folgen.

Ich schätze beim Gruselkabinett überaus, dass neben auch heute noch überaus bekannten Autoren nahezu vergessene aufgenommen werden. So bietet diese Reihe einen interessanten Abriss der romantischen Gruselgeschichten – mit natürlich schwankender Qualität der Vorlage. Die Umsetzungen erfolgen dabei behutsam, sodass die Sprache und der Duktus für heutige Hörgewohnheiten alt klingen, ohne jedoch zu alt zu wirken und damit schwerer zu verstehen wären. Manchmal vermisse ich dies, insgesamt finde ich die Zugänglichkeit jedoch wichtiger und hervorragend. Kritische Elemente werden weggelassen oder bewusst aufgenommen, um dem kritischen Hörer zu vergegenwärtigen, welche Vorurteile es beispielsweise gab und allgemein verbreitet waren.

Fazit
Packend und unheimlich erzählt mit einer bösen Idee fürs Ende. Und ein offenes Ende. Mir hat es gefallen – besonders die Umsetzung dieser schrägen Geschichte. Vollständigen Artikel lesen...

Freitag, 30. März 2018

Das graue Haus (Folge 33) – Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs

Dieses Sherlock Holmes Hörspiel ist wieder eines der geheimen Fälle des Meisterdetektivs, mit denen die Serie startete. Anders als früher sind jedoch ein Autorenduo die Urheber und Marc Gruppe zeichnet sich wie bei den Vorlagen von Sir Arthur Conan Doyle „nur“ für das Hörspielbuch aus. Das ist aber deutlich mehr als man vermuten mag, denn die Vorlage ist keineswegs ein Abenteuer von Sherlock Holmes, was lediglich dem Ende anzumerken ist. Den Gesprächen von Holmes und Watson jedenfalls nicht.

Dr. Watson bietet eine interessante Einleitung, die den Hörer sinnvollerweise vorwarnt: Dieser Fall ist äußerst ungewöhnlich und fällt damit aus der Reihe. Sogar soweit, dass es regelrecht unheimlich und vor allem spannend zugeht. Obwohl oder weil es sich quasi um ein Kammerspiel handelt (neben Holmes und Watson sind lediglich zwei weitere Rollen und Sprecher im Booklet aufgeführt), sind die Erzählungen und Geschehnisse äußerst packend. Der Hörer wird mitgerissen und mag schlimme Prophezeiungen entwickeln.

Mir hat die Geschichte und Erzählweise bis auf das Ende gut gefallen. (Dafür gibt es einen Abzug.) Ich müsste Doktor Watson wiedergeben und damit Spoilern, um sagen zu können, was mir nicht gefällt. Einen Hinweis gebe ich trotzdem: Dieses Hörspiel hätte ebensogut im Gruselkabinett erscheinen können, da gab es bereits Detektive, die (vermeintlich) Übernatürlichem auf die Spur gekommen sind…

Die Sprecher leisten allesamt hervorragende Arbeit. Joachim Tennstedt klingt besonders zu Beginn heiser und somit glaubwürdig, dass er unter einer verschleppten Erkältung leidet, die er in Ruhe auf dem Land auskurieren soll. Auf Anraten Dr. Watsons. Natürlich. Detlef Bierstedt weiß in dieser Rolle wie gewohnt zu überzeugen und ist auch als Erzähler eine hervorragende Wahl. Ein toller Chronist! Hinzukommen Michael-Che Koch und Bruno Winzen, die als Gesprächspartner und in bedrohlichen Gefahrensituationen überzeugen.

Die Musikstücke unterstützen in diesem Hörspiel stark die angespannte und unheimliche Atmosphäre. Teilweise auffällig, teilweise dezent. Mir hat es gefallen.

Fazit
Ein äußerst ungewöhnlicher Sherlock Holmes-Fall, wie er auch im Gruselkabinett hätte erscheinen können. Sehr spannend und zuweilen unheimlich. Bestens geeignet für alle Hörer, die auch mal eine etwas andere Sherlock Holmes-Geschichte hören wollen. Vollständigen Artikel lesen...

Freitag, 23. Februar 2018

Gruselkabinett Nr. 132 & 133 – Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Ich muss zugeben, dass mich die Geschichte von Sweeney Todd nie besonders interessiert hat. In den Film hatte ich mal reingeschaut. Für fünf Minuten. Oder war es doch länger? Oder kürzer? Auf jeden Fall habe ich beim ersten Gesang abgebrochen. Ich glaube, dass ich woanders hinmusste. Ein Freund wollte mich vom Film überzeugen. Hat nicht geklappt.

Was hat das Hörspiel mit dem Film gemein? Hum, das Covermotiv erinnert an den Film. Mir gefällt es. Besonders die Entscheidung, die beiden Hauptübeltäter zu porträtieren und so geschickt ähnlich. Grandios! Ansonsten? Nein, ich habe gelesen, dass das Musical von der literarischen Vorlage abweicht – und die wurde hier vertont. Zum Glück! Kein Gesang. 😊

Jacques Breuer leiht Sweeney Todd, einem ungehaltenen und irgendwie unhöflichen Menschen, seine Stimme. Ganz famos! Es ist wahrlich kaum möglich ihn zu mögen. Eine tolle Interpretation des Textes!

Dazu gesellt sich Daniela Bette als Mrs. Lovett. Eine schöne Stimme. Wer würde bei ihr in ihrem Ladengeschäft nicht gerne eine köstliche Fleischpastete erwerben wollen?

Die Liste an herausragenden Sprechern und exzellenten Leistungen geht weiter. Es ist ein großes, tolles Aufgebot! Kathryn McMenemy, Janina Sachau als liebreizende Johanna Oakley (Ist es Zufall, dass ihr Vater Brillen fertigt und es heutzutage eine gleichnamige Marke, die Billen verkauft, gibt?), Bodo Primus als ihr Vater (John Oakley), Thomas Balou Martin als bäriger Colonel Jeffery – ein Dreamteam zusammen mit Host Naumann als Captain Rathbone –, Tom Raczko als Lehrling Tobias Ragg, Matthias Lühn in einer Doppelrolle (ist mir garnicht aufgefallen: Lieutenant Thornhill im ersten Teil und der Apotheker im zweiten Teil) sowie Peter Weis (auch in einer Doppelrolle: als Hehler und Dr. Fogg), Sascha von Zambelly, Louis Friedemann Thiele als sympathischer Jarvis Williams, Michael Che Koch und Bruno Winzen als fieser Mr. Watson (gut, dass wegen der Namensähnlichkeit nicht Detlef Bierstedt gewählt wurde). Stephan Bosenius und Marc Gruppe haben sich selbst kleine Rollen gegeben, die sie gut meistern. Im zweiten Teil ist Dagmar von Kurmin zu hören. Das finde ich an sich klasse. Aber den Altersunterschied zwischen ihr als Mrs. Ragg, der Mutter von Tobias, empfinde ich als zu groß. Klingt als ob eine achtzigjährige einen fünfzehnjährigen Sohn hätte. Naja.

Ich bin von den Sprechern wie gesagt ganz begeistert und von der Interpretation der Dialoge. Die sind überaus faszinierend. Wie diese ganzen zwielichtigen Gestalten miteinander umgehen – herrlich! Ebenfalls finde ich es gelungen, wie Janina Sachau ihre Stimme moduliert, um im zweiten Teil nicht aufzufallen. Klasse!

Fazit
Ein faszinierendes und spannendes Hörspiel, das ich jedem blindlings empfehlen kann. Vielleicht sollte man den einen oder anderen vorwarnen, dass es sich nicht um eine Vertonung des Musicals / neuesten Films handelt. Falsche Erwartungshaltung und so. Ich gehe davon aus, dass auch die Stimmen andere sind. 😉 Vollständigen Artikel lesen...