Montag, 25. Juli 2016

Silberblesse (Folge 23) – Sherlock Holmes

Das Pferd „Silberblesse“ gilt als Favorit bei einem in wenigen Tagen stattfindenden Wettkampf. Nun entrüsten sich die Zeitungen über dessen verschwinden. Der Trainer wurde tot aufgefunden, der Stallbursche betäubt. Es gibt wilde Spekulationen. Als es zur Verwunderung des Meisterdetektivs keine rasche Aufklärung des Falles gibt, bemüht sich Sherlock Holmes selbst an den Tatort …

Dieser Fall brilliert mit zügigen korrekten Schlüssen Sherlocks, die jeder sehr gut nachvollziehen können dürfte. Die Auflösung des Todesfalls finde ich innovativ. Da ist schon viel Feingefühl notwendig, um eine Gefahrensituation so schnell zu erkennen und eine gute Kombinationsgabe gepaart mit Fantasie, um aus den Indizien das Geschehen rekonstruieren zu können. Holmes Arroganz bei seinem Vorgehen ist herrlich mitzuerleben, da er durch seine zurückhaltende Art (bezüglich seiner Schlussfolgerungen und Beobachtungen) jeden verwirrt: Die Erwartungen erfüllt er keinesfalls. Sherlock Holmes hat eben bereits genug gesehen, um anhand der Indizien schließen zu können, wo er weitere finden müsste, die seine Theorie stützen. Und da er von sich überzeugt ist, braucht er keine Zeit verschwenden, indem er sich Orte oder Dinge anschaut, die ihm in den Ermittlungen keinen Fortschritt bringen dürften. So macht der Fall richtig Laune, zumal er großartig erzählt ist. Von den hervorragend aufgelegten und ausgewählten Sprechern abgesehen und der tollen Geräusch- und Musikkulisse ebenfalls, ist es gerade die Art, wie die Geschichte erzählt wird: gekonnt! Kurze Hörspielrückblenden verdeutlichen das Gesagte und machen das Hörspiel wahrlich lebendig. Sehr schön!

Fazit
Ein großartiges Hörspiel des Meisterdetektivs: Kurzweilig und mit Situationskomik. Gekonnt! Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 17. Juli 2016

Gruselkabinett Nr. 111 – Die Grube und das Pendel

Edgar Allan Poes „Das Fass Amontillado“ und „Die Grube und das Pendel“ hat Mark Gruppe zu einem Hörspiel zusammengefasst. „Das Fass Amontillado“ bildet den Rahmen. Zum Einstieg erfährt der Hörer, dass Montrésor sich von Fortunato verspotten lässt, was andere ebenfalls bemerken und über das bloße Hinnehmen durchaus verwundert sind. Was sie nicht wissen, ist die gemeinsame Vergangenheit, an die sich Fortunato selbst nicht zu erinnern scheint. Es folgen als Einschub die schrecklichen Jugenderfahrungen Montrésors („Die Grube und das Pendel“). Nachdem dieser Part abgeschlossen ist erfolgt die eigentliche Poe-Erzählung über das Fass Amontillado.

Das Hörspiel ist durchgängig sehr atmosphärisch umgesetzt, mit tollen Musikstücken, Geräuschen und Sprechern. Die Verquickung der beiden Fälle passt durchaus und gibt Montrésor ein starkes Motiv für sein Handeln. Trotzdem bin ich nicht ganz glücklich damit. Ich bin mir unsicher, ob eine Schreckensgeschichte von Edgar Allan Poe genug für mich ist und ich danach erstmal wieder Abstand brauche oder es gereicht hätte, das Ende etwas flotter zu erzählen. Wobei das Original ja gerade von der Gemächlichkeit lebt, der Perfidität das Opfer dazu zu drängen, der Gesundheit wegen nach Hause zu gehen, aber zugleich einen Anreiz zu geben weiter zu gehen und damit in die vorgesehene Falle. Das gilt damit auch für das Hörspiel, braucht aber viel Zeit.

Die Sprecher sind famos! Das Duo Eckart Dux und Jürgen Thormann ist grandios als Montrésor und Fortunato. Ein toll ausgewähltes Team. Eckart Dux fungiert ebenfalls als Erzähler. Das höre ich gerne. Als junge Versionen (in „Die Grube und das Pendel“) sind Johannes Raspe und Matthias Lühn zu hören. Weitere Sprecher sind Herbert Schäfer, Louis Friedemann Thiele und Florian Jahr. Sie alle liefern hervorragende Ergebnisse.

Fazit
Ein tolles Hörspiel, das Poe mit seiner atmosphärischen Darbietung und einem fulminanten Dux-Thormann-Duett gerecht wird. Vollständigen Artikel lesen...

Donnerstag, 14. Juli 2016

Das gelbe Gesicht (Folge 24) – Sherlock Holmes

Zwei verzweifelte Menschen, ein Rätsel. Sherlock Holmes ist außer sich, da er einen Klienten verpasste, weil er auf Drängen von Dr. Watson spazieren ging und somit nicht in der Baker Street auf einen – lang ersehnten – neuen Fall warten konnte. Mrs. Hudson schildert einen möglichen neuen Klienten in einer Weise, die viele Parallelen zu Holmes verzweifelter Suche nach etwas (im Falle Holmes etwas Interessantes – ein Rätsel) aufweist. Zum Glück weiß Dr. Watson seinen Freund zu beruhigen, der völlig außer sich vor Empörung nicht zu Hause gewesen zu sein und damit einen Klienten, der vor Dringlichkeit kaum eine halbe Stunde zu warten imstande war, womöglich verloren zu haben. Holmes Chronist weißt ihn auf eine Pfeife hin, die der neue Klient hinterlassen hat. Anhand dieser deduziert Sherlock Erstaunliches und kurz darauf taucht Jack Grant Munro auf, der verzweifelte Klient: Seine Frau verhält sich reichlich seltsam seitdem das Nachbarhaus wieder bewohnt ist. Jack selbst sieht dort ein unheimliches gelbes Gesicht. Alarmiert bittet er Sherlock Holmes sich der Sache anzunehmen, um seine Ehe zu retten.

Das Hörspiel ist mit 47 Minuten etwas kürzer ausgefallen, was mir gut gefällt, da es dadurch perfekt in ein einstündiges Zeitfenster passt, wobei etwas Puffer bleibt und dadurch alles ganz entspannt angegangen werden kann.

Die Geschichte wird abwechslungsreich erzählt. Anstelle des vorlagentypischen Stils alles Sherlock Holmes nur zu berichten (was natürlich ist, aber etwas Dröge bei einem Hörspiel, das keine inszenierte Lesung sein will), gibt es kurze Hörspielszenen, die das gesagte verdeutlichen. Es wird auch deshalb zu keinem Zeitpunkt langweilig. Diese Hörspielszenen sind ungemein hilfreich, um die verschiedenen Personen dem Hörer näher zu bringen, damit er zum Beispiel Sympathien langsam aufbauen kann, um schließlich Empathie zu empfinden. Das ist mit dem herzlichen Ende wahrlich schön gelungen.

Joachim Tennstedt klang zu Beginn hörbar geschafft, so empört war Sherlock. Da hört er sich gleich ein paar Jahre älter an. Aber zum Glück beruhigt sich Holmes wieder und alles ist beim Alten. Eine schöne Leistung. Detlef Bierstedt und Regina Lemnitz sind gewohnt erstklassig in ihren Stammrollen. Johannes Raspe als verzweifelter Klient überzeugt ebenfalls jederzeit. Sein Zusammenspiel mit Melanie Hinze (Effie Grant Munro) ist sehr schön anzuhören. Melanie Hinze schafft es in ihrer Rolle jederzeit auszudrücken, wie sehr sie darunter leidet, ihrem Mann die Wahrheit verschweigen zu müssen und kann damit sicherlich Sympathie bei der Hörerschaft sammeln. Die übrigen Sprecher passen zu ihren Rollen.

Von den vielen Illustrationen, die ich schon zu dieser Geschichte gesehen habe, gefällt mir diese besonders gut, weil es das gelbe Gesicht und das Haus zusammen zeigt. Die Maske erinnert mich an einen Totenkopf. Das belustigt mich, da ich sehr von Aiga Raschs Darstellung geprägt bin.

Fazit
Ein schöner und etwas ungewöhnlicher Fall des berühmten Sherlock Holmes in Form eines wahrlich atmosphärischen Hörspiels aufbereitet. Vollständigen Artikel lesen...

Mittwoch, 15. Juni 2016

Gruselkabinett Nr. 109 – Heimweh

Das Hörspiel ist liebenswert und behandelt die traurige Geschichte einer Frau mit „Heimweh“. Im Zentrum stehen die Ermittlungen und Erlebnisse des Ehepaares Hargreaves mit ihrer gemeinsamen Tochter. Gruselig wird es im Grunde nie. Es gibt jedoch Schrecksekunden. Zum Beispiel in Folge einer für alle Eltern fürchterliche Aussage der Tochter während sie badet… Sonst plätschert die Handlung vor sich hin und lebt von der atmosphärischen Präsentation.

Das Ermittlerpärchen begleitet das Gruselkabinett bereits seit einigen Folgen. Wie zuletzt werden auch in diesem Fall die Hargreaves von ihrer lieben Tante Marilyn hineingezogen. Erneut ist ein Hotel der Ausgangspunkt, dieses Mal jedoch in den Staaten statt im Good Old England.

Am Ende weiß das Ehepaar nahezu alles (ein Detail der Vergangenheit bleibt Ungewiss: Lüge oder Wahrheit?) und damit (zuzüglich einer amüsanten Pointe – Danke Tante Marilyn!) schließt das Hörspiel. Aufgelöst wird nichts, außer das Rätsel um den Grund des Spuks. Dieses Hörspiel setzt starkes Interesse des Hörers an Nebensächlichkeiten voraus und an allen mitwirkenden Personen, denn er wird alle ausführlich kennen lernen. Das muss man mögen. Ansonsten droht Langeweile.

Die Sprecher leisten erneut herausragende Arbeit: das liebenswerte Gespann Stephanie Kellner und Benedikt Weber als Ehepaar und neu bei den beiden Clara Fischer als fünfjährige Tochter (so viel Zeit ist seit dem letzten Hörspielabenteuer des Pärchens vergangen). Ursula Sieg ist ebenfalls erneut zu hören und spielt die etwas anstrengende aber doch nette Tante Marilyn famos. Janina Sachau verleiht ihrer Figur viel Melancholie und eine hörbare Erschöpftheit. Wunderbar! Jürgen Thormann darf als erfahrender Holtelangestellter mit Herz überzeugen. Beate Gerlach spielt eine herrlich eigenwillige Frau und Peter Lontzek einen Verkäufer. Seine Stimme bringt mich direkt in vergangene Zeiten. Ich finde, er würde hervorragend in einen Western passen. Daniela Bette und Herbert Schäfer geben ein schönes Ehepaargespann ab, das sich herrlich neckt. Beziehungsweise ja nur „die Wahrheit“ sagt. ;)

Fazit
Die Hargreaves in einem neuen Fall, diesmal mit Tochter. Wie gewohnt geht es ruhsam daher, gibt es ein paar lustige Momente und viel Zeit die verschiedenen Figuren kennenzulernen. Dieser Folge fehlt etwas Pepp, z.B. ein großartiger Bösewicht wie zuletzt (Danke Manfred Lehmann). So bleiben nur bedauernswerte und mäßig interessante Figuren. Insgesamt ein gutes Hörspiel. Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 6. Dezember 2015

Gruselkabinett Nr. 106 – Das Traktat Middoth

Erst nachdem sich die CD aufgehört hat zu drehen, lese ich den Klappentext eines Hörspiels von Titania Medien. Denn bei Titania Medien kann ich blind zugreifen. Bisher wurde ich nie enttäuscht. In letzter Zeit fallen mir die kurzen Klappentexte auf, die meistens herrlich wenig vom Inhalt verraten, dafür jedoch ebenfalls oft kein besonderes Interesse bei mir wecken. So ist es auch hier. Wobei mich die eigenwillige – altdeutsche – Schreibweise schon häufig irritierte. In diesem Fall stolpere ich über die falsche Deklination des Wortes Bibliothek.
Mr. Garrett arbeitet in einer der berühmtesten Bibliotheken des Landes. Eines Tages taucht ein alter Mann auf und fragt erregt nach einem bestimmten Buch. Als William Garret das Buch für den erschöpften Mann sucht, ist es bereits entliehen. John Eldred, so heißt der alte Mann, ist entsetzt und lässt im Folgenden nichts unversucht, um an das gewünschte Buch zu gelangen. Während seiner Arbeit in der Bibliothek erblickt Mr. Garret Grausiges, in Folge dessen er für eine Woche nicht mehr in der Bibliothek verweilt. Wird Mr. Eldred das Buch entleihen können? Welches Geheimnis verbirgt es?

Das gruselige Covermotiv passt hervorragend zum Inhalt und gibt sehr gut die Atmosphäre des Hörspiels wieder. Die Sprecher, Musikeinlagen und Geräusche lassen das Hörspiel zu einem Genuss werden. Die Krux ist einmal mehr der Inhalt. Titania Medien holt produktionsmäßig das Beste heraus, doch der Inhalt ist für mich nichts Besonderes. Es ist eine romantische Geschichte mit unheimliches Elementen, die jedoch nie aufgeklärt werden oder mir besonders logisch in seinem Ursprung zu sein scheinen – von simpler Boshaftigkeit abgesehen. Insgesamt ist das Hörspiel für mich sehr gut, aber nicht ausgezeichnet. Sehr gut deshalb, weil mich die Atmosphäre so begeistert und ich mich im Hörspiel selig verlieren kann.

Dreizehn Sprecher bzw. Schauspieler listet das Inlay auf. Reinhard Scheunemann führt mit seiner angenehmen Stimme durch das Hörspiel. Ich hoffe auf ein baldiges Wiederhören. Constantin von Jascheroff ist erneut großartig in einer weiteren Rolle im Gruselkabinett. Bernd Rumpf spielt vorzüglich den alten John Eldred. Seine Verzweiflung, Erregung, Erschöpfung, ja alle seine Gemütszustände sind wunderbar herausgearbeitet. Den genialen Gegenpart stellt Lutz Mackensy als eingesessener, mürrischer Bibliothekar dar. Wunderbar! Herma Koehn und Cathlen Gawlich geben ein schönes Mutter-Tochter-Gespann ab. In weitere Rollen sind die Stimmen von Rainer Gerlach, Hans Bayer, Pascal Breuer, Sabina Trooger, Anja Krause und Marc Gruppe zu hören. Eine besondere Freude war Judy Winters kurzer Auftritt als Haushälterin. Sie und Regina Lemnitz sind für mich die Stimmen, mit denen ich starke Frauenpersönlichkeiten verbinde, die in einem Angestelltenverhältnis sein mögen, sich aber psychisch nie unterkriegen lassen. Spannend fände ich ein Aufeinandertreffen der beiden Stimmen in einem Hörspiel.

Fazit
Ein Meisterwerk des atmosphärischen Hörspiels mit einer soliden Geschichte der Schauer-Romantik. Vollständigen Artikel lesen...

Dienstag, 1. Dezember 2015

Das Haus bei den Blutbuchen (Folge 22) – Sherlock Holmes

Die Gouvernante Violet Hunter bekommt ein verlockendes Angebot. Ein ungewöhnlich gut bezahlter Arbeitsplatz, dessen großzügige Vergütung sicherlich den besonderen Wünschen des Arbeitgebers geschuldet ist: Um die Stelle annehmen zu dürfen, soll sich Miss Hunter von ihren langen Haaren trennen und mit einem bestimmten Kleid an vorgegebene Stellen setzen. Das Angebot ist sehr verlockend, doch hadert Miss Hunter – sich von ihren Haaren zu treffen fällt ihr schwer. Darum bittet sie Sherlock Holmes um Rat…

Anfänglich verhält sich Sherlock Holmes (Joachim Tennstedt) zum Leidwesen von Dr. Watson (Detlef Bierstedt) und Mrs. Hudson (Regina Lemnitz) unmöglich und äußert sich unziemlich über seine künftige Klientin. Doch dies ändert sich rasch, als er die aufgeweckte Violet Hunter (Reinhilt Schneider) ein wenig kennenlernt. Regina Lemnitz Auftritt ist kurz und gekonnt. Das bewährte Sprecherduo spielt mit Reinhilt Schneider großartig zusammen. Mein Dank an die Regie und die Sprecher! Neben den Hauptsprechern wissen ebenfalls Doris Gallert als Arbeitsvermittlerin für Miss Hunter sowie Helmut Krauss und Ulrike Möckel als Mr. und Mrs. Rucastle zu gefallen. Helmut Krauss hat mir besonders zu Beginn gut gefallen. Am Ende wirkten seine Auftritte auf mich teilweise weniger passend. Vielleicht bin ich durch die vorherigen Tracks in meiner Vorstellung, wie bei bestimmten überraschenden Situationen Jephro Rucastle Sätze zu betonen hat, etwas voreingenommen.
Kaspar Eichel hat einen kurzen Auftritt als betrunkener Mr. Toller und Dorothea Walda überzeugt als seine für die Handlung wichtigere Frau.

Der Fall ist einfach gestrickt und daher Sherlocks auf Indizien basierende Deduktion einfach nachzuvollziehen. Es gibt jedoch kleine Überraschungen sowie Watsons abschließende Worte, die die Geschichte zügig abschließen.

Das Hörspiel lebt von den großartigen Sprechern, der lieblichen und gemütlichen Atmosphäre, die den Hörer in eine andere romantisch-überzeichnete fiktive Vergangenheit entführt. Dies ist natürlich auch der wunderbaren Untermalung mit passenden Geräuschen und Musikstücken zu verdanken.

Beim Cover fällt mir besonders der Rot-Blau-Kontrast ins Auge. Die roten Buchenblätter faszinieren mich. Deshalb gefällt mir das Cover – und auch, weil es eine Schlüsselszene darstellt.

Fazit
Ein weiteres gelungenes Sherlock Holmes Hörspiel aus dem Hause Titania Medien. Gewohnt atmosphärisch ruhig und ohne in bombastischen Actionszenen zu verfallen, versteht es auch dieses Hörspiel die Aufmerksamkeit des Hörers über die gesamte Laufzeit von etwas mehr als 60 Minuten zu erhalten. Vollständigen Artikel lesen...

Sonntag, 15. November 2015

Die Beryll-Krone (Folge 21) – Sherlock Holmes

Oh, wie ich es liebe, mit einem guten Gefühl blind Hörspiele zu erwerben, überzeugt davon, keinesfalls enttäuscht zu werden. So ergeht es mir mit den Hörspielen von Titania Medien. Der unsagbare Vorteil: bis auf den Titel weiß ich nichts vor dem ersten Hören über das Hörspiel. Vielleicht habe ich mir das Cover noch genauer angesehen. Dahingegen prüfe ich sonst mir unbekannte Hörspiele vor dem Kauf sehr genau: Ich lese meist sogar noch die Meinungen anderer Personen, um Fehlkäufe zu vermeiden. Das verrät selbstverständlich einiges über den Inhalt des Hörspiels und entsprechend eingeengt sind dann die eigenen Gedanken während des Hörens.

Das vorliegende Abenteuer von Sherlock Holmes war mir bisher unbekannt. Entsprechend hatte ich beim Hören des Intros, bei dem der Bankier Holder aus seinem Privatvermögen einem scheinbaren kreditwürdigen Kunden Bargeld im Tausch gegen eine angeblich wertvolle Beryll-Krone leiht, ein schlechtes Gefühl. Hier muss das Verbrechen doch seinen Anfang nehmen, oder nicht? Anschließend erzählt der dem Nervenzusammenbruch nahe Bankier Sherlock Holmes, dass er aus Sicherheitsgründen den Pfand statt im Banktresor, lieber in seinem Schreibtisch zu Hause verfahrt hat. Spätestens hier war klar, dass Holmes wohl einen Diebstahl aufklären muss, doch das Motiv war noch spannend herauszufinden. Geht es gar um Versicherungsbetrug? Soll eine wertlose Kopie der Krone für die echte gehalten werden? Der Fall entwickelte sich dann doch ganz anders als gedacht: etwas banaler. Wenigstens sind die Übeltäter bei der Auflösung bereits alle bekannt, sodass der Hörer ähnliche Vermutungen haben könnte. Da er nicht selbst vor Ort sein kann, fehlen ihm die visuellen Reize, die Holmes bei der Aufklärung helfen und Möglichkeiten ausschließen sowie bestätigen.

Der Fall ist recht pragmatisch, nicht sonderlich abgehoben und gefällt mir insgesamt, auch wenn er mit einem Mitglied des Königshauses und einer Liebesgeschichte keine neuen Figurkonstellationen in das Holmes-Universum einführt. Alles schon bekannt, trotzdem eine schöne Komposition.

Ich frage mich immer noch, wie die Wände von Sherlocks Wohnung beschaffen sind und ob der Bankier seinen Kopf oder ein anderes Körperteil gegen die Wand schlägt. Es ist der einzige Moment, wo ich das Geräusch nicht eindeutig zuordnen kann. Darüber hinaus empfand ich alle weiteren Geräusche und den Musikeinsatz sehr angenehm.

Uli Krohm als Bankier Alexander Holder ist in diesem Hörspiel omnipräsent. Er überzeugt vollends als mit blank liegenden Nerven bei Sherlock aufschlagender Mensch, der sich am Ende seiner Existenz sieht. Später fängt er sich wieder und zeigt ganz andere Seiten. Eine spannende Darbietung.
Das eingespielte Trio Tennstedt-Bierstedt-Lemnitz ist gewohnt erstklassig. Ich finde Joachim Tennstedts verstellte Stimme als verkleideter Herumtreiber immer wieder herrlich. Detlef Bierstedt ist stimmlich der perfekte, meist ruhige Begleiter Sherlocks, der die Fragen des Hörers stellt und eine sehr menschliche Komponente an Holmes Seite stellt. Regina Lemnitz ist für mich die resolute Mrs. Hudson, die sich inzwischen an die sich oft unmöglich vorstellenden Gäste von Mr. Holmes gewöhnt hat, sich dabei jedoch nicht nehmen lässt, wenn schon wortlos, dann aber nicht lautlos, ihre Meinung kundzutun. Herrlich!
In weiteren Rollen sind die wunderbaren Stimmen von Jan Makino (Jan Panczak), Maria Koschny und Dietmar Wunder zu hören.

Fazit
Ein weiteres gelungenes Holmes-Hörspiel, bei dem Uli Krohm zu meiner Freude eine große Rolle inne hat. Vollständigen Artikel lesen...