Freitag, 3. Dezember 2004

Marcel Hollerbusch - 1 - Das Dalai-Drama

"Sie machen sich verdächtig!" ist der Standardspruch der (*hüstel*)
"Ordnungshüter" und des noch jungen und ständig unterschätzten
Meisterdetektiv Marcel Hollerbusch.
In Marcels Welt geht es nur um ein paar Dinge: Nicht vor 13 Uhr aufstehen,
immer ein Bier parat zu haben und der Mutter einen Joint wegzuschnorren.
Achja, wichtig ist auch noch bei der Polizei zu sein und schwierige Fälle zu
lösen, für die die Polizei zu betrunken ist.
Schnell wird der Eindruck erweckt, dass Marcel Drogen nimmt. Stimmt schon,
doch zum Glück (oder Unglück?) nur soviele, wie seine Mutter ihm erlaubt.
Um schneller Täter aufzuspüren und Verbrecher den Gar aus zu machen wurden
natürlich auch Regeln erfunden, die man auch im noch so großen Rausch nicht
vergessen kann:
"Jeder kann sich verdächtig machen außer ein Polizist". "Nur der Verbrecher
kehrt zum Tatort zurück" und den Begriff Tatort ist je nach Gemütslaune mal
die ganze Stadt oder nur ein Viertel.
Ganz entscheidend ist natürlich auch, dass "nur der wahre Täter die Tat
leugnen würde". So findet man einfach jeden Gauner!
Man möchte denken, dass die Stadt von stets besoffenen Polizisten regiert
wird.
Das ist aber nicht so, da wir ja uns in Deutschland befinden. Deshalb muss
auch ein Bürgermeister gewählt werden.
Und darum geht es in diesem Hörspiel.
Max Birnbichler will unbedingt Oberbürgermeister von Amberg werden.
Wie er das schafft?
Er meint mit Kaviar, Champangier und dem Dalai-Lama.
Aber "der Max packt's" natürlich nicht, da es ja noch Marcel und sein Onkel
gibt, der Verhaftet wird, weil er Marcel besuchen will.
Alles klingt ziemlich abgedreht und verwirrend.
Wenn im Booklet nicht stehen würde, dass das Hörspiel nicht den Lebenstil
der Produzenten wiederspiegelt würde ich sagen dass die Geschichte im Suff
geschrieben wurde.
Immerhin entstand die Idee bei einer Party.

Skurril wäre eine Untertreibung für die Story - überwitzig auch. Sie ist
einmalig (bisher) und auch nicht zu vergleichen mit Jac Longdong.
Wer allerdings Jac Longdong mag wird diese Serie wohl auch mögen.
Man sollte einen blödsinnigen, verrückten Humor mitbringen. Oder während des
Hörens eine Kiste Bier leer trinken.
Am genialsten ist es das Hörspiel mit mehreren Leuten zu hören, wenn alle in
einer lustigen, überdrehten Laune sich befinden.
Dann kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus und ist froh, dass man eine
CD nicht umdrehen muss, bzw. nicht.
Für biedere und sehr ernste Typen ist das Hörspiel einfach grauenvoll und
nicht zu empfehlen.
Wer sich nicht einordnen kann, der sollte mal Hörproben hören und dann
entscheiden. Vielleicht helfen aber auch weitere Kritiken.

Die Sprecherleistungen - wenn man von Leistungen bei diesem Hörspiel
überhaupt sprechen darf - sind recht unterschiedlich.
Ich glaube zB nicht, dass Marcels Mutter noch ganz normal reden kann, wenn
sie zu betrunken ist, um an das Telephon zu gehen.
Es sei denn es soll ein Vorwand sein, es nicht selber tun zu müssen.
Stefanie Sähmann spricht Dolores Hollerbusch ansonsten gut. Ihre genervten
Szenen finde ich besonders witzig. Die hat sie auch nicht gerade selten, da
sie Silzianierin ist, und sie jenes bereits verdächtig macht.
Andreas Benesic spricht den Marcel mit einer merkwürdigen, aber gewollten
Aussprache, die das Hörspiel außergewöhnlicher macht, doch auch nerven kann.
Florian Fuchs als Marcels Onkel spricht ausgezeichnet, doch wenn man ihn
Lachen hört bekommt man eine Gäsehaut, so schrecklich ist die, so gekünzelt.
Ansonsten sind alle Laiensprecher mit viel Herzblut dabei und machen ihren
Job gut.
Den Vogel schießt Matthias Schöberl ab, der einen Politiker imitiert, als
wäre er einer. Einfach perfekt. Von der Sprecherleistung gehört er für mich
zu den Profis.

Mit einer Gitarre wird das Hörspiel stimmig begleitet, doch so richtig
verspürt man die Musik nicht. Mehr mit mehr Abwechslung wäre klasse.

Soundeffekte sind nicht viele enthalten, doch die drin sind wurden gekonnt
eingesetzt. Den Übergang zum Nachrichtensprecher am Ende fand ich besonders
gut.


Fazit:

Ein Hörspiel alle in den Rausch zu ziehen, ewig zu lachen und in den
Wahnsinn zu treiben. - So oder so ähnlich sollte der Werbeslogan lauten.
Für alle Fans von abgedrehten Krimisatiren ein Hit und zum Einschlafen
bestens geeignet(positiv gemeint). Auch gut hörbar bei Krankheit.

Geschrieben irgendwann 2004.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nach einer Prüfung wird dein Kommentar sofort freigeschaltet!