Samstag, 12. November 2005

Interview mit Dominique Picard zur Hörspielserie "sensations, science & stories"

Dominique Picard ist die Autorin der Serien "Crime Time" und "sensations, science & stories" von Hörspiele Welt.

Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Dominique Picard ist ein Pseudonym. Pseudonyme wählt man aus bestimmten Gründen. Diese sind vielfach und höchst unterschiedlicher Natur, aber alle haben natürlich damit zu tun, nicht die eigene, reale Identität in den Vordergrund zu stellen. Darum bitte ich um Verständnis, dass ich dieses "Geheimnis" (das übrigens nur sehr wenige kennen) nicht an dieser Stelle lüfte. Und bitte ersparen Sie mir, mir jetzt selbst einen Picard´schen Lebenslauf zu erfinden.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Olaf Seider?
Wir kennen uns schon viele Jahre, lange bevor die Hörspielproduktion bei Herrn Seider überhaupt anlief. Als es denn soweit war und er meine Leidenschaft für die Schriftstellerei selbstverständlich kannte, hat er mich einfach gefragt, ob ich mir auch vorstellen konnte Hörbücher zu schreiben. Natürlich konnte ich.

Woher holen Sie sich die Inspirationen für die Mordgeschichten?
Oh, ganz ehrlich, keine Ahnung. Ich sitze einfach vor meinem Computer und denke, ich sollte mal wieder einen Krimi schreiben. Plötzlich entsteht vor dem so genannten inneren Auge eine Szenerie, die brauche ich dann einfach nur zu beschreiben. Die Geschichte entwickelt sich von selbst. Ich bin, ehrlich gesagt, am Anfang auch immer sehr gespannt, wie es wohl ausgehen wird - und  am Schluss häufig überrascht.



Haben Sie schon in Ihrer Kindheit gerne geschrieben?
Ja, sehr gerne - und das ist jetzt ein kleiner Ausflug in meine reale Identität. Ich hatte allerdings als Kind nie die Fähigkeit, eine Geschichte  auch zu beenden. Das heißt, ich hatte Dutzende von Anfängen und Mittelteilen irgendwo rumliegen, aber ich wußte einfach nicht mehr wie es weitergehen sollte. Außerdem war meine Deutschlehrerin von meinen schriftstellerischen Fähigkeiten alles andere als überzeugt. Um ehrlich zu sein, sie riet mir, in meinem Leben maximal kurze Briefe zu verfassen, aber mich sonst bitte aus der großen Kunst des Schreibens herauszuhalten. Das motiviert nicht gerade. Irgendwann Anfang 20 habe ich es dann aber doch wieder gewagt zu schreiben. Und siehe da, ich konnte sogar einen Schluss schreiben.

Sind Sie Schriftstellerin von Beruf?
Was heißt Schriftstellerin. Dass ich vom Schreiben leben könnte? Ja und nein. Schreiben kann man auf vielfältige Art einsetzen, um damit Geld zu verdienen, das heißt aber nicht, dass ich ein (Hör-)Buch nach dem anderen veröffentliche, denn davon könnte ich nicht leben.

Warum ausgerechnet das Medium Hörbuch und kein echtes Buch?
Hörbuch ist spannend, weil es zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Situationen gehört ganz anderes aufgenommen wird. Man muss als Autor immer die  Gratwanderung begehen, nicht zu kompliziert zu schreiben, weil es der Rezipient ja zunächst nur einmal hört und es verstehen muss - nicht wie beim Buch, in dem er eine Zeile auch drei- oder viermal lesen kann. Auf der anderen Seite kann man mit Stimmen beim Vertonen spielen. Die klingen dann eben wirklich so, wie man es sich beim Schreiben vorgestellt hat (jedenfalls wenn man mit Herrn Seider zusammen arbeitet, Riesenlob an ihn). Die verschiedenen Leser eines Buches wiederum hören jeden Textteil anders, stellen sich die Figuren anders vor, als es der Autor vielleicht vorgesehen hat. Das ist beim Hörbuch ein bisschen anders. Und das ist natürlich auch eine Herausforderung, denn es heißt, mit meiner Vorstellung auch möglichst das Interesse des Publikums zu treffen.





Spezielle Fragen zu Sensations, Science & Stories:

Von Krimis zur Wissenschaft. Wie kam der Sprung zustande?
Naturwissenschaften interessieren mich sehr. Die Suche nach dem Erklärbaren. Und so kam auch Dr. Renz plötzlich in meinem Freundeskreis vor. Und er kann phantastisch Geschichten erzählen. Da lag die Idee nahe, es mit einem Hörbuch zu wissenschaftlichen Themen, die aber nett anhörbar sind und ein Aha-Erlebnis in petto halten, zu versuchen.

Wie lief die Zusammenarbeit ab? Hat Dr. Franz Renz Ihnen die „langweiligen" Fakten geliefert und die haben daraus Geschichten geformt?
Fakten sind nicht langweilig!!! Es kommt immer drauf an, wie sie einem nahegebracht werden. Nein, Dr. Renz erzählte mir die Geschichten, die er kannte, so wie man bei einem Kaffeestündchen plaudert. Das ist natürlich nicht druck- bzw. sprecherreif. Und außerdem habe ich ihm auch nicht jede Jahreszahl etc. aus dem Blauen heraus geglaubt. Also habe ich die Geschichten nachrecherchiert und dann in die entsprechende Form gebracht, so wie sie jetzt auf der CD zu hören sind. 



Gibt es einen großen Arbeitsunterschied zwischen den Serien “Crime Time“ und „Sensation, Science & Stories“?
Ja sicher. Bei „Crime Time“ arbeite ich alleine und schreibe meine ausgedachten Geschichten. Bei Sensations ist es immer eine Partnerarbeit mit Dr. Renz. Und da es natürlich wahre Geschichten sind, braucht die Nachrecherche einen ziemlichen Zeitaufwand. Erst wenn mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen einen bestimmten Sachverhalt bestätigen, kann ich ihn als wahr annehmen und in die Geschichte übernehmen. Das ist manchmal langwierig, kompliziert und auch frustrierend, wenn sich die zweite Quelle partout nicht finden lässt, aber die Geschichte doch so schön ist, dass ich sie unbedingt drin haben möchte. Der Tribut an die Wahrheitspflicht heißt dann: weitersuchen und zur Not doch rauslassen, so weh es auch tut. Bei „Crime Time“ fällt das natürlich weg, weil die Geschichten fiktiv sind und ich nur darauf achten muss, dass sie sich tatsächlich so abgespielt haben könnten. Aber so unterschiedlich die Arbeitsweisen auch sind - ich könnte nicht sagen, was mehr Spaß macht!

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