Donnerstag, 6. April 2006

Gruselkabinett Nr. 10 - Robert Louis Stevenson - Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Im Jahre 2004 brachte Maritim ebenfalls ein Hörspiel basierend auf der Geschichte von Robert Louis Stevenson heraus.
Es nannte sich „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ und ist in meinen Augen eine der besten Maritim Produktionen überhaupt, die sich keineswegs hinter den Produktionen von Titania Medien verstecken muss.
Ein erster grober Unterschied der beiden Hörspiele besteht in der Laufzeit. Die Maritim Produktion nimmt ca. 86 Minuten in Anspruch (2 CDs) wohingegen die Version von Titania mit 75 Minuten auskommt. Ein großer Vorteil der kürzeren Laufzeit ist der nicht anfallende CD-Wechsel.
Weitaus interessanter wird es bei der Geschichte: Hier unterscheiden sich die Enden beider Versionen gravierend. Wird in der Version von Titania alles durch einen Brief aufgeklärt sehen sich Jekyll/Hyde mit Utterson direkt in einem finalen Kampf gegenüber, der die Dramatik hebt, da Utterson erst begreifen muss, warum er gegen Jekyll kämpfen muss. Bitte meine Aussage mit „finalen Kampf“ nicht so verstehen, dass es sich um Action pur handelt und alles ins Lächerliche ziehen würde oder ähnliches.
Insgesamt besteht der Unterschied beider Umsetzungen in der Betonung auf die Action: Die Titania Produktion ist ruhiger, gemächlicher und meiner Meinung nach nicht richtig gruselig, sondern „nur“ wahnsinnig unterhaltsam und spannend. Maritim legt das Hauptaugenmerk auf die Action und lässt dem Hörer zum Verschnaufen immer zwischendurch längere Dialogszenen. Die Action ist aber nur auf das Nötige reduziert und verdeutlicht die Grausamkeit des Mr. Hyde, sie ist also nicht fehl am Platze und auch nicht einfach nur „der Action wegen“ eingebaut. Darüber hinaus empfinde ich die Maritim Produktion als deutlich dramatischer, was wahrscheinlich auch an der gruseligen Interpretation Udo Schenks von Mr. Hyde zu tun hat.

Titania hat mal wieder erstklassige Sprecher ins Studio gerufen, die alle eine tolle Leistung abliefern.
Ich frage mich, ob Utterson wirklich ein alter Mann sein soll, denn manchmal hört sich Claus Wilcke eben doch sehr alt an. Seine Rolle spricht er mit Bravour.
Auch Joachim Tennstedt leistet gute Arbeit, doch fiel es mir und wahrscheinlich auch ihm nicht leicht seine beiden Rollen immer auseinanderzuhalten. Die Rollen konnte Udo Schenk bei Maritims Produktion deutlich besser differenzieren und mir persönlich lief bei „seinem“ Hyde oft ein Schauer über den Rücken. Tennstedt schafft dies leider nicht. Ich denke aber dennoch dass beide sehr enragiert bei der Sache waren.

Sämtliche Geräusche und Musikstücke wurden äußerst passend eingesetzt und erzeugen eine fantastische Atmosphäre. Musik kommt recht selten vor, was dem Hörspiel allerdings keinen Abbruch tut, doch etwas mehr könnte es ruhig sein.

Das neue Design gefiel mir anfangs überhaupt nicht. Mittlerweile konnte ich mich damit allerdings anfreunden.
Dennoch bevorzuge ich das alte, welches so schön minimalistisch gehalten ist und schon im Vorfeld eine gruselige Atmosphäre bei mir schafft und stets meine Neugier weckt. Beim neuen Design ist alles detailverliebt und bunt. Die Bilder sind allesamt sehr schön und mit viel Liebe gestaltet worden, doch passen sie meines Ermessens nach nicht zum Aufbau der Serie bezogen auf das Hörspiel selbst, wo der Grusel sich langsam aufbaut und meistens eher psychologischen Ursprungs ist.


Fazit:
Die Produktion von Titania Medien enttäuscht keineswegs - eine Umsetzung eines Klassikers wie sie besser nicht sein kann. Doch die Maritim Produktion „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ ist genauso gut, setzt jedoch deutlich andere Akzente. Wer sich richtig gruseln will sollte zu Maritims Schwarze Serie 6, deren Geschichte leicht modernisiert wurde, greifen, wer's lieber etwas gemächlicher mag zum Gruselkabinett 10, der Klassiker-Version.


5/5

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