Sonntag, 29. April 2007

Gruselkabinett Nr. 15 - Der Freischütz

Titania Medien hat sich wiedermal einen klassischen romantischen Stoff ausgesucht: Die Erzählung "Die Jägerbraut". Sie diente Johann Friedrich Kind als Vorlage für die Oper "Der Freischütz" mit Musik von Carl Maria von Webers. Da diese Oper sehr bekannt ist hat sich Titania Medien wohl für dessen attraktiveren und bekannteren Titel entschieden.
Im Gegensatz zu der Oper hält sich Titania Medien strikter an die Buchvorlage und so ist das Ende kein Happy End - wie in dem Opernstück.

Wilhelm, ein junger Amtsschreiber, hat sich in die Tochter eines Försters verliebt. Dieser sucht nach einem Nachfolger für die Försterei und so lange Wilhelm keiner ist, hat er keine gemeinsame Zukunft mit der Tochter Käthchen. Da er eine Lehre als Förster abgebrochen hat, kann Wilhelm schnell gute Erfolge bei einer erneuten Ausbildung erzielen. Als er jedoch erfährt, dass er zur Übernahme der Försterei bei einem kurfürstlichen Probeschießen gewinnen muss, verliert er seine Treffsicherheit. Wilhelms Konkurrent um eine Hochzeit mit Käthchen berichtet ihm von so genannten Freikugeln. Diese werden mittels eines Pakts mit dem Teufel gegossen. Insgesamt entstehen auf diese Weise 63 Kugeln, von denen 60 zielsicher treffen, drei allerdings vom Teufel beliebig gelenkt werden. Ob Wilhelm sich auf einen Pakt mit dem Teufel einlässt?

Da die Erzählung zur Epoche der Romantik angehört wendet sie sich gegen das Aufklärerische. Dies führt zu einem Zwist in Wilhelm. Er ist der aufgeklärte Schreiberling, der in die Welt des Phantastischen und Wunderbaren gleitet. Er weiß nicht, was er von Freikugeln halten soll. Gibt es sowas überhaupt? Alles in der Försterei ist abenteuerlich und sinnlich, besonders wenn er mit Käthchen zusammen ist. Alleine erlebt er jedoch auch schauerliches im Wald.
Auf diese Weise spricht das Hörspiel Kritik an der Vernunft aus und wendet sich stark der Natur zu - typisch für die Romantik.

Dadurch, dass die Umsetzung so nah am Original bleibt und liebevoll umgesetzt wurde, ist es, als ob man das Buch selbst lesen würde. Es fällt schwer nicht vollständig in die Welt des Wilhelms überzugehen. Jeder Leidenszug von ihm, jede Unsicherheit und schaurige Begegnung lässt einen nicht los - man leidet richtig mit dem Protagonisten. Alle schrecklichen Vorzeichen, die in der angenehm freundlichen Atmosphäre der Försterfamilie auftreten sind wie ein Stich ins eigene Herz - man gruselt sich und entwickelt eigene schreckliche Visionen.

Dieses Hörspiel fängt gleich zu Beginn mit der Prognose eines schrecklichen Endes an: Wilhelm berichtet, wie sich alles zu seinem Übel kehrt. Dadurch wird allerdings keinesfalls die Spannung gemildert. Im Gegenteil: Durch diesen Kniff ist Wilhelm der Erzähler und der Hörer kann eine innigerere Bindung zum Protagonisten aufbauen.
Alles in allem sind Käthchen und ihre Eltern sowie Wilhelm so liebevoll gestaltete Charaktere, dass man sie gleich ins Herz schließt. Umso dramatischer wirkt auf einen das scheußliche Ende.

Mittels der einfühlsamen Sprecher werden die Figuren zu echten Menschen - es bleiben keine Zweifel, dass es solche Menschen wirklich gegeben haben muss.
Marius Clarén spielt Wilhelm wunderbar zerrissen, verzweifelt und ebenso überglücklich. Käthchen wird von Luise Helm (Scarlett Johansson) unschuldig-niedlich dargestellt. Jochen Schröder ist der urige, freundliche Förstervater und Dagmar von Kurmin die besorgte Mutter. Jürgen Thormann versucht Wilhelm als Stelzfuß zu verführen und brilliert als herrlich unheimlicher und kurioser Charakter. Zu guter Letzt möchte ich noch Tobias Kluckert erwähnen: Als Jägersbursche Rudolf ist er immer wieder damit Beschäftigt lästige Kommentare abzugeben, die immer wieder zu schräge Konversationen führen.

Neben den Sprechern und der Geschichte sind auch die Geräusche und Musikeinlagen für die gruselige und spannende Atmosphäre zuständig.
Wobei ich nach dem ersten Hören des Hörspiel mich kaum noch an die einzelnen Geräusche und Musikeinlagen erinnern kann. Zu schwer wiegt die Erzählung in meinem Kopf, zu sehr verschmelzen die einzelnen Komponenten des Hörspiels und enden in einer perfekten Symbiose.
Die Sounduntermalung ist schlichtweg genial: Sie ist dezent, wenn es angebracht ist und stärker vertreten, wenn sich dramatisches ergibt. Dabei wurde auf Stilechtheit besonderen Wert gelegt. Alles wirkt total realistisch und mit der Musik im Hintergrund wird alles zu einem perfekten Film.

Fazit:
Ein weiteres Highlight in der Gruselkabinett-Serie. Diese tiefromantische Erzählung reißt den Hörer mit ins 19. Jahrhundert und in die unwirklichen, unheimlichen Wälder der Vergangenheit. Hörtipp!

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