Montag, 24. März 2008

Gruselkabinett Nr. 20 - Alexandre Dumas – Der Werwolf

Alexandre Dumas père lebte von 1802 bis 1870 und verfasste in Zusammenarbeit mit weiteren Autoren so bekannte Geschichten wie "Die drei Musketiere" (1844) und "Der Graf von Monte-Christo" (1846).
Die dem Hörspiel "Der Werwolf" zugrunde liegende Geschichte "Le meneur de loups", was so viel wie "Der Führer der Wölfe" heißt, spielt in Frankreich im Jahre 1779. Der Holzschuhmacher Thibaut rettet einem ungewöhnlich großem Wolf das Leben: Er versteckt ihn bei sich vor den Jägern des Baron Jean de Vez. Der Wolf verwandelt sich zu einem Menschen und lockt den jungen Thibaut mit einem Angebot, das dieser nicht ausschlägt: Er kann sich alles wünschen, beim ersten Wunsch würde ihm jedoch ein zusätzliches Haar wachsen, beim zweiten zwei und beim dritten vier. Mit jedem zusätzlichen Wunsch verdoppelt sich die Anzahl der neuen hinzuwachsenden Haare.

Was bezweckt Werwolf mit diesen Nebenwirkungen und was wird sich der Holzschuhmacher wünschen?
Der Hörer weiß zwar schnell worauf alles hinauslaufen wird, doch die Spannung wird durch die Entscheidungen des Protagonisten sowie der grandiosen Atmosphäre im Hörspiel, hervorgerufen durch großartigen Sprecher, hervorrangenden Geräuschen und Musikeinlagen, konstant hoch gehalten. Wie üblich wurde die Geschichte liebevoll aufbereitet, sodass der Hörer mit den einzelnen Figuren mitfiebert und -leidet. Man fragt sich warum Thibaut so handelt, warum er seine Augen der Wahrheit gegenüber verschließt. Kann er sich noch retten, wird er noch errettet? Oder stürzt er seine ganze Umgebung in den Tod?
Diese Geschichte verzichtet auf typische Schwarz/Weiß Malerei und zeigt den Protagonisten in seinem Zwiespalt, seinen Absichten und was er aus seinen Wünschen macht.
Das Schicksal von Thibaut ist nicht, wie am Anfang angenommen so starr festgelegt und wird erst zum Schluss glasklar.

Wie gewohnt ist die Musik und die Soundkulisse von einer extrem hohen Qualität. Sie begleiten das Hörspiel durchgehend und schaffen eine aufregende Atmosphäre.
Genauso gut sind die Sprecher. Besonders beeindruckt hat mich Thomas Nero Wolff, der Thibaut so facettenreich und leidend spricht, dass es einen nur so mitreißt. Lutz Riedel als den Werwolf ist ebenfalls ein Hit. So sprach er bereits den unheimlichen Dracula in der Vertonung des Deutschen Grammophons. Da hier der Werwolf der Böse ist besteht eine wunderbare Parallele. Beide Rollen wurden von Riedel hervorragend interpretiert.
Im Vergleich zu Titanias Dracula-Version sind hier sämtliche Frauenstimmen eine Wonne und perfekt besetzt.


Dass Titania Medien einmal einen Stoff schlecht umsetzt scheint mir mittlerweile so unmöglich wie der Schnittpunkt zweier paralleler Geraden. Hut ab, vor dieser erneuten Meisterleistung die es wiedermal versteht den Hörer mitzureißen und mich bis zur Verzweiflung brachte - ein Hörspiel, das nicht zum Einschlafen geeignet ist!

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