Montag, 24. März 2008

Gruselkabinett Nr. 21 - Per McGraup – Der Hexenfluch

Das Hörspiel "Der Hexenfluch" nach einer Erzählung von Per McGraup (geb. 1947) ist eine überraschend moderne Geschichte. Ihr Prolog - in Form eines Radiohörspiels - spielt im Jahre 1662, die eigentliche Geschichte jedoch 300 Jahre später in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Das Hörspiel fängt sehr spannend an: 1662 wird eine junge attraktive Frau der Hexerei beschuldigt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Bevor sie jedoch zu Tode kommt verflucht sie den Junker Harper und seine Nachfahren. Jedes Jahr an Halloween soll ihr Geist in Totes oder Lebendiges fahren und so die Harperfamilie ausrotten.
Der Prolog erinnerte mich ein wenig an alte Gruselhörspiele von Europa. Mir fiel auf, dass die neugierigen Bürger bei der Hinrichtung aufgewühlt sind, aber wie durch ein Wunder überraschend schnell schweigen und kaum ein Wort oder Geräusch von sich geben. Auch wird die Meute nicht von vielen Sprechern gesprochen. Genau so, wie man es von EUROPA-Produktionen durchaus gewohnt ist.
Während des Prologes waren mir ein zwei Sätze der "Hexe", gesprochen von Cathlen Gawlich, nicht überzeugend genug gesprochen. Auch die Frau des Junker Harpers, gesprochen von Marianne Groß, sprach den Satz, in dem sie Ihren Gatten inständig bat, nicht das Haus zu verlassen, für meinen Geschmack nicht überzeugend genug - es fehlte mir ein wenig die Eindringlichkeit und vor allem ihre Furcht vor dem Hexenfluch in der Stimme. Dies sind nur zwei kleine Kritikpunkte, die mir bei normalen Hörspielen gar nicht auffallen würden, doch bei den Top-Produktionen von Titania Medien fallen mir kleine Details verstärkt auf, da ansonsten die Sprachleistungen durch die Bank weg fantastisch sind.
Besonders positiv ist mir Uli Krohm als Junker Harker in Track 2, nach der Hexenverbrennung, aufgefallen. Dort klang er ähnlich wie Joachim Höppner: Wunderschön. Auch der Chronist (Klaus-Dieter Klebsch) ist exzellent gewählt worden.
Unangenehm aufgefallen ist mir die Überleitung vom Prolog zur Radioshow. Die Übergangsmusik erschien für meinen Geschmack zu unvorbereitet und plötzlich - jedenfalls, wenn man sich des Nachts voll auf das Hörspiel konzentriert. Die Melodie wusste mir überhaupt nicht zu gefallen, daher sicherlich meine Abneigung zur Überleitung beziehungsweise Radiomusik.

Nun befinden wir und nach dem Prolog:
Im Jahr 1962, kurz vor Halloween, geben die letzten Nachfahren des Junker Harpers, ein älteres Geschwisterpaar, ein Interview im lokalen Radiosender, der zuvor den Prolog als Hörspiel voranschickte. Das Geschwisterpaar zankt sich durch das gesamte Hörspiel auf eine sehr amüsante Weise: Die eine ist die ängstliche, die andere die abschwächende Realistin. So kommt es zu vielen sehr unterhaltsamen Szenen.

Das besondere an dem Hörspiel ist, dass es neben der Gruselgeschichte ebenfalls eine Mordgeschichte beinhaltet - ähnlich der "Crime Time"-Serie von Hörspiele Welt: Kurz knackig und unheimlich böse - sie lässt einen in die Tiefe der Seele blicken. Und auch das Ende des Hörspiels wäre klassisch für die "Crime Time"-Serie: superbitter und überraschend böse. - Allerdings gäbe es in besagter Serie keinen echten Spuk.

Bleibt noch zu sagen, dass die Musik - bis auf die Radioüberleitungsmusik - durchgängig angenehm zu hören ist und die Atmosphäre grundsätzlich verbessert. Diese wird perfektioniert durch die tolle Geräuschkulisse und dem Sprecherpaar der letzten Harpers Marianne Wischmann und Edith Schneider. Es macht einfach nur Spaß den beiden zuzuhören. Aber auch Melanie Hinze als kleines Mädchen und Daniel Werner sowie Friedel Morgenstern als ihre Eltern hinterlassen einen großartigen Eindruck. Insbesondere die beiden zuletzt genannten schaffen mit ihrer Fröhlichkeit und Unbeschwertheit eine grandiose Stimmung. Da hoffe ich inständig in vielen weiteren Hörspielen - besonders gern in fröhlichen mit Festen – diese wiedereinmal zu hören.


Ein eher moderner Stoff, der in den Jahren 1662 und 1962 spielt, dabei viele amüsante Stellen sowie eine knackige Mordgeschichte beinhaltet und mit einem bitterbösen Ende aufwartet. Das Hörspiel vermag es den Hörer stetig stärker zu fesseln, da die Spannung im Verlauf des Hörspiels immer weiter ansteigt. Glücklicherweise gibt es aber immer wieder Stellen zum Verschnaufen und Schmunzeln, ehe die Geschichte ihrem dramatischem Ende entgegeneilt.
Äußerst empfehlenswert!

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