Mittwoch, 2. Juli 2008

Gruselkabinett Nr. 22 - Heinrich Heine - Der fliegende Holländer

Dieses Hörspiel von Titania Medien basiert auf der Sage vom Fliegenden Holländer, wobei den Angaben nach zu urteilen wohl überwiegend Aufzeichnungen von Heinrich Heine als Vorlage verwendet wurden und eine weitere Quelle.
Die Legende spricht von einem Kapitän, der bis zum jüngsten Tag mit seinem Schiff über die Weltmeere schippern muss. Diese Grundidee wurde über die Jahrhunderte (zumindest innerhalb eines) stetig verändert und ergänzt. Die meisten Neuerungen haben auch Einzug in dieses Hörspiel gefunden: Der Kapitän wegen seiner Gotteslästerung bestraft. Der Fluch kann aufgehoben werden, dazu muss er jedoch jemanden finden, der ihn wahrlich liebt und treu bleibt.
Titania Medien lässt manches im Dunkeln. Zum Beispiel wird nicht klar, warum die Frauen sterben, die den Kapitän nicht treu bleiben. Laut Wikipedia ist hierfür der Kapitän verantwortlich, im Hörspiel scheint es eher eine höhere Macht zu sein, auch wenn genaueres nie genannt wird. Ebenfalls ungeklärt bleibt der Grund für das rote Leuchten, welches auf dem Geisterschiff zu sehen ist.

Die Geschichte wurde spannend inszeniert. Sie "spielt" mit dem Seemannsgarn rund um den Fliegenden Holländer und die berühmte gleichnamige Oper. Anstelle einer geradlinigen Erzählung wurden mehrere Geschichten geschickt zu einer verwoben:

Das erste Kapitel "Entscheidung am Kap" erzählt eindrucksvoll, wie der Fliegende Holländer zu einem Geisterschiff wurde. Nachfolgend beginnt die Rahmenhandlung:
John Neale Dalton, der Tutor des ältesten Sohnes des Kronprinzen von Großbritannien, wird von seinem Schützling zu der Oper "Der Fliegende Holländer" von Richard Wagner eingeladen. Dieser Opernbesuch ist der Ausgangspunkt der Hörspielgeschichte. Dem Hörer berichtet John Neale Dalton fortan, was er erlebte, als er drei Jahre mit seinen als Seekadett dienenden Schüler auf den Weltmeeren gesegelt ist.

Auf hoher See sichtet ein Teil der Besatzung ein Geisterschiff, welches sie als den Fliegenden Holländer erkennen.
Diese Begegnung lasst den Tutor auf Wunsch des Prinzen Albert Victor einige Überlieferungen über den Fliegenden Holländer schildern. Darunter befindet sich eine romantische Geschichte, die in Form eines Hörspiels dargestellt wird. Innerhalb dieser Geschichte wird erzählt, was teilweise im ersten Kapitel (Track eins) bereits erlebt wurde, jedoch bedeutend ausführlicher dank der Unterstützung eines allwissenden bewertenden Erzählers.

Da eine Überlieferung besagt, dass denjenigen, die das Geisterschiff gesehen haben, Unheil droht, endet das Hörspiel nicht mit der Opernvorstellung und dem Schluss der Erzählung Vergangenes. Es endet mit dem letzten Kapitel "Böses Vorzeichen"...


Titania Medien liefert eine sehr gute Inszenierung, die für meinen Geschmack jedoch zwei kleine Mängel aufweist:
In Kapitel drei, "Das Geisterschiff", ist mir die musikalische Untermalung zu pompös geraten, sodass für mein Empfinden die unheimlichen, bedrohlichen Stellen viel zu heiter daher kommen.
Bis auf diese Ausnahme sind die weiteren Musikeinsätze gelungen.

Passend zur Geschichte wurden ausgezeichnete Stimmen für die einzelne Rollen ausgesucht:
Roland Hemmo als Kaufmann, der strikt jede Warnung ablehnt und munter der Katastrophe entgegen eilt;
Die Tochert des Kaufmanns, gesprochen von Dascha Lehmann, die stets so sehnsüchtig klingt;
Die Mutter des Kaufmanns, von Barbara Adolph gesprochen, stehts mahnend vor der Gefahr;
Und nicht zuletzt der Holländer, dem David Nathan seine Stimme leiht, der mal vor Wut bebend, mal traurig oder mal eiskalt spricht.
Auch Simon Jäger und Nicolas Artajo als Prinz sowie Wolfgang Condrus als sein Tutor leisten hervorragende Arbeit.
Einziger Kritikpunkt ist ein Satz von Dascha Lehmann in Kapitel acht: Dort möchte sie ein Bild vor der Verbrennung retten, doch spricht sie dies für meinen Geschmack nicht energisch genug aus. Da könnte die ansonsten stets passende eher sehnsüchtig-passive Sprechweise ruhig kurz aufbrechen, damit der imaginäre Wert des Ölbildes steigt.


Insgesamt lässt sich sagen, dass Titania Medien eine sehr schöne Adaption der Sage des Fliegenden Holländers gelungen ist, die ab dem vierten Kapitel richtig zu fesseln versteht.

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