Mittwoch, 2. Juli 2008

Gruselkabinett Nr. 23 - Johann August Apel - Die Bilder der Ahnen

In medias res - endlich einmal!
Als Fan dieser Art des Einstiegs (erst ein wenig Handlung, dann folgen die ersten notwendigen Erläuterungen) vermag mich dieses Hörspiel - was für romantische Geschichten nicht zwangsweise üblich ist - von der ersten Sekunde an zu fesseln.
Das Hörspiel ist ein erzähltechnisches Meisterwerk. So wird die Geschichte nicht allzu geradlinig erzählt, sondern in mehreren Teilen, sodass dem Geschehen aufgeregt und neugierig gelauscht werden kann. Es gibt während des ganzen Hörspiels keine Längen und ebenfalls keine Gelegenheit abzuschweifen.
Doch nicht nur die Erzählweise macht die Geschichte spannend; sie selbst weckt die Neugier:

Graf Ferdinand von Panner kehrt von seiner Europareise zurück, da sein Vater und seine Schwester verstorben sind. Bald darauf befindet er sich auf dem Weg zum Schloss von Klothilde von Hainthal, mit der sein Vater ihn gerne vermählt gesehen hätte. Unterwegs rastet er im Haus eines Pfarrers, wo sich eine vergnügte Runde Geistergeschichten erzählt. Darunter befindet sich eine, die schildert, wie Ferdinands Schwester durch ein unheimliches Ahnengemälde umkam. Da er versprochen hatte ebenfalls eine Geschichte zum Besten zu geben, berichtet er von seinem Erlebnis auf dem Schloss seines besten Freundes, bei dem ebenfalls ein unheimliches Bild eines Vorfahren eine Rolle spielt.
Was verbindet die beiden Ereignisse? Was hat sich während Ferdinands Reise durch Europa unheilvolles mit der Familie seines besten Freundes zugetragen? Wie sieht die Verknüpfung zwischen seiner Familie und der seines besten Freundes aus?
All diese Fragen (und weitere) lassen einen über die Familienchroniken der einzelnen Sippen grübeln und die stetig hinzukommenden neuen Erkenntnisse aus Rückblicken und Aufzeichnungen der Vergangenheit auf deren Auswirkungen untersuchen.

Für diese nahezu perfekte Unterhaltung sind zweifelsohne neben der Geschichte die stets passende Musikeinlagen und die liebevolle Geräuschkulisse verantwortlich.
Nicht zu vergessen die grandiosen Sprecher die mitgewirkt haben: Dennis Schmidt-Foß, die großartige Marianne Groß, Klaus-Dieter Klebsch, Daniel Werner, Melanie Hinze, Lutz Riedel, Viola Sauer, Cathlen Gawlich, Wilfried Herbst als Pfarrer, Dagmar Biener, Bert Stevens, Heinz, Ostermann, Jochen Schröder, Anja Stadlober, Monica Bielenstein sowie Albert Werner und Aljosha Fritzsche als die jünsten Geschwister von Ferdinands bestem Freund. Diese beiden zuletzt genannten Sprecher sind die einzigen denen ein Hauch von Kritik entgegengebracht werden könnte, da ihre Leistungen nicht durchgängig auf dem Niveau der anderen Sprechergrößen waren.

Zum Schluss noch ein großen Lob für dieses Hörspiel an:
- den Urheber der Geschichte,
- Marc Gruppe für die perfekte Adaption in Form eines Hörspielscriptes,
- der Regie und den Sprechern für die äußerst gelungenen Sprachelemente sowie der atmosphärischen Soundkulisse.


Genau so muss ein romantisches Hörspiel sein: tragisch, romantisch und mit einen befriedigendem Abschluss für die Verbliebenden und den Hörer.

Für mich ist dies das beste Titania Hörspiel 2007 und verdrängt damit sogar Dracula von seinem ersten Platz. Ich bin gespannt ob es zukünftig weitere Titania Medien-Vertonungen von Johann August Apels Werken geben wird, nachdem bisher bereits zwei vertont wurden.

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