Mittwoch, 2. Juli 2008

Gruselkabinett Nr. 26 - Théophile Gautier - Die liebende Tote

Der junge Romuald verliebt sich während der Zeremonie zur Priesterweihe in eine attraktive Persönlichkeit, deren Stimme, die er zu vernehmen meint, ihn von seinem Vorhaben abzubringen sucht. Als er sich Gott verspricht bereut er dies sogleich und ist geschockt von die Reaktion seiner Angebeteten.

Ein Jahr später, als Pfarrer in einem kleinen Ort, wird er zu einer Sterbenden gerufen, um ihr die letzte Ölung zu spenden. Als er eintrifft ist diese jedoch bereits verstorben und so übernimmt er die Nachtwache. Dabei bemerkt er, dass die Verstorbene seine Liebe in persona ist und erweckt sie versehentlich zu neuem Leben.

Diese Geschichte verspricht die erotische Seite des weiblichen Vampirs aufzuzeigen. So bedeutend diese Geschichte in der Chronik der Vampirgeschichten sein mag, hinkt sie dennoch gewaltig solchen Meisterwerken wie Carmilla der Vampir hinterher. Auch erreicht sie nicht dramatische Verbundenheit von Sterblichem und Vampir aufzuzeigen wie in Die Familie des Vampirs.
Zu keiner Zeit scheint die Vampirin, vom jungen Priester Romuald zu neuem Leben erweckt, für ihn eine Gefahr zu sein. Vielmehr zeigt sich eine gefühlvolle Untote, die ihre tödliche Gier ihres Geliebten wegen betrauert. Durch diese Tatsache baut sich kaum Spannung auf. Das Opfer kann sich selbst nicht helfen, zumindest kommt es nicht dazu, da dessen Beichtvater, Abbé Serapion, ihn nach all seinen Warnungen schlussendlich endgültig aufklärt, indem er das Grab der seit Jahrhunderten verstorbenen Vampirin offenbart.
Den Schluss bildet ein furchtbar unspektakuläres Finale, bei dem der Vampir mit bekannten Mitteln vernichtet wird.

Zu Gute halten kann man der Geschichte lediglich die angenehme Erzählart, bei der Romuald im hohen Alter seine Geschichte als Warnung vor den Versuchungen des Teufels einem jungen Mönch erzählt.

Bei der Coverillustration wurde die Schlüsselszene zum Motiv gewählt und der Priester Romuald dargestellt, wie sich das Klischee einen Mönch oder Priester vorstellt. Wobei ich mich angesichts des Alters des Mannes frage, ob er sich tatsächlich den Schädel immer entsprechend rasierte oder er an einem genetischem Defekt oder schneller Alterung litt.

Titania Medien präsentiert auch bei diesem Hörspiel ein großes Geschick bei der Wahl der Sprecher zu den einzelnen Rollen. Ein Highlight ist sicherlich Sabine Arnhold als verführerische Vampirin und Julien Haggège als junger Romuald. Kasper Eichel als kratziger alter Romuald passt ebenfalls sehr gut, doch hätte ich mir als Erzähler lieber eine weniger kratzige Stimme gewünscht.
Ein "Hörfang" bildet Thorsten Michaelis, der einen Diener der Vampirin spricht. Dabei tritt er als Pendant zum jungen Romuald auf: kräftige, zielbewusste und selbstsichere Auftritte, die zugleich ein gewisses Unwohlsein, eine unterschwellige Gefahr, beim Hörer zu erwecken scheinen.

Wie zu erwarten passt die Musik- und Soundkulisse hervorragend. Sie schaffen wiedereinmal eine Atmosphäre, die zwar die Geschichte nicht retten kann, somit jedoch absolut keinen Grund geben das Hörspiel vorzeitig Abzubrechen.

Titania Medien geht konsequent den Weg weiter mehr oder weniger bekannte klassische Stoffe zu adaptieren. Dabei entsteht ein umfassendes Bild der literaturgeschichtlichen Entwicklung von Figuren wie dem des Vampirs. Leider weisen dabei einige frühe Werke wie dieses für die heutige Zeit weniger dramatische Augenblicke auf als zum Beispiel der einige Jahrzehnte später von Bram Stroker verfasste Roman Dracula.


Der Sammler freut sich somit über ein umfassendes Bild, der Gelegenheitshörer hingegen sollte lieber zu anderen Folgen aus der Gruselkabinett-Serie greifen.

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