Dienstag, 3. November 2009

Gruselkabinett Nr. 36/37 - Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde ist ein weiterer Klassiker in der Gruselkabinettreihe, der weniger dem modernen klassischen Grusel entstammt. Untote oder andere typische Gruselgestalten gibt es nicht – der Mensch wird jedoch zum Ungeheuer. Durch sein Verhalten, nicht optisch.
Wie dem Klappentext des ersten Teils entnommen werden kann, wünscht sich der Protagonist selbst niemals zu altern. Der Wunsch wird erfüllt. Anstatt seiner altert Dorians Gemälde, welches zum Spiegelbild seiner Seele wird – statt seines eigenen Körpers.
Verführt durch seinen Freund Henry Wotton, gibt sich Dorian sämtlichen Gelüsten hin, zieht viele Menschen in seinen Bann. Fast alle Zerbrechen an dieser Bekanntschaft.
Das Hörspiel ist auf Dorian fokussiert, sodass all die gescheiterten Existenzen nur nebenbei in Erscheinung treten. Insgesamt gibt es nur wenige Szenen, bei denen Dorian nicht mit von der Partie ist. Diese Szenen erleichtern dem Hörer den Zugang zu der Geschichte und liefern Erklärungen, die Dorian alleine nicht geben kann.
Das grandiose Hörspiel ist, wie gewohnt, nah am Original. Es zeigt gekonnt die Wandlung des Dorian und lässt keine Langeweile oder Längen entstehen.
Während der erste Teil überwiegend das Davor schildert und wie Dorian allmählich verführt wird, gibt sich der zweite Teil ganz den Auswirkungen von Dorians Gelüsten hin.
David Turba synchronisiert im Kino den Shooting-Star Shia LaBeouf. Dort bewies er bereits sein Können. Diese Produktion zeigt sein Können extremer als es im Kino bisher möglich war: Denn kein synchronisierter Charakter ging eine solche Wandlung durch. Besonders für die Fertigkeit von David Turba und Titania Medien spricht Track 9, „Kuss des Todes“, des zweiten Teils. Dort ist innerhalb einer Szene eine deutliche Charakterwandlung des Protagonisten zu hören. Dieser Bruch wird eindrucksstark durch eine gute Musikstückwahl sowie einer ausgezeichnet eingesetzten Pause verstärkt. Diese Kunstfertigkeit fiel mir in diesem Maße bisher ausschließlich bei Hörspielen von Volker Sassenberg auf. Hiermit beweist Titania Medien einmal mehr, dass sie stets Stilmittel im richtigen Maß an der passenden Stelle einzusetzen wissen.

Fazit:

Dieses Hörspiel ist ein Muss für jeden Liebhaber ausgezeichneter Unterhaltung, die unaufdringlich eine eindringliche Moral vermittelt. Dies mag zunächst wie ein Widerspruch klingen, doch wer das Hörspiel gehört hat, weiß sicherlich, was ich meine. Wer wahrlichen Grusel sucht, sollte zu einer anderen Folge des Gruselkabinetts greifen. Diese Geschichte handelt vielmehr von den Abgründen des Menschen, der sich ohne sichtbare Konsequenzen alles erlauben kann.
Durch die Bank weg ausgezeichnete Sprecher, gut gewählte Musikstücke und stets passende Effekte lassen das Hörspiel zu einem unvergesslichen Genuss werden.

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