Samstag, 29. Mai 2010

Gruselkabinett Nr. 42 - Der Sandmann

„Der Sandmann“ ist wahrlich oft vertont worden. Dementsprechend war ich überrascht, wie frisch Titania Mediens Produktion daherkommt. Dies liegt zum einen an der tollen Erzählart. Gleich zu Beginn wird der Hörer so schnell ins Geschehen geworfen, wie bei keiner anderen Vertonung die ich zuvor hörte.
Übrigens: Der Erzähler ist auch eine Rolle und er spricht den Hörer direkt an. Die Briefe hat Lothar dem Erzähler überlassen und werden von ihren Verfassern vorgetragen und gehen fließend ins Hörspiel über.

Hasso Zorn ist (wie gewohnt) ein toller Erzähler. Doch anfangs berichtet Nathanael, gesprochen von Marius Clarén, von dem tragischem Tod seines Vaters und übernimmt daher lange (und sehr überzeugend) den Part des Erzählers. Besonders gut hat mir Claréns Darstellung des betrunkenen Nathanaels gefallen.
Tanya Kahana hat eine wunderbare Stimme und spricht die Clara. Ihr Vortrag des Briefes an Nathanael ist sehr lebendig. Wesentlich lebendiger als Clarén seine Briefe bisweilen vorliest.
Olimpia's „Ach!“, ausgerufen von Polonca Olszak, klingt völlig anders als ich es mir vorgestellt habe. Positiv fällt die stets andere Betonung auf.
Sigmund und Lothar werden hervorragend von den tollen Stimmen Marcel Collé und Robin Kahnmeyer gesprochen.

Die Geräusch- und Musikkulisse ist einmal mehr bestens gelungen. Besonders beeindruckt hat mich die akustische Umsetzung Nathanaels freien Falls.

Fazit
Die Übergänge zwischen Briefvorträgen und Hörspiel sind fließend. Diese Umsetzung ist nah am Original und unglaublich lebendig und erquickend. Viele junge frische Stimmen sorgen dafür, dass bereits gehörte Umsetzungen von „Der Sandmann“ keineswegs störend wirken. Eine weitere großartige Umsetzung des Stoffes.

Maritims Umsetzung von 2004 u.a. mit Udo Schenk fand ich mit 15 sehr unheimlich. Rückblickend ist Maritims Umsetzung wesentlich plakativer mit der schwarz-weiß Malerei. Die Produktion von Titania Medien weist hingegen viele Nuancen auf, wirkt lebendiger und realistischer. Einziger Nachteil ist der plakative Horror, der fehlt. Hier wird also „nur“ gegruselt.

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