Samstag, 29. Mai 2010

TKKG: Hai-Alarm im Aquapark (Exklusiv bei Tchibo)

„Hai-Alarm im Aquapark“ erschien 2010 erstmals in der TKKG-Doppel-Box von Tchibo zusammen mit Folge 159 (online bestellbar seit Ende Mai, im Shop ab 2. Juni 2010). Der Titel und die Beschreibung erinnerten mich zunächst an das TKKG-Computerspiel „Alarm in der Geisterbahn“ von Tivola. Beide Titel spielen in einem Freizeitpark. Im Computerspiel ist der Freizeitpark jedoch Ausgangspunkt einer Raubkopiererbande und im Hörspiel der Fluchtort einer Verbrecherbande, die einen Juwelier ausgeraubt haben.

Drehbuchautor André Minninger schafft es erstmals vollends überzeugend einen TKKG-Fall in der aktuellen Zeit darzustellen – ohne die TKKG-Bande anders als unter Rolf Kalmuczak (Stefan Wolf) wirken zu lassen. Eine moderne Kulisse wie der Aquapark dient TKKG als Schauplatz, auf dem sie eine Diebesbeute und eine flüchtige Verbrecherin suchen. Es gibt viele Bezüge zur heutigen Zeit und keine erfundenen Namen mehr, wie bei Kalmuczak. So wird direkt vom neuesten James Bond Film gesprochen, der im Kino anläuft.
Minninger bezieht sich stark auf die typischen TKKG-Eigenschaften zurück, die er meiner Meinung nach bei einigen seiner TKKG-Hörspiele sträflich vernachlässigt hatte. Typisch für Tim ist es beispielsweise Personen zur Schnecke zu machen, sofern sie sich mit Lügen Vorteile verschaffen. So gibt es eine Frau, die sich in den Aquapark drängelt, indem sie behauptet, ihre Tochter brauche dringend eine Medizin, die sie vergessen habe. Da geigt Tim ihr ordentlich die Meinung, als sich dies als Lüge entpuppt.
Ebenfalls hat mir die Erwähnung von Tims morgendlichen Laufrunden sehr gut gefallen. Er hält sich also doch noch fit und entwickelt sich nicht zur Lusche. Genauso positiv nehme ich die fehlenden Aggressionen Tim gegenüber mutmaßlichen Verbrechern auf. Er ist nicht mehr der Brutalo, den er einst verkörperte.
Ganz ohne Gewalt geht es bei diesem Hörspiel nicht zu. Gangster fahren mit ihrem Auto in ein Juweliergeschäft, schießen mit der Maschinenpistole und das Panzerglas eines Unterwassertunnels zerbricht. Alles höchst dramatisch. Die Präsentation erfolgt jedoch derart, dass auch die jüngsten Zuhörer nicht in Panik ausbrechen. Es wirkt viel gemäßigter als gefährliche Situationen, die Rolf Kalmuczak die TKKG-Bande bereits durchleiden lies.
Viele Fans kritisierten in der Vergangenheit Gangsterdialoge. Diese gab es lange nicht mehr zu hören oder nur in Maßen. So auch hier. Der einzige Gangsterdialog befindet sich auf Track eins und der dauert weniger als drei Minuten. Das ist für mich voll akzeptabel und erinnert an die schöne alte Zeit, als Gangsterdialoge von Stefan Wolf noch zu den witzigsten Elementen eines Hörspiels gehörten und nicht 50% der Handlung einnahmen. In dem Gangsterdialog bringt Minninger einen typischen wolfschen Gag: Einer der Gangster verbessert pausenlos das schlechte Deutsch seines Komplizen.
In dieser Folge wird wiedermal das Stilmittel der Rückblende verwendet. Ein toller Zug - besonders für die jungen Hörer oder die unaufmerksamen.

Tim, Karl und Klößchen werden souverän von ihren Stammsprechern gespielt. Besonders Klößchen klingt nicht so alt wie noch in Folge 168. Rhea Harder weiß fast immer zu überzeugen. Mir stößt nur die Darbietung des Satzes in Track fünf „Was? Das ist ja entsetzlich Papi!“ auf. - Klingt total schräg.
André Minninger hat als Ettel viel mehr Text als gewöhnlich. Es ist schön, immer wieder seinen Standardsatz „Verstanden, Kommissar“ zu hören, wenn Gabys Vater ihm einen Befehl gibt.
Kommissar Glockner ist wie Ettel in letzter Zeit fast in jeder Folge zu hören. Dies gefällt mir sehr, nachdem Rolf Kalmuczak, alias Stefan Wolf, Glockner durch „Wespe“ ersetzte, um näher an der Jugend zu sein. Mir gefällt der väterliche Freund immer noch besser als der junge hippe „Wespe“, der auftritt, als ob er gerne noch mal 16 wäre.
Edgar Bessen spricht Gabys Vater absolut genial und seine Stimme klingt wie vor 70 Folgen.
Alle übrigen Sprecher wissen ebenfalls zu überzeugen. Hervorragend!
Noch ein lustiger Dialog zwischen Klößchen und Karl in Track „Hai-Alarm!“. Klößchen zum weißen Hai: „Glotz mich nicht so böse an! Verstanden?“ - „Bist du bescheuert? Ich halte Ausschau nach...“ (Karl)

Die Musikstücke sind durchaus passend. Etwas enttäuschend sind dagegen die Geräusche. Das brechende Panzerglas und die Kalaschnikow klingen absolut merkwürdig. Schade.

Das Cover gefällt mir. Es zeigt die dramatischste Szene des Hörspiels. Allerdings nur TKKG – keine Besucher, Kommissar Glockner oder die Diebin. Einziges Manko stellen Klößchens Haare dar, die zu wenig ins rötliche gehen und aussehen wie die von Gaby. Bei der Sonderausgabe der Zeitschrift „Familie & Co“ „Meisterdetektive“ sind Klößchens Haare rotblond, wie es sein sollte. Dieser Wechsel zwischen „gabyblond und rotblond istt bei den TKKG-Hörspielcovern von Comicon S.L. öfter zu sehen. Ich schiebe die Schuld pauschal auf die Druckerei.

Fazit


Die Hörspielserie „TKKG“ ist qualitätsmäßig auf einem Niveau angelangt, dass es zukünftig zu halten gilt. Die letzten fünf Veröffentlichungen sind alle auf dem gleichhohen Niveau und bedienen erstklassig eine junge Zielgruppe von sechsjährigen ohne dabei ältere Hörer vor den Kopf zu stoßen. Herausstechenstes Merkmal ist der nahezu völlige Gewaltverzicht von TKKG. Das übernehmen jetzt die Gangster. Kauftipp!


Eine Original-Rezension von TKKG-Site.de
Link zur Original-Rezension: So muss sich TKKG anhören

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