Donnerstag, 8. Juli 2010

Folge 090: Schmuggler reisen unerkannt

Seit Jahren habe ich mich davor gedrückt, diese TKKG-Folge zu bewerten. Ursächlich dafür ist unter anderem die einvernehmliche Ansicht vieler Hörer, dass ab Folge 90 TKKG nicht mehr zu genießen sei. Für mich ist das bis heute unverständlich. „Schmuggler reisen unerkannt“ stellt für mich eines der besten TKKG-Hörspiele dar. Dem Inlay zufolge hat auch noch André Minninger das Drehbuch anhand Stefan Wolfs Buchvorlage ausgearbeitet. Dies ist ihm meiner Meinung nach gut gelungen: Das Buch habe ich nicht so interessant und kurzweilig in Erinnerung.

Der Unmut vieler Hörer ist leicht nachvollziehbar: Seit den 90er Folgen kamen mehr Hörspiele als Bücher pro Jahr auf den Markt und der TKKG-Autor verfasste zunehmend häufiger die Drehbücher selbst. Das Resultat waren immer mehr Hörspiele ohne Buchvorlage. Es gibt gar sieben Hörspiele in Reihe ohne Buchvorlage zwischen Folge 90 und 100. Diese original Drehbücher schrecken viele Altfans ab, sind es doch teilweise ausgegliederte Minifälle der umfangreichen TKKG-Buchkriminalromane oder einfach abstruse Geschichten, die nicht einmal durch mehrere Fälle gleichzeitig abzulenken wissen. Mit dem Einsatz von TKKG-Krimis speziell für die Hörspielreihe scheint auch die Zielgruppe für die Hörspiele gesunken zu sein. In einem Interview äußerste Stefan Wolf einmal, dass er alle TKKG-Geschichten für das Medium Hörspiel neu schreiben würde, damit sich die jungen Hörer nicht fürchten. Somit erschließt sich der Grund, warum viele Altfans von den Hörspielen jenseits der 90. Folge abgeschreckt werden: Sie gehören absolut nicht mehr zur Zielgruppe.
Bei vielen kühlte nach Folge 90 die Hörspielleidenschaft für TKKG deutlich ab. Wer sich noch jenseits der 70. Folge an TKKG erfreuen konnte (Ausnahmen bestätigen die Regel!), sei auch dieses Hörspiel ans Herz gelegt.
Die Aussage, ab Folge 90 brauche man TKKG nicht mehr zu hören, ist meiner Ansicht nach eine Vereinfachung, die dem Hörspiel „Schmuggler reisen unerkannt“ nicht gerecht wird. Generell mag die Aussage zutreffen, doch ist eine Formulierung wie „...nach Folge 90...“ deutlicher, schließt sie den Rezensionsgegenstand doch mit zu den hörbaren TKKG-Geschichten ein. Alternativ sollte die Vereinfachung übergangen werden und „ab Folge 91...“ angebracht werden.
Andere Meinungen raten schon ab Folge 80 von einem Kauf ab, wieder andere schwören auf die Klassiker. Ich meine, dass jeder für sich selbst feststellen muss, wie weit er TKKG hören will. Bei der Einschätzung hilft es natürlich alle Hörspiele selbst zu hören oder anhand von Rezensionen und Kommentaren Personen aufzufinden, die einen ähnlichen TKKG-Geschmacksinn aufweisen und anschließend den Urteilen dieser soweit zu vertrauen, dass abgeschätzt werden kann, ob das Hörspiel hörenswert ist oder lieber auf eine weitere Folge gewartet wird. Auch nach 120 TKKG-Geschichten gibt es immer wieder absolut hörenswerte Überraschungen.

Ein Höhepunkt des Hörspiels ist die unglaublich gut gelungene Musikuntermalung. Stets passend vermittelt sie die verschiedensten Gefühlswelten. Bestes Beispiel dafür bietet die Einleitung des Hörspiels, die der Erzähler Günter König wunderbar eingesprochen hat.
Leider kann der Unterhaltung von TKKG zunächst wenig abgewonnen werden: „Mir lodern die Augen Tim. Ist es so schlimm?“, fragt Gaby. Tim erklärt daruf, was für die Bande ansteht: Der pansionierte Lateinlehrer Erich Schotten und sein Nachbarschaftsstreit mit Heinrich Klunk. Dabei gibt es noch einige nervige Kommentare, wie Gabys neuer Pullover und ein paar weitere Kleinigkeiten. Danach bessert es sich jedoch zunehmend. Alle TKKG-Mitglieder unterhalten sich miteinander. Die Gespräche kommen sehr natürlich rüber, was auch ein Grund für die großartige Atmosphäre des Hörspiels ist.
TKKG sind auf dem Weg zu Schotten, um Klunk einer Straftat zu überführen. Schotten glaubt, Klunk werde seinen Keller unter Wasser stellen, sollte dieser die Gelegenheit dazu erhalten. Dafür soll sich TKKG bei Schotten verstecken und dieser offiziell für einige Zeit vereisen. Natürlich kommt alles anders und schnell dramatisiert sich die Lage: Ein „Mordversuch“, bewaffneter Hausfriedensbruch und diverse „Unfälle“ werden wichtig. Dabei dreht sich zuletzt alles um zwanzig Kilo Heroin, die in einem Kurierfahrzeug, wie schon im TKKG-Fall „Todesfracht im Jaguar“, nach Deutschland transportiert werden sollten. Verschiedene Parteien versuchen in Besitzt von Rauschgift zu gelangen - ohne Rücksicht auf Freunde oder Familie.
Diese Folge strotzt nur so vor falschen Fährten, Lügen und unsympathischen Mitmenschen. Gesprochen werden diese verschiedenen schrägen Typen von hervorragenden Sprechern.
Frank Ramond als kriegerischer Nachbar Heinrich Klunk, Stefan Schlabritz als KFZ-Werkstattbesitzer mit seinem Mitarbeitern Ludwig Brendl, gesprochen von Falko Freitag, und Hartwig Platzke (Achim Schülke) sind ein wahrer Ohrenschmaus. Die Sprecher der TKKG-Bande und Edgar Bessen als Kommissar Glockner sind ebenfalls in top Form.
Saßmanns Sohn Sascha, gesprochen von Frank Meyer-Brockmann, und Anna Curilla als Tochter des Gastwirts Dinkelmeier überzeugen weniger. Sie klingen nicht so professionell wie die übrigen Sprecher - inklusive derer, die ich nicht aufgezählt habe.
Das Cover zeigt eine Szene, bei der Gaby vom Sohn des Besitzers der KFZ-Werkstatt Saßmann, an den Haaren gezogen wird, nachdem dieser Gaby auf Horchposten bemerkt hatte. Dies ist die Schlüsselszene des Hörspiels, mit der sich für TKKG alles verändert. Daher hat das Motiv seine Berechtigung, doch gefällt mir die Ausführung weniger. Besonders Schascha Saßmann sieht nicht aus wie ein Jugendlicher.

Fazit
Ein verzwickter Fall für TKKG, bei dem kräftig ermittelt werden muss und TKKG mächtig viel unterwegs ist. Dabei treffen sie auf viele zwielichtige Gestalten, die alle nicht mit der Wahrheit rausrücken wollen. Die Sprecher sind eine wahre Ohrenfreude. Jeder passt hervorragend zu seiner Rolle und spricht absolut überzeugend. Die unglaublich gut gelungene Musik- und Geräuschkulisse runden den Eindruck des hervroragenden Hörspiels ab.

Eine meiner Lieblingsfolgen: 15 Punkte / Schulnote: 1+

Eine Original-Rezension von TKKG-Site.de
Link zur Original-Rezension: Die 90. TKKG-Folge ist ein echter Hinhörer!

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