Dienstag, 2. November 2010

Gruselkabinett (44/45) Berge des Wahnsinns (Doppelrezension)
























Produktion: Titania Medien 2010
Sprecher: Reiner Schöne, Jan Panczak, Eckart Dux, Annina Braunmiller, Alex Turrek, Bettina Weiß u.a.
Genre: Grusel / Horror
Dauer beider Teile: ca. 120 Minuten


Inhalt Teil 1:
New England 1930
Der Geologe William Dyer, ein Professor an der Miskatonic University, ist der Kopf einer großangelegten Expedition in die Antarktis. Gemeinsam mit seinem Assistenten Larry Danforth, seiner Kollegin Dr. Leni Lake, deren Assistentin Leslie Carroll, dem Ingenieur Prof. Frank H. Pabodie, dem Physiker und Meteorologen Prof. Atwood und diversen Hilfskräften bricht Dyer auf, den unwirtlichen Kontinent der Erde zu erkunden. Ein sehr gefährliches Unterfangen, wie sich herausstellt...

Inhalt Teil 2: In den Weiten der Antarktis 1931
Die Professoren Dyer und Pabodie fliegen gemeinsam mit Larry Danforth und einem kleinen Team mit dem letzten verbliebenen Flugzeug in Richtung der neu entdeckten Bergkette. Was wird sie dort nach dem dramatischen letzten Funkspruch, den die Kollegen gesendet haben, erwarten...?


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Florian Lichtenstern:

Die Handlung:
Besonders starke Höhepunkte in dieser Reihe sind die Geschichten von H.P. Lovecraft. Das beweist Titania Medien erneut mit einer Inszenierung einer der Geschichten des Meisters. Eine kleine Gruppe von Forschern wird in die Antarktis auf eine Forschungsreise geschickt, um den unwirtlichen Kontinenten der Erde zu erkunden. Wie nicht anders von Lovecraft zu erwarten, sehen sich die Personen seiner Geschichte mit einer Gefahr konfrontiert, vor der es kein Entrinnen gibt. Eine abenteuerliche und gefährliche Reise beginnt, in welche von Titania Medien aufrund des reinen Männergehalts der Lovecraftgeschichten zwei weibliche Charaktere erfolgreich und gewitzt geschrieben wurden.

Sprecher: Man beschränkt sich auf eine kleine aber feine Besetzung. So führt Reiner Schöne als Ich-Erzähler mit gländendem Schauspiel und reeler Angst durch die Geschichte und die Riege an. Eckart Dux zeigt erneut auf, dass er zu den Topsprechern der Szene gehört, was nicht nur an der vortrefflichen Wahl der Rolle liegt. Bettina Weiß überzeugt in einer der beiden - von Titania extra dazugeschriebenen Frauenrollen - mit großem Fleiß und überzeugender Ausdruckskraft. Man nimmt ihr die Frau mit großem Forscherdrang und Neugierde vollkommen ab. Ebenfalls ist der Sohn der Synchronlegende Hans Georg Panczak (Mark Hamill) - Jan Panczak - zu hören. Er spricht die zweite Hauptrolle, die man neben Reiner Schöne zu hören bekommt: Larry Danforth. Ein ungestümer und wissbegieriger Jungspund, der an der Seite von Professor Dyer (Reiner Schöne) mit auf die Reise geht. Die Besetzung vollenden der junge und engagierte Synchronsprecher Alex Turrek, der in der kürzeren Rolle des Professor Atwood zu hören ist und Janina Braunmiller, die vor allem durch ihre Synchronrolle in "Twilight" bekanntgeworden ist. Sie mimt die junge Forscherin Leslie Carroll, die sich zu Professor Atwood hingezogen fühlt. Alles in allem zwar eine kleine aber sehr feine und gelungene Besetzung, die beängstigendes Leben in die Geschichte bringt.

Musik und Geräusche:
Das Grauen, das H.P. Lovecraft mit seinen düsteren und unheimlichen Geschichten versucht hatte, zu beschwören und Realität werden zu lassen, wird hier realistischer, als er sich hätte je erträumen können. Eine beängstigende Athmosphäre beschwören Marc Gruppe und Stephan Bosenius mit ihrer etwa zweistündigen Inszenierung herauf. Ein überaus flüssiges Zusammenspiel aus einem filmreifen Soundtrack und realistischen Geräuschen ergibt ein düsteres und unheimliches Klangbild, das ich mit vollster Überzeugung "Kino im Kopf" nennen kann.

Cover: In dem gewohnt stylischen und gruselig anmutenden "Klassiker-Look" von Alice Kaiser werden zwei weitere Bilder von Illustrationen-Künstler Firuz Aksin präsentiert, die jeweils eine Szene aus dem Hörspiel darstellen sollen. Das Booklet enthält außer den Produktonsnotizen noch eine Auflistung aller bisher erschienener Folgen der Gruselkabinettreihe und eine Seite mit Informationen zum Bildkünstler Firuz Askin.

Gesamtfazit:
H.P. Lovecraft in "bestem" Klang und in beunruhigend dichter Inszenierung mit kleiner aber sehr feiner Besetzung. Das Hörspiel wird entweder in zwei Einzel-CDs oder im Schuber geliefert. Grandioses Kopfkino!

15 Punkte / Note 1


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Hauke Preuß:
Professor Dyer bereitet eine Expedition in die Antarktis vor. Gegen seinen Willen nimmt die Biologin Dr. Leni Lake an ihr teil. Dyer ist ein sturer Kopf, der recht konservativ denkt. Daher ist es immer wieder amüsant, dem Hin und Her zwischen ihm und Dr. Lake zu lauschen. Es stehen sich zwei starke Persönlichkeiten gegenüber.
In der Antarktis angekommen werden sensationelle Funde gemacht, die zur Trennung von Prof. Dyer und Dr. Lake führen: Sie operieren an unterschiedlichen Stellen. Kurz bevor der Professor beschließt zugunsten von Dr. Lake seinen Stützpunkt aufzugeben gibt es einen Notruf und Dyer begibt sich mit seinem Assistenten in die Berge des Wahnsinns ...
H. P. Lovecrafts Geschichten handeln oft von den großen Alten. Hier bezeichnet Dr. Lake eine von ihr neu entdeckte Spezies fast genauso. Es ist also ein typisches Thema Lovecrafts. Mir gefällt dabei sehr gut, wie subtil das Grauen eingeführt wird. Erschaffen wird dieser durch die vielen Andeutungen, Vermutungen des Hörers und nicht zuletzt dank der herausragenden Geräuschkulisse und Musikauswahl, die wieder einmal äußerst passend ist.
Diese Episode des Gruselkabinetts weist viele amüsante Dialoge auf, welche sich stets dafür eignen, sich als Hörer zu entspannen, von all dem Grusel. Darüber hinaus gibt es faszinierende wissenschaftliche Funde, die eine packende Geschichte erzählen. Es wird nie langweilig.
Besonders hervorheben möchte ich dieses Mal den Einschnitt nach dem ersten Teil. In den letzten Mehrteilern gelang es nicht, den ersten Teil so enden zu lassen, dass unbedingt der zweite Teil sofort gehört werden musste. Hier ist es anders: Wer nach der letzten Sekunde des ersten Teils nicht augenblicklich den zweiten hören will, muss einfach die letzte halbe Stunde des Hörspiels verschlafen haben.
Die Sprechercast mag nicht die größte sein, doch was sie leistet, ist eben dies: fantastisch! Besonders Reiner Schöne hat es mir als Prof. Dyer angetan. Zuletzt blieb er mir als Darth Vader in Star Wars in den Ohren. Hier brilliert er als durchaus liebenswerter Professor.

Fazit
Titania Medien ist wiedermal ein Meisterwerk im Gruselkabinett gelungen. Eine Glanzleistung!

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