Freitag, 19. November 2010

Gruselkabinett Nr. 48 - Die Squaw

Bram Stroker, heutzutage vor allem wegen seines Romans Dracula bekannt, verfasste die Squaw. Ein Indianerthema schien mir äußerst spannend. Das Hörspiel startet direkt mit einer Folterszene: Der Schächter (Boris Tessmann) wird von der Squaw (Bettina Weiß) am Marterfall gefoltert.
Eben diese Szene hat mir einen Großteil des Hörspiels vermiest. Die gewünschte Wirkung kann ich mir gut vorstellen: Ein actionreicher Einstieg, der den Hörer auf das Grauen einstellen soll, welcher ganz zum Schluss der Geschichte seinen Höhepunkt findet. Wie bei romantischen Stoffen vielfach üblich baut sich das Grauen langsam auf und allen Warnungen zum Trotz geschieht schlussendlich die ersehnte Katastrophe. Dies ist hier ebenfalls so. Die Beweggründe der Squaw den Schächter zu Tode zu quälen werden im Verlauf bekannt und auch was der amerikanische Abenteurer, der das frisch vermählte Ehepaar Price durch Deutschland begleitet, mit der Sache zu tun hat.
Bettina Weiß konnte mich als Squaw nicht im geringsten Überzeugen. Es war mir unmöglich ein Bild dieser Frau zusammen mit ihrer Stimme zu erzeugen. Beim Schächter fiel mir dies einfach. Boris Tessmanns gequälte Darstellung fand ich jedoch ebenfalls nicht sonderlich stimmig. Die Szene kam mir unrealistisch und unwirklich vor, geradezu übertrieben. Später wurde von Indianern berichtet, die bei der Folgerung anwesend waren. Dafür kam mir die Szene auch zu ruhig rüber. Sie hat mich das ganze Hörspiel über beschäftigt, da so viel Potenzial verschenkt wurde.
Viktor Neumann als George Price hat mir sehr gut gefallen. Seine Frau wird von Reinhilt Schneider gesprochen. Auch sie überzeugt. Amelia Price ist eine Frau, die mir wahrhaft auf die Nerven gehen würde. Die Rolle passt jedoch ins Konzept. Überaus genial finde ich Frank Gustavus als amerikanischen Abenteurer Elias P. Hutcheson. Ich wusste bis zu diesem Hörspiel gar nicht, wie gut Gustavus spielen kann. Ihn nehme ich den Abenteurer jederzeit ab und der Wahnsinn am Ende des Hörspiels ist genial. Ebenso großartig wie Gustavus ist Axel Lutter als Museumsführer und noch dazu äußerst unheimlich.
Die Musik- und Geräuschkulisse sagt mir zu und bietet keinen Anlass zur Klage.

Fazit
Für diese Geschichte kann ich mich nicht richtig erwärmen. Wie so oft gibt es ein Ereignis zu Beginn des Hörspiels und erst am Ende wird es wieder von Bedeutung. Bei anderen Hörspielen, wie zum Beispiel der weiße Wolf, sind die Auswirkungen des ersten Ereignisses ständig spürbar. Hier fehlt dies völlig und erst sehr spät, kurz vor dem Finale wird es wichtig. Dadurch wird die Geschichte für mich weniger interessant. Hauptausschlaggebend für meine Enttäuschung bei diesem Hörspiel ist wohl der Einstieg des Hörspiels, bei dem mich zwei Sprecher nicht überzeugten. Schade. Das Finale am Ende höre ich gern, aber ein 15-Minuten-Hörspiel ist zu wenig. Vielleicht bin ich auch zu sehr voreingenommen von den vielen guten Indianerhörspielen, die ich kenne und liebe.

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