Freitag, 22. Juli 2011

Gruselkabinett Nr. 50 - Das Gespenst von Canterville

Dies ist bestimmt die tausendste Vertonung von Oscar Wildes Gespenst von Canterville. Da ich selbst so einige Vertonungen besitze und bereits viele Fassungen des Stoffes kenne, hat es lange gedauert, bis ich dieses Hörspiel angegangen bin. „Schon wieder das Gleiche! Das wird doch irgendwie langweilig.“ Waren jedes Mal meine Gedanken, als ich die CD betrachtete und mich für ein anderes Hörspiel entschied.
Während der ersten Minuten war ich total begeistert von Titania Mediens Inszenierung. Diese Begeisterung hielt bis zum Ende des Hörspiels an. Ich hörte die Folge das erste Mal vor dem Einschlafen, im Dunkeln, wie es sich meiner Meinung nach für Hörspiele aus dem Gruselkabinett gehört. Danach war gar nicht so schnell an Ruhe zu denken. Meine Überraschung, eine so gelungene Hörspielfassung tatsächlich noch zu erleben, war immens.

Die Sprecherliste ist sehr umfangreich und ich bin vollends begeistert – mit Ausnahme von Mathis Färber und Alexander Mager. Die beiden sprechen die jüngten Mitglieder der Otisfamilie, die das Schloss Canterville kauft und bezieht. Die Kritik bezieht sich nicht allein auf ihre Leistung. Auch die technische Seite und das Drehbuch tragen eine Mitschuld. Die Stimmen sind teilweise viel zu laut, aufdringlich und ein typisches „Overacting“-Gefühl setzt ein. Störend empfinde ich auch die extreme Häufung des Synchronsprechens. Das wirkt unrealistisch und fast immer aufgesetzt, erzwungen.
Zu den übrigen Sprechern weiß ich nur Worte des Lobes. Besonders gefreut hat es mich, Eckart Dux als Lord Canterville zu hören. Eine kauzige, aber sehr wohl englische Vorstellung. Sir Simon de Canterville (das Gespenst) spricht Friedrich Georg Beckhaus absolut überzeugend. Besonders die Frustration des Gespenstes wird gelungen vermittelt. Außerdem sagen mir seine Gespensterlaute sehr zu.

Die Inszenierung ist perfekt: Jedes Geräusch, jede Atmosphäre und jedes Musikstück ergibt eine gewaltige Symphonie. In diesem Punkt hat mich die Produktion absolut aus den Schuhen geworfen und begeistert mich nun seit drei Tagen. Sehr gelungen finde ich in dem Zusammenhang die Vertonung des Gespenstes, das erst recht spät anfängt zu sprechen. Dadurch gibt es einige wahrlich gruselige Szenen. Besonders für Hörer, die doch tatsächlich noch nicht den Inhalt der Geschichte kennen.

Das Cover finde ich merkwürdig. Ich vermisse die im Hörspiel angesprochenen Locken des Gespenstes. Gestört hat mich seit dem ersten Blick der Effekt, der die Transparenz des Gespenstes verdeutlichen soll. Es sieht so aus, als ob an der Position der Treppenstufen einfach eine transparente Ebene, die als Füllfarbe einen weißlichen Farbton hatte, angelegt wurde. Vor allem weil die Linien so hart gezogen sind, wirkt es vielmehr wie Lichtstrahlen. Reichlich merkwürdig.

Fazit
Für mich eines der besten Oscar Wilde – Hörspiele. Leider hat die Produktion ein Manko: Die Otiszwillinge fallen durch unglaubwürdiges Synchronsprechen auf und wirken immer wieder aufgesetzt. Darüber hinaus gibt es nichts bei den Sprechern oder der Produktion auszusetzen. Die technische Seite ist perfekt, die Atmosphäre unglaublich schön und auch unheimlich. Die Geschichte bietet viele Stellen zum Lachen und bleibt konstant spannend bzw. interessant. Ein tolles Hörspiel!

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