Sonntag, 22. Juli 2012

Gruselkabinett Nr. 62 - Rappaccinis Tochter

Der junge Giovanni Guasconti (Max Felder) zieht zwecks Studium um und mangels finanzieller Mittel in ein preiswertes Zimmer. Er ist zunächst sehr unglücklich, da es ihm zu dunkel ist. Zu seiner Freude hat er jedoch einen Balkon mit der Aussicht auf einen wunderschönen Garten mit den gefährlichsten und schönsten Pflanzen der Erde. Der Hüter des Gartens ist Dr. Giocomo Rappaccini (Manfred Erdmann). Der Student Giovanni verliebt sich in Rappaccinis Tochter Beatrice (Jacqueline Belle) – und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.
Bis dahin ist noch alles wunderbar, doch Giovannis Beobachtungen und die Warnungen von Professor Pietro Baglioni (Reinhard Glemnitz) lassen Schlimmes vermuten. Was hat der gnadenlose Forschergeist Rappaccini mit seiner Tochter und seinem Garten Tödliches gemacht und warum? Wieso schützt und versteckt er seine Tochter vor jedem jungen Mann?

Beim vorliegenden Hörspiel handelt es sich um eine klassische Liebesgeschichte, bei der jedoch etwas Grusel aufkommt und die Experimente nicht minder schräg sind wie in der klassischen Erzählung Frankensteins. Jedoch werden keine Experimente plastisch vorgeführt. Der Hörer folgt rein dem Studenten: Ein auf das Hören beschränktes Kammerspiel.

Die wenigen Sprecher leisten eine eindrucksvolle Arbeit, die sofort das Gefühl eines Kammerspiels aufkommen lässt. Bis auf Angelika Bender, die Lisabetta, die Vermieterin von Giovanni, spricht, habe ich alles bereits oben genannt. Sie alle interagieren hervorragend. Aufgrund der Dialogdichte entsteht eine großartige Atmosphäre. Zu Beginn noch bedrückt bis heiter wird es anschließend immer bedrohlicher bis im Finale das Schrecklichste passiert und alles aufgeklärt wird. Nach der Klimax bleibt jedoch offen, wie es mit den Überlebenden weitergeht. Somit ist der Hörer nach dem Genuss des Hörspiels dazu eingeladen, noch ein wenig über das Hörspiel nachzudenken: Wie es wohl weitergeht und wie die Rappaccinis so leben konnten.

Auf der musikalischen Seite und bei den Geräuschen erwartet und erhält der Hörer das typische hohe Titania Medien Niveau. Sehr gut!

Fazit
Rappaccinis Tochter von Nathaniel Hawthorne ist ein sehr trauriges Hörspiel im Gruselkabinett. Es ist ein romantisches Liebeshörspiel mit einigen gruseligen Elementen und lebt von den Dialogen und der traurigen Wahrheit am Ende. Ein tolles Kammerspiel!

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