Freitag, 21. September 2012

Gruselkabinett Nr. 65 - Gesellschafterin gesucht!

„Gesellschafterin gesucht!“ ist die 65. Folge des Gruselkabinetts. Die mittellose Bella Rolleston hat ihr Leben lang hart mit ihrer Mutter arbeiten müssen, damit sie über die Runden kommen. Nun ist sie 18 Jahre alt und sucht eine Stelle als Gesellschafterin, um ihrer Mutter nicht länger finanziell zur Last zu fallen, sie sogar finanziell zu stützen. Zu diesem Zweck stellt sie sich bei einer Vermittlungsagentur vor, die sie auch bald erfolgreich vermittelt: Sie kommt zu einer alten Dame, die einen unheimlichen durchdringenden Blick und einen ebenso schaurigen Leibarzt hat. Die Bezahlung ist gut, außerdem hat Bella viel Freizeit. Doch nach und nach verliert sie ihre Lebenskraft und hat schreckliche Albträume. Hat sie diese, weil sie so wenig Arbeit zu verrichten hat, wie ihr zugetragen wird? Auch ihre beiden Vorgängerinnen starben wohl im Dienste der alten Frau, weil sie zu viel Fantasie entwickelt und schreckliche Albträume hatten…

Dieses Hörspiel unterhält wunderbar. Es ist anfangs ein wenig traurig, wegen Bellas unglücklicher Lage. Doch obschon ihre Arbeitgeberin unheimlich ist, scheint zunächst alles gut. Eine heitere ausgelassene Stimmung macht sich breit. Bella erlebt eine schöne Zeit und findet neue Freunde. Bald hat sie Nachts Albträume und der Hörer beginnt, sich sorgen zu machen. Gab es doch bereits zuvor Andeutungen, die nichts Gutes bedeuten konnten.
Es handelt sich um einen weiteren Eintrag im Gruselkabinett, der eindeutig den Fokus auf das Romantische gelegt hat und kaum auf Grusel. Das ist nicht weiter schlimm. Es macht Freude der Handlung zu folgen und gegen Ende wird es auch zunehmend bedrohlich. Es stellt sich regelrecht die Frage, ob die klischeehafte Vermutung, die der Hörer aufgrund seiner Erfahrungen mit Gruselromanen haben mag, bestätigt und der Arzt und Lady Ducayne, Bellas Arbeitgeberin, wirklich schreckliche Monster sind. Mich hat die Auflösung am Ende überrascht. Dachte ich anfangs noch an eine Variation der „typischen Beschreibung“, die einfach nur verwirren sollte, stellte sich letztendlich heraus, dass es logisch ist, derartige Verletzungen zu haben . Ich war schockiert über so viel Egoismus und fehlenden Respekt gegenüber dem Leben. Mehr möchte ich nicht verraten. Der Kauf lohnt sich!

Dieses Hörspiel hat eine relativ große Anzahl an Sprecher. Wie gewohnt sind alle Sprecher erstklassig aufgelegt und passen wunderbar zu ihrer Rolle. Sehr gut hat mir Christian Wolff als Erzähler gefallen. Er passt auch stimmlich wunderbar zur Erzählung. Sie hat etwas sommerlich Leichtes. Ich hoffe ihn noch öfter, auch als Erzähler, hören zu dürfen. Bella wird genial von Julia Stoepel gesprochen. Eine bezaubernde Stimme, die wunderbar zu einer jungen und relativ naiven Frau passt. Susanne Tremper spricht famos Miss Torpinter, die Vermittlungsagentin. Wie bereits gesagt brauchen sich auch die übrigen Sprecher nicht verstrecken. Alle überzeugen auf ganzer Linie.

Neben den tollen Geräuschen und Atmosphären sind schöne Musikstücke ausgesucht worden, die die jeweilige Stimmung exzellent spiegeln. Hier liegt bekanntlich eine weitere Stärke der Hörspiele aus dem Hause Titania Medien. Es wird dem Hörer leicht gemacht, sich in die Protagonistin einzufühlen.

Fazit
Ich bin ganz begeistert von diesem Hörspiel. Es ist eine willkommene Abwechslung, besonders an düsteren Tagen, die einen den Sommer zurückwünschen lassen. Dazu kommen die großartigen Sprecher und die tolle Geschichte mit einer überraschenden Wendung am Ende. Grusel gibt es hier allerdings nicht wirklich. Nur Spannung und Mitgefühl, die Sorge um die Protagonistin: Flieht sie noch rechtzeitig, ehe sie nicht mehr zu retten ist?

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