Donnerstag, 31. Januar 2013

Mark Brandis (01) - Bordbuch Delta VII

„Es ist eine Illusion zu glauben, in unserer zivilisierten Welt funktioniere alles von selbst. Wir sind in der Verantwortung.“

Wir schreiben das Jahr 2119: Auf der Welt herrscht Frieden, die Union Europas, Amerikas und Afrikas hat sich mit den Vereinigten Orientalischen Republiken arrangiert. Der deutsche Testpilot Mark Brandis ist in „Mark Brandis: Bordbuch Delta VII“ mit dem Prototypen Delta VII, einem Raumschiff mit revolutionär schnellem Antrieb, für einige Wochen unterwegs.

Sofort nach der Landung auf der Erde wird die ganze Crew um Commander Harris verhaftet. Während ihres Testflugs hat General Gordon B. Smith aus Texas mit seiner Organisation „Reinigende Flamme“ ein totalitäres Regime errichtet. Wie konnte ihm dies so schnell und scheinbar ohne Widerstand der Bevölkerung gelingen?

Diese Inhaltsangabe, wie sie auf www.markbrandis.de zu lesen ist, gibt den richtigen Eindruck vom ersten Mark Brandis Hörspiel und dem Start des vierteiligen Bürgerkries-Zyklus.


Das Hörspiel beginnt Actionreich mit einer brenzligen Situation, die das neue Raumschiff Delta VII bis an dessen Grenzen bringt. Im Anschluss wird schnell die neue Situation auf der Erde untersucht, nachdem das generelle Machtgefüge erklärt wurde. Es ist erschreckend, wie schnell sich alles ändern konnte und in welcher Form. Durch die gelungene Schilderung ist es ein Leichtes, mit den Figuren zu fühlen, mit ihnen zu Leiden. Besonders natürlich mit dem Protagonisten: Mark Brandis.

Gegen Ende der Folge wird deutlich, wie eine riesige demokratische Union sich in kürzester Zeit zu einem totalitären Regime wandeln konnte, die einen Krieg gegen die feindlichen Republiken anstrebt. Diese Folge ist nur der Anfang vom sogenannten „Bürgerkrieg-Zyklus“, denn in folgenden Folgen geht der Kampf um die Demokratie weiter und gegen den „General“, der alle unterjocht. Für reichlich Spannung ist gesorgt.

Die Machverhältnisse der Hörspielserie erinnern stark an den Kalten Krieg und der plötzliche Wechsel von der Demokratie zur Diktatur an Hitlers Machtergreifung. Das soll auch so sein. In diesem Fall wird aufgezeigt, dass sich die Geschichte auch in der Zukunft unter anderen (technischen) Bedingungen wiederholen kann.


Die nach dem Protagonisten benannte Serie nimmt sich ernst. Das spiegelt sich ständig in realistisch wirkenden Szenarien wieder, die vom ausgefallenen Automatismus für die Schwerkraftregelung im Raumschiff bis hin zu zwischenmenschlichen Problemen reichen. Alles wird plausibel dargestellt, sodass es ein Leichtes ist, das Geschehen auf seine eigenen Erfahrungen, sein eigenes Wissen zu beziehen. Das macht die Hörspielserie so sympathisch. Da ich alle bisher veröffentlichten Mark Brandis Hörspiele kenne, weiß ich zu sagen, dass dies ein Markenzeichen dieser Serie ist.

Mark Brandis erlebt in kürzester Zeit viele kritische Situationen, die denen der realen Vergangenheit sehr ähneln oder absehbare Risiken waren bzw. sind. Der Autor von Mark Brandis schafft es dabei hervorragend die Brücke zwischen den Zeiten zu schlagen und macht es einfach, allgemeine Weisheiten abzuleiten. Ein schönes plakatives Beispiel ist der nachfolgende Gedankengang von Mark Brandis auf einem Flug in einen Kampf um das Überleben der Demokratie: „Es ist eine Illusion zu glauben, in unserer zivilisierten Welt funktioniere alles von selbst. Wir sind in der Verantwortung.“

Der Hörer wird regelrecht ermuntert sich mit den Werten von Mark Brandis und seinen Problemen zu beschäftigen. Damit, was in der Welt passiert, welche Probleme es geben kann und immer wieder gibt, wie man ihnen begegnen kann und welche Folgen es haben könnte. Dabei ist Mark Brandis kein perfekter Mensch: Er wurde erst kürzlich vom Commander zum Captain degradiert, weil bei einer seiner Aufträge ein Mensch ums Leben kam. Mark Brandis Kommentar dazu: Es sei ihm wichtig, für seine Fehler auch Verantwortung zu übernehmen.


Neben Mark Brandis gibt es nur eine SF-Hörspielserie mit der ich wirklich etwas anfangen kann, weil sie über den üblichen Groschenroman-Stoff hinausgeht: Takimo. In der Hörspielserie steht die Wissenschaft (und mit ihr verbundene Philosophie) im Vordergrund. Es werden viele komplizierte Themen in einem beigelegten Lexikon (einfach verständlich) verarbeitet, die wichtig sind, um die Hörspiele vollständig zu durchdringen. Dabei strahlt die Serie eine Ruhe aus und eine Spannung, die eben nicht aus Action generiert wird.

Bei Mark Brandis ist es ähnlich. Die Actionszenen sind kein Popcorn-Kino, sondern real: Eindringlich, packend, niemals übertrieben. Wo Takimo den Fokus auf das Wissenschaftliche legt (geisteswissenschaftliche Probleme), ist bei Mark Brandis der Mensch im Fokus (menschliche Probleme): Wie er untereinander interagiert, wie zwischenmenschliche Beziehungen aussehen, welche Probleme es gibt…

Für beide Serien gilt jedoch, dass sie nicht auf ihren Fokus beschränkt sind. Es gibt viel mehr zu entdecken, aber das jeweils genannte bildet den Schwerpunkt.

Nun zur Ruhe, die auch Mark Brandis wie Takimo ausgestrahlt: Das liegt an der Erzählweise (dem Inhalt), der Musik und den Sprechern. Das Zusammenspiel der Komponenten. Es ist selten, dass Hörspiele eine Ruhe und Gelassenheit gepaart mit Spannung und Aufregung bieten, da sich dies im Grunde widerspricht. Diese beiden schaffen es (irgendwie doch).


Fazit
Diese Mark Brandis Folge ist absolut empfehlenswert. Es gibt großartige Sprecher, Geräusche, Atmosphären, Action, ruhige Szenen und viel über das nachgedacht werden darf. Ein großartiges SF-Hörspiel!

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