Montag, 9. September 2013

Gruselkabinett Nr. 73 - Das Grauen im Blue-John-Stollen

Auf Wunsch seines Arztes verlässt Dr. Hardcastle seine Heimat und zieht bei einer älteren Frau im ländlichen Derbyshire ein, damit sich sein Gesundheitszustand verbessern kann. Wie Wikipedia weiß, gibt es ein Mineral namens „Derbyshire Blue John“. Und genau dies wurde in der Geschichte vor langer Zeit ganz in der Nähe der Farm, auf der fortan der junge Doktor lebt, abgebaut. Ein offener Stollen, in dem ehemals das besagte Mineral abgebaut wurde, scheint ein aufregendes Ausflugsziel zu sein. Doch noch Dr. Hardcastle ihn das erste Mal betritt, wird er gewarnt: Alle Bewohner meiden den Stollen. Davon lässt sich der junge Mann nicht abhalten und begegnet schon bald dem „Grauen im Blue-John-Stollen“ …

Dieses Hörspiel ist in der Tat gruselig. Es wird wie üblich in einem – für romantische Literatur geradezu typischen – ruhigen Tempo vorgetragen. Das mag in der Hektik der Moderne manchem Hörer nicht schnell genug gehen, für andere mag es jedoch genau das Richtige sein: Mir hilft es, vom Stress und der Hektik des Alltags herunterzukommen, kurzzeitig zu entspannen, um dann nach nicht allzu langer Zeit, versunken im Hörspiel, mitzufiebern und sich an den richtigen Stellen zu gruseln. Die Handlung ist dafür gemacht und dank der tollen Musikauswahl in Kombination mit den Geräuschen, wird alleine durch das Wiederholen des Gruselthemas dieses Hörspiels schon eine Gänsehaut bei mir aufgebaut, und Erleichterung macht sich breit, wenn im Anschluss nichts Schlimmes passiert. Das ist gekonnt und gefällt mir sehr gut.
Das Ende hat mir ebenfalls gut gefallen. Es führt unweigerlich zu bestimmten Fragen und zu einer lebhaften Diskussion, welche Position nun einzunehmen ist, denn für beide Seiten – das Grauen anerkennen oder als Unsinn abzutun – gibt es Argumente. Wen die Geschichte angefixt hat, kann auch im Internet über die Förderung von Blue John in der heutigen Zeit in Derbyshire recherchieren und damit noch tiefer in die Geschichte eintauchen.

Die Musik gefällt mir durchgehend. Bei den Geräuschen habe ich eine Kleinigkeit auszusetzen. An einer Stelle behauptet der Protagonist, das Grauen renne auf ihn zu. Nun erwarte ich als Hörer eine schnellere Abfolge der Stampfgeräusche. Dies konnte ich jedoch nicht feststellen. Falls es schneller ist, war es für mich zu minimal, um diese Szene optimal zu unterstützen und die Bedrohung akuter erscheinen zu lassen.

Dies Sprecher gefallen mir auch bei diesem Hörspiel. Ganz selten empfand ich Marc Oliver Schulzes Präsentation (als Protagonist) etwas schwächer: dann ging die Betonung mehr in Richtung „professionell vorgelesen“. Dieses Empfinden hatte ich teilweise bei seinen Dialogen zusammen mit Matthias Kofler als Armitage. Er klang für mich häufig nach „professionell vorgelesen“. Irgendwie auch etwas apathisch, teilnahmslos in der Stimme. Ob das eine Fehlinterpretation von mir ist, so gewollt oder vielleicht einfach Koflers normaler Duktus – ganz egal, für mich ist das ein kleiner Makel des ansonsten gelungenen Hörspiels.

Fazit
Dieses Hörspiel hat immer wieder unheimliche Momente und ein Ende, das es dem Hörer überlässt zu entscheiden, welche Wahrheit er bevorzugt. Somit bin ich insgesamt zufriedengestellt und freue mich schon auf ein Wiederhören.

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