Mittwoch, 11. September 2013

Gruselkabinett Nr. 74 - Die Macht der Dunkelheit

„Die Macht der Dunkelheit“ ist ein Hörspiel von Marc Gruppe, das zwei Geschichten von Edith Nesbit erzählt. In der Rahmenhandlung geht es um das Künstlerpaar Laura und Jack. Die beiden machen Urlaub von der Londoner Großstadt und beschließen währenddessen ein abgelegenes Haus zu erwerben. Damit haben sie ihr Schicksal besiegelt und nur der Hörer wird erfahren, was an Halloween dort Grausiges geschieht.
Vor Halloween sind die beiden schrecklich kreativ. Jack als Maler und Laura als Autorin. Nachdem sie ihr Werk vollendet hat, liest sie es Jack vor, was die Umsetzung der zweiten Geschichte darstellt. In dieser geht es um zwei Freunde, die eine Mutprobe vereinbaren: Sie wollen in einem Wachsfigurenkabinett heimlich eine Nacht verbringen. Erwartungsgemäß nimmt dies kein gutes Ende …

Ich finde die Idee wunderbar, aus zwei Geschichten, die jeweils für sich auch bei einer gemächlichen Umsetzung zu wenig Stoff für ein Hörspiel hergeben, eines zu machen. Das ist hier geschickt gelöst. Außerdem werden damit zwei Geschmäcker bedient: einmal der übernatürliche Grusel und dann der Grusel der menschlichen Psyche. Zudem gibt es dadurch keine wirklichen Längen bei den 74 Minuten Hörspiellaufzeit.

Die Sprecher sind allesamt hervorragend ausgesucht. Brigitte Kollecker-Frank ergibt ein tolles Duo mit Wolfgang Rüter, das ein wenig an ihr Duett mit ihrem verstorbenem Mann Horst Frank als Tom Fawley und Eireen Fox erinnert. Beide haben sehr kräftige Stimmen und ich musste das Hörspiel fünf Mal hören, bis ich kaum noch das Gefühl hatte, dass manchmal mit der Betonung – besonders von Frau Kollecker-Frank – nicht stimmt. Mit der Internetrecherche habe ich dann festgestellt, dass es wohl Frau Kollecker-Franks Art zu sprechen ist. Für mich klang es besonders am Anfang mehrfach nicht so ganz richtig betont. Damit meine ich: Nicht lebensecht, real. Es klang für mich noch leicht abgelesen. Gewollt und betont auffällig ist dies, als sie in der Rolle der Laura aus ihrem neuestem Manuskript vorliest. Da ist es vollkommen in Ordnung. Am Anfang des Hörspiels fällt sie öfters in denselben Tonfall, der mir eben besonders aufgefallen ist.
Obschon es mir auffiel, hat es mich nicht wahnsinnig gestört, eher fasziniert, ob ich richtig liege. Nach fünfmaligem Hören des ganzen Hörspiels vermag ich das immer noch nicht zu sagen. Daher sei dies hier nur erwähnt und wer mag, darf mir eine Rückmeldung geben: ob es auffiel oder nicht und wie es empfunden wurde.
Wolfgang Rüter hat mir großartig gefallen. Ihn möchte ich gerne in vielen weiteren Hörspielen hören. Rolf Berg als Arzt weiß ebenfalls zu überzeugen und fügt sich gut in das Hörspiel ein, weil er ebenfalls eine kräftige markante Stimme hat.
Bene Gutjan, Tim Schwarzmaier und Julia Stoepel sprechen sehr gut in der Erzählung in der Geschichte. Sie haben ebenfalls auffällige Stimmen, die jedoch jünger, heller, weniger kräftig klingen als die von Rolf Berg, Wolfgang Rüter und Brigitte Kollecker-Frank. Dadurch heben sich die beiden Geschichten auch stimmlich sehr gut voneinander ab.

Dieses Hörspiel bildet eine der wenigen Ausnahmen, bei denen ich die Musikuntermalung ein klein wenig anders vorgenommen hätte. Im ersten Track bei der fünften Minute gibt es ein Musikstück, welches für meinen Geschmack zu laut eingespielt ist, sodass es sich für mich zu sehr in den Vordergrund drängt. Das liegt allerdings mit an dem Stück, welches mich an typische Hintergrundmusik in öffentlichen Orten wie Diners vergangener Tage erinnert. Ein wenig leiser oder schlichtweg ein anderes Musikstück, hätte mir persönlich besser gefallen. Ansonsten hätte es auch einfach ausgeblendet werden können, ehe die Protagonisten erzählen. Bei den Geräuschen gibt es nichts auszusetzen – wie üblich.

Fazit
Insgesamt ein schönes Gruselhörspiel mit wirklich unheimlichen Stellen, tollen Stimmen und einer gelungenen Inszenierung.

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