Sonntag, 19. Januar 2014

Gruselkabinett Nr. 80/81 - Der Mönch

Matthew Gregory Lewis‘ „Der Mönch“ beschreibt die Geschichte des Mönches Ambrosio, der die ganze Stadt mit seinen Predigten begeistert. Wann immer er eine Rede hält, strömen seine Fans zu ihm. Das müssen sie auch, da er bisher seine Klostermauern nie verließ. Um ihn herum passiert eine Menge (daher braucht das Hörspiel zwei CDs, mit einer Laufzeit von über 150 Minuten): Der Hörer erfährt zunächst die Geschichte von Lorenzo de Medina und Christoval Conde d'Ossorio, zwei angesehenen Männern, von denen sich einer während des Aufenthalts in der Kirche des Kapuzinerklosters verliebt. Er möchte seiner Liebe helfen, indem er bei seinem Freund Raymondo de las Cisternas um dessen Unterstützung bittet. Dies wird tatsächlich vereinbart. Zuvor braucht aber Raymondo Hilfe, denn seine große Liebe ist Lorenzos Schwester, die unter unglücklichen Umständen ins Kloster eingetreten ist …
Bei den tragischen Geschichten, die erzählt oder erlebt werden, geht es schon bald übernatürlich zur Sache. Zum Beispiel tritt alsbald die unheimliche Nonne mit dem blutverschmierten Dolch in Erscheinung, die das Cover der ersten CD ziert. Die Geschichte von Lorenzo und Raymondo ist stark mit der des Mönches Ambrosio verbunden. Wie stark, das wird erst am Ende klar. Der überaus geschätzte Kuttenträger ist gotttreu, verliert sich aber zusehends, bis er am Ende gottlos und allein daliegt. Sein beginnendes Verhängnis und er selbst sind auf dem Cover der zweiten CD abgebildet.

„Der Mönch“ ist eine traurige Geschichte mit einer überaus dichten Atmosphäre. Es passiert ständig etwas Neues (dank mehrerer verwobener Handlungsstränge). Obwohl die Vorlage schon über 200 Jahre alt ist, steht sie in Sachen Gewalt und Erotik modernen historischen Pay-TV-Serien in Nichts nach. Das ist sicherlich der Grund, warum sie zu seiner Zeit umstritten war und Nachdrucke zensiert wurden. Besonders beeindruckt hat mich die Auflösung am Ende. Einigen Wendungen der Geschichte haben mich sehr überrascht.

Die Sprecherriege bei diesem Hörspiel ist groß und hervorragend ausgewählt. Jede Rolle ist perfekt besetzt. Besonders die weiblichen: Hier wurde wert darauf gelegt, dass sich die Stimmen gut differenzierbar sind und es somit jederzeit leicht fällt, die Personen zu unterscheiden. Hiermit beweist Titania Medien für mich erneut ihr Geschick bei der Sprecherauswahl. Oft genug hatte ich es schon bei anderen Labels, dass bei den männlichen Sprechern sehr bekannte, gut unterscheidbare Stimmen engagiert wurden, aber bei den Damen aus unerfindlichen Gründen nicht das gleiche Geschick bewiesen wurde.
Hier passt einfach alles. Da mag ich eine einzelne Sprecherin oder einen Sprecher garnicht hervorheben. Sie sind alle super.

Bei den Geräuschen und der Musikauswahl habe ich nichts auszusetzen. Es wird immer stimmig untermalt. Für meinen Teil schwächeln höchstens ein wenig die Szenen, bei denen viele Menschen anwesend sind. An passende Hintergrundgeräusche wurde gedacht, doch sind diese sehr leise und gehen manchmal in der Musik unter. Bei der Szene mit dem aufmüpfigen „Pöbel“ passt das noch, aber den Anfang des Hörspiels in der Kirche, die komplett gefüllt ist, finde ich seltsam, weil kein nahes Rascheln von Kleidung zu hören ist, nur ganz selten hallende Schritte und vor allem kein nahes Flüstern. Immerhin unterhalten sich vier Personen sehr gut verständlich im Gotteshaus. Da sie dies tun, finde ich es seltsam, dass in ihrer Umgebung sonst keiner Derartiges tut bzw. nicht hörbar ist. Für mich klingt die Hintergrundgeräuschaufnahme so, wie in einer größeren Kirche oder Kathedrale, die von Touristen besucht wird. Da verlaufen sich die Geräusche genauso, wie im Hörspiel zu hören. Aber gerade, wenn das Gotteshaus voll besetzt ist und selbst an Säulen Hocker sind für weitere Plätze und dort ebenfalls kein Platz mehr frei ist, müsste es sich meiner Meinung nach anders anhören. Wenn ich als Tourist eben ein solches Gebäude besucht habe, so klang es wie im Hörspiel, wenn niemand in meiner Nähe saß. Waren aber Personen in der Nähe oder unterhielten sich leise, so war dies auch zu vernehmen.
Diese (ausführliche) Anmerkung ist allerdings lediglich eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist. Ich hätte mir aufgrund meiner Erfahrungen ein wenig mehr Realismus gewünscht.
Festzuhalten bleibt, dass sich Titania Medien offensichtlich größte Mühe geben hat bei der tonalen Umsetzung. Das dürfte der Grund sein, wieso mir eine solche Kleinigkeit überhaupt aufgefallen ist: Weil alles so stimmig und atmosphärisch ist, war ich so in der Realität der Szenen vertieft, dass ich sie unbewusst mit meinen Erfahrungen abgeglichen habe.

Fazit
Ein packendes Hörvergnügen, das modernen historischen Pay-TV-Serien in Nichts nachsteht. Beste historische Schauerromantik!

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