Sonntag, 6. Dezember 2015

Gruselkabinett Nr. 106 – Das Traktat Middoth

Erst nachdem sich die CD aufgehört hat zu drehen, lese ich den Klappentext eines Hörspiels von Titania Medien. Denn bei Titania Medien kann ich blind zugreifen. Bisher wurde ich nie enttäuscht. In letzter Zeit fallen mir die kurzen Klappentexte auf, die meistens herrlich wenig vom Inhalt verraten, dafür jedoch ebenfalls oft kein besonderes Interesse bei mir wecken. So ist es auch hier. Wobei mich die eigenwillige – altdeutsche – Schreibweise schon häufig irritierte. In diesem Fall stolpere ich über die falsche Deklination des Wortes Bibliothek.
Mr. Garrett arbeitet in einer der berühmtesten Bibliotheken des Landes. Eines Tages taucht ein alter Mann auf und fragt erregt nach einem bestimmten Buch. Als William Garret das Buch für den erschöpften Mann sucht, ist es bereits entliehen. John Eldred, so heißt der alte Mann, ist entsetzt und lässt im Folgenden nichts unversucht, um an das gewünschte Buch zu gelangen. Während seiner Arbeit in der Bibliothek erblickt Mr. Garret Grausiges, in Folge dessen er für eine Woche nicht mehr in der Bibliothek verweilt. Wird Mr. Eldred das Buch entleihen können? Welches Geheimnis verbirgt es?

Das gruselige Covermotiv passt hervorragend zum Inhalt und gibt sehr gut die Atmosphäre des Hörspiels wieder. Die Sprecher, Musikeinlagen und Geräusche lassen das Hörspiel zu einem Genuss werden. Die Krux ist einmal mehr der Inhalt. Titania Medien holt produktionsmäßig das Beste heraus, doch der Inhalt ist für mich nichts Besonderes. Es ist eine romantische Geschichte mit unheimliches Elementen, die jedoch nie aufgeklärt werden oder mir besonders logisch in seinem Ursprung zu sein scheinen – von simpler Boshaftigkeit abgesehen. Insgesamt ist das Hörspiel für mich sehr gut, aber nicht ausgezeichnet. Sehr gut deshalb, weil mich die Atmosphäre so begeistert und ich mich im Hörspiel selig verlieren kann.

Dreizehn Sprecher bzw. Schauspieler listet das Inlay auf. Reinhard Scheunemann führt mit seiner angenehmen Stimme durch das Hörspiel. Ich hoffe auf ein baldiges Wiederhören. Constantin von Jascheroff ist erneut großartig in einer weiteren Rolle im Gruselkabinett. Bernd Rumpf spielt vorzüglich den alten John Eldred. Seine Verzweiflung, Erregung, Erschöpfung, ja alle seine Gemütszustände sind wunderbar herausgearbeitet. Den genialen Gegenpart stellt Lutz Mackensy als eingesessener, mürrischer Bibliothekar dar. Wunderbar! Herma Koehn und Cathlen Gawlich geben ein schönes Mutter-Tochter-Gespann ab. In weitere Rollen sind die Stimmen von Rainer Gerlach, Hans Bayer, Pascal Breuer, Sabina Trooger, Anja Krause und Marc Gruppe zu hören. Eine besondere Freude war Judy Winters kurzer Auftritt als Haushälterin. Sie und Regina Lemnitz sind für mich die Stimmen, mit denen ich starke Frauenpersönlichkeiten verbinde, die in einem Angestelltenverhältnis sein mögen, sich aber psychisch nie unterkriegen lassen. Spannend fände ich ein Aufeinandertreffen der beiden Stimmen in einem Hörspiel.

Fazit
Ein Meisterwerk des atmosphärischen Hörspiels mit einer soliden Geschichte der Schauer-Romantik.

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