Sonntag, 27. November 2016

Gruselkabinett Nr. 110 – Der Drachenspiegel

Mit „Der Drachenspiegel“ erwartet den Hörer ein doch sehr anderer Beitrag im Gruselkabinett als Madame Mandilips Puppen nach Abraham Merritt. Letzteres hat durchgehend die unsere Welt im Fokus, wohingegen der Drachenspiegel ein Tor in eine andere darstellen soll. Davon versucht zumindest James Hemdon seinen besorgten Freund zu überzeugen. Hemdon war überraschend lange abwesend. Keiner wusste wo er war. Plötzlich ist er wieder da. Verletzt! Mr. Ward macht machte sich umgehend auf dem Weg, seinen aufgetauchten Freund zu besuchen. Wo war er so lange? Wie ist er ungesehen verschwunden und wieder aufgetaucht? Woher stammen die Verletzungen?

In diesem gelungenen Kammerspiel überzeugen vor allem die Sprecher. Claus Thull-Emden als besorgter Freund, Peter Lontzek als selbstüberzeugter Millionär, Jürgen Thormann als tyrannischer Herrscher, Stephanie Kellner als sanfte Geliebte, Louis Friedemann Thiele als Diener und Benedikt Weber als chinesischer Begleiter Hemdons.

Obwohl die Geschichte gekonnt erzählt wird, stellt sie die Schwäche des Hörspiels dar. Es ist ein Kammerspiel, mit gelegentlichen Rückblenden. Ohne die tollen Sprecher wären die mitunter langwierigen Dialoge bzw. Monologe deutlich zu behäbig. Tatkräftige Handlung gibt es nur Häppchenweise, dafür aber gewohnt erstklassig inszeniert. Das Ende der Geschichte hinterließ mich frustriert: Nun hat man alles erfahren, was passiert ist, bis James Hemdon zurückkehrte sowie was er vorhat. Der Rest bleibt offen. Die Neugier wird nicht befriedigt und der Hörer dürfte entweder mit Hemdon übereinstimmen und ähnlich handeln oder sein Vorhaben entschieden ablehnen und sich über dessen Vorhaben ärgern. Wie auch immer: Die Konsequenzen darf sich der Hörer ausmalen und somit die Geschichte im eigenen Geiste weiterspinnen. Oder es einfach hinnehmen: Wie in der Realität, werden bleiben bestimmte Dinge im Verborgenen.

Fazit
Ein ordentliches Kammerspiel, das von den Sprechern lebt und der interessanten Darstellung einer anderen Welt. Für meinen Geschmack hätte die Geschichte am Ende etwas mehr verraten dürfen und insgesamt etwas zackiger erzählt werden. So wechseln sich interessante Szenen und Geschehnisse mit ein wenig langatmigen ab, in denen der Hörer im Idealfall ebenso ungeduldig ist, wie Mr. Ward, dem James Hemdon seine unglaublichen Erlebnisse schildert.

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