Sonntag, 18. Dezember 2016

Gruselkabinett Nr. 114 & 115 – Der Ruf des Cthulhu

Diese dreiteilige Kurzgeschichte H.P. Lovecrofts gibt es nun als zweiteiliges stimmungsvolles Hörspiel. Die erste CD hat eine lange Laufzeit von 71 Minuten. Das mag etwas verwirren, weil die zweite dagegen mit 39 Minuten geradezu kurz daherkommt. Die Teilung finde ich jedoch gut gelungen, da so der erste Teil (bestehend aus den ersten beiden Kapiteln der Kurzgeschichte) ein in sich stimmiges rundes Hörspiel abgibt und der zweite ebenfalls. Die beiden Folgen können problemlos unabhängig voneinander gehört werden. Folge 115 hat mir besser gefallen. Bei diesem Zweiteiler hätte es sich auch angeboten, die beiden Folgen separat zu veröffentlichen.

Francis Wayland Thurston verwaltet den Nachlass seines Großonkels Angell, der über den Cthulhu-Mythos geforscht hat. Fasziniert setzt er die Forschungen seines Großvaters fort. Die Recherchen und Erlebnisse anderer werden in drei Kurzhörspielen präsentiert. Die Rahmenhandlung Thurstons, der auch vielfach als Erzähler fungiert, trägt die verschiedenen Berichte.

Die erste Erzählung beschreibt die Träume eines Künstlers. Träume sind ein essentielles Element in der Handlung. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Es ist eine gelungene, ruhige Einführung in die Thematik – den „Ruf des Cthulhu“. Direkt im Anschluss erfolgt die Darstellung vom Polizisten John Raymond Legrasse und von Professor William Channing Webb, die jeweils in verschiedenen Teilen der Welt einem grausamen Kult begegnen, der Cthulhu verehrt.

Diese beiden Erzählungen folgen dem Nachlass Professor Angells. Francis Thurstons Nachforschungen werden erst einige Zeit später – zufällig – fortgesetzt, auf Folge 115. Die Teilung auf diese zwei CDs ist besonders geschickt, da sie gut unabhängig voneinander funktionieren. Außerdem stellt Folge 115 den Höhepunkt dar. Mit dem Vorwissen aus Folge 114 erscheinen die Erlebnisse viel schneller dramatisch und zum Schluss zeigt sich das unheimliche und mörderische Wesen namens Cthulhu.

Die Geschichte entspricht bestimmt dem Zeitgeist ihrer Entstehungszeit. Auf der Suche nach einer Menschengruppe, die als (besonders geistig) schwächlich dargestellt werden kann, präsentiert Lovecroft „Mischlinge“ und besetzt diese direkt mit vielen abwertenden Adjektiven, sodass sie als minderwertige Rasse angesehen werden. Mir war es unangenehm, diesen Teilen der Handlung zuzuhören.

Die Sprecher sind eine Wucht. Ich bin ein großer Fan von Christian Starks Stimme. Hier spricht er die Erzähleranteile und spielt Francis Wayland Thurston.
Im Gegensatz zu den Sprechern, kann ich an der Soundkulisse Kritik üben: In Folge 115 sind die Kampfszenen teilweise sehr gut dargestellt, aber teilweise auch sehr vereinfacht. Insgesamt wirkte die Flucht von der Insel etwas unausgeglichen auf mich. Von den Geräuschen her, aber auch von der Stimmenabmischung Patrick Bachs, der mir etwas zu laut erscheint und zu wenig panisch. In den sich anschließenden Szenen hätte ich mir etwas mehr hörbaren Wahnsinn und Verzweiflung gewünscht. So wirkt es auf mich etwas befremdlich, wenn davon die Rede ist, dass aufgrund der Erlebnisse / des Wissens um Ereignisse, die Lust verspürt wird, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Es wird mehr behauptet als hörbar gemacht. Ebenso beim Kampf. Das mag allerdings auch der gewollt ruhigen Art des Gruselkabinetts geschuldet sein. Der Kampf hätte ein komplettes Hollywood-Action-Kino-für-den-Kopf-Hörspiel werden können.

Fazit
Ein toller Zweiteiler, dessen kurzer und dramatischer zweite Teil mich besonders überzeugt hat. Eine tolle Aufbereitung Lovecrofts bekannter Kurzgeschichte.

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